Modekonzern Inditex mit der Top-Marke Zara
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Bleibt in der Familie: Modekonzern Inditex mit der Top-Marke Zara bekommt neue Chefin.

Größter Modekonzern

Marta für Zara: Reichster Mann Spaniens setzt Tochter auf Inditex-Thron

  • VonThomas Liebelt
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Inditex - Eine Familienangelegenheit in Spanien: Den größten Modekonzern der Welt wird Marta Ortega in die Zukunft führen. Wie geht es weiter mit Zara, Pull&Bear, Massimo Dutti, Bershka, Stradivarius?

La Coruña – Tagelang beherrschte ein Führungswechsel die Wirtschaftsnachrichten in Spanien und in der Modewelt. Vor allem, weil er überraschend kam. Ab 1. April 2022 wird eine junge Frau die Präsidentschaft über Inditex, den größten Modekonzern der Welt, übernehmen. Die 37-jährige jüngste Tochter des Inditex-Gründers Amancio Ortega löst Pablo Isla an der Spitze des Verwaltungsrats ab. Der 57-jährige Isla, der 17 Jahre lang die Geschicke des Konzerns leitete, gilt als einer der angesehensten Wirtschaftsführer des Landes. Unter ihm wurde Inditex richtig groß.

Jetzt ist klar: Inditex bleibt ein Familienunternehmen

Wie zu erwarten war, reagiert die Börse nervös. Die Inditex-Aktie machte erst einen Satz nach unten: minus 6,1 Prozent. Nur um sich am nächsten Tag wieder zu berappeln, als durchsickerte, dass man es bei Marta Ortega mit keiner Ahnungslosen zu tun hat. Mögliche Vorbehalte rührten wohl noch aus Zeiten ihrer ersten Ehe mit einem Springreiter her, als die Inditex-Erbin, damals selbst Turnier-Reiterin, so manche Titelseite der Klatschpresse zierte. Diese Phase ist längst vorbei. In zweiter Ehe ist Marta Ortega mit Carlos Torretta, Sohn des Designers Roberto Torretta, verheiratet.

Mit 37 Jahren Konzernboss: Neue Inditex-Chefin Marta Ortega soll analogen und Online-Verkauf integrieren.

Die 37-Jährige, Absolventin der European Business School in London, hat zwar bislang keine offizielle Funktion innerhalb des Konzerns, dennoch ist sie überall präsent. Hat als Verkäuferin in Läden der Marke Zara gearbeitet, besucht noch immer die Shops, kennt jede Abteilung des Konzerns und alle Mitarbeiter in der Zentrale im galicischen Arteixo in der Provinz La Coruña. So gesehen ähnelt sie ihrem inzwischen 85 Jahre alten Vater, der bis zu seinem Ausscheiden als Präsident 2011 ebenfalls einen kollegialen Führungsstil pflegte. Ein eigenes Büro, wird erzählt, habe er nie besessen.

Trendwende bei Zara & Co: Mehr Mode machen als nur verkaufen - 1,3 Milliarden Gewinn in halbem Jahr

In den vergangenen Jahren konzentrierte sich Marta Ortega auf die Design-Abteilung für Frauenmode. Mit deren Leiterin Beatriz Pardín war sie für Image-Kampagnen der Marke Zara verantwortlich. Sie förderte den Trendwechsel bei Zara vom Modehandel mehr hin zum Modemacher. Heute gilt Marta Ortega als das Gesicht von Zara. Wird sie mit einem T-Shirt der Marke abgelichtet, ist es am nächsten Tag ausverkauft.

Als Präsidentin des Verwaltungsrats wird Marta Ortega keine exekutiven Aufgaben übernehmen. Das bleibt dem Vorstand vorbehalten. Auch hier gibt es einen Führungswechsel. Carlos Crespo hat den Vorsitz an Generalsekretär Óscar García Maceiras abgetreten, der von der Bank Santander kommt.

Spaniens reichster Mann, Amancio Ortega, macht bei Inditex Platz für seine jüngste Tochter, Marta.

Inditex gehört keineswegs zu den großen Modekonzernen, die die Digitalisierung und den Online-Handel verschlafen haben. Seit 2012 wurden zwölf Milliarden Euro in die Digitalisierung investiert.

Mit 37 Jahren Konzernboss: Neue Inditex-Chefin soll analogen und Online-Verkauf integrieren

Diese Unternehmenspolitik wird die neue Präsidentin fortsetzen mit dem Ziel, die physischen Shops und die Online-Shops der einzelnen Marken vollständig miteinander zu verknüpfen. Darüber hinaus wird von ihr verlangt, Inditex auf allen Ebenen in ein „grünes“ Unternehmen zu verwandeln.

Vor dem zweiten Generationenwechsel steht das 1984 gegründete Unternehmen glänzend da. Im ersten laufenden Steuerhalbjahr machte Inditex einen Gewinn von 1,27 Milliarden Euro. Der Börsenwert beträgt 87 Milliarden Euro. Marta Ortega wird in Zukunft als mächtigste Frau an der Spitze des wertvollsten Ibex-Konzerns stehen. Bislang hatte Ana Botín, Präsidentin der Großbank Santander, diese Rolle inne.

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