Betrug vor Gericht

2.000 Tumore vorgetäuscht: Spanier kassiert Spenden

  • vonJudith Finsterbusch
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Angeblich litt Paco Sanz unter 2.000 Tumoren und war dringend auf Spenden für eine Behandlung angewiesen. Doch die Masche des Spaniers erwies sich als Betrug.

Der Spanier Paco Sanz brauchte angeblich Spenden für die Behandlung von 2.000 Tumoren.

Madrid - Ein Spanier, der 2.000 Tumore vortäuschte und damit
Spenden in Höhe von 264.780 Euro erschlich, wird zu einer Haftstrafe verurteilt. Paco Sanz heißt der Betrüger aus der Region Valencia im Nordosten von Spanien. 2017 wurde der heute 50-Jährige in seiner Wohnung in Pobla de Vallbona verhaftet, nachdem er jahrelang von Privatleuten, aber auch etlichen Prominenten angebliche Spendengelder kassiert hatte.

MadridHauptstadt von Spanien
Höhe667 m
Fläche604,3 km²
Bevölkerung6,642 Millionen (Stand 2019)

Spenden mit vorgetäuschten Tumoren: Spanier bat bei öffentlichen Auftritten um Geld

Auf eine zweijährige Haftstrafe einigten sich am Montag Paco Sanz‘ Anwalt und die Staatsanwaltschaft vor Gericht in Madrid. Zuvor hatte der Spanier gestanden, die Vorwürfe der Anklage seien zutreffend. Der 50-Jährige hatte im Fernsehen, Internet und bei öffentlichen Veranstaltungen jahrelang behauptet, er habe bis zu 2.000 Tumore. Er werde womöglich bald sterben und sei dringend auf Spenden angewiesen.

Sanz leidet tatsächlich an einer seltenen Erbkrankheit, dem Cowden Syndrom, die auch Tumore auslösen kann - allerdings gutartige. Die Krankheit ist nicht lebensbedrohlich. Sieben Jahre lang bat der Spanier immer wieder um Spenden, er gründete sogar eine gemeinnützige Gesellschaft für die Erforschung seiner Krankheit und ernannte sich selbst zum Präsidenten. Auch ein Buch über ihn wurde veröffentlicht - an den Verkaufseinnahmen war Paco Sanz beteiligt.

Spenden angeblich für Tumor-Behandlung in den USA

Die Spenden brauchte der Spanier angeblich für eine teure Behandlung in den USA. Viele Menschen hatten Mitleid mit dem Simulanten, der mit seiner Glatze wie ein Patient in Chemotherapie wirkte, und spendeten Geld, darunter auch mehrere Prominente von Sängern über Fußballspieler bis hin zu Moderatoren und Schauspielern. Tatsächlich war Paco Sanz Behandlung in der Uniklinik Valencia kostenlos. In den Vereinigten Staaten nahm der Spanier zwar an einer Studie teil, bei der neue Behandlungsmethoden ausprobiert wurden. Die Kosten dafür waren jedoch durch die Macher der Studie gedeckt.

Die Betrugsmasche mit den Spenden, die für die angebliche Behandlung der Tumore gebraucht wurden, begann 2010 mit der Erstellung einer Internetseite. Der Spanier weitete seine Spendengesuche schließlich auf Soziale Medien aus und richtete sogar einen SMS-Dienst ein, über den Spender kleine Beträge zahlen konnten. Dass sich mit Krankheiten illegal Geld verdienen lässt, zeigt auch der Fall eines falschen Arztes, der bei Valencia Briten gegen Bezahlung angeblich gegen Krebs behandelte. Mit Tumoren macht in Valencia sonst für gewöhnlich eher Pedro Cavadas Schlagzeilen: Der Chirurg operiert oft weit angereiste Patienten und vollbringt dabei wahre „Wunder der Medizin“.

Im Fall des Betrüger Pacos Sanz ist auch dessen damalige Partnerin angeklagt, an dem Betrug beteiligt gewesen sein. Medienberichten zufolge gab der Spanier die ergaunerten Spendengelder für Luxusgüter aus. 2017 flog der Betrug schließlich auf und Paco Sanz wurde verhaftet. Unklar ist derzeit noch, wie der Betrüger seine Opfer entschädigen muss. (mit dpa)

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