Ein Arbeiter der Firma Eurocoffin stellt einen Sarg her. Im stark von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Spanien sind binnen 24 Stunden 932 neue Todesfälle registriert worden. Einer von ihnen war der Baumagnat Paco El Pocero. Foto: dpa

Prominentes Opfer

Madrid – sk. Er sonnte sich gerne darin, eine Yacht zu besitzen. “die ein kleines bisschen größer al...

Madrid – sk. Er sonnte sich gerne darin, eine Yacht zu besitzen. “die ein kleines bisschen größer als die von König Juan Carlos ist” - doch sein immenser Reichtum konnte ihn nicht vor dem winzigen Coronavirus schützen. Spaniens berühmtester Baumagnat Paco, el Pocero, starb am gestrigen Freitag im Alter von 74 Jahren an Covid-19 und ging als einer der 10.935 Opfer des Coronavirus ein, die das Land nun insgesamt verzeichnete neben den 117.710 Angesteckten und 30.513 Patienten, die diese Epidemie überwunden haben. Einen Monat vor seinem Tod musste Francisco Hernando – der Spitzname "der Schweinehirt" nimmt Bezug auf den Beruf seines Vaters - noch mit ansehen, wie die spanische Vereinigung der Prokuristen die Versteigerung der Immobilien der von ihm 2007 errichteten Vorstadt bei Seseña mitten in einer Art Wüste bei Toledo auf den Weg brachte. Von diesem Symbol der Immobilienblase und seiner Baufirma Onde 2000 bleiben nun ein Schuldenberg von 87 Millionen Euro. Hernando hielt die bescheidenen Verhältnisse, aus denen er stammte, nie hinter dem Berg. Ganz ihm Gegenteil. Der Exentriker prahlte in TV-Shows, dass er das erste Mal mit 29 Jahren unter einer Dusche stand, als Kind Wasser, dann Lumpen und Kohle verkaufte und schließlich vom Schweinehändler zum Bauherren aufstieg und sah sich wohl gerne als ein Investor mit dieser amerikanischen Mentalität vom Tellerwäscher zum Millionär. Wobei sein Aufstieg sich keineswegs kometenhaft vollzog, Paco el Pocero setzte mehrere Bauprojekte in den Sand, handelte sich oftmals Probleme mit der Justiz ein, unter anderem, weil er eine Bürgermeisterin mit dem Tod bedroht haben sollte, weil sie sich weigerte Ackerland für eine seiner Geschäftsideen aus Zement umzuwidmen. Doch die Anzeige gegen ihn bei der Guardia Civil brachte ihn keineswegs zum Einlenken, stattdessen zog er in die Politik und bereicherte den kommunalen Wahlkampf mit Flugzeugen, die Werbung für seinen Kandidaten machten. Den Wahlsieg gegen die aufmüpfige PP-Bürgermeisterin verfehlte er zwar, immerhin schaffte er es zur “unerwünschten Person” erklärt zu werden, während sein Strohmann als Oppositionsführer agierte. Um ihn ranken sich so viele Legenden, dass es heute ebenso mühsam wie müßig scheint diese Madrider Vorstadtanekdoten von der Wahrheit zu trennen wie Ferkel von einer Sau. Aber scheinbar traf er immer wieder im richtigen Moment auf die richtigen Leute, die ihre Hände schützend über ihn hielten. Der Arbeitsminister und ehemalige Bürgermeister von Benidorm und Ministerpräsident Valencians, Eduardo Zapalana, etwa verlieht ihm die Verdienstmedaille für Arbeit, just als die Staatsanwaltschaft für Korruptionsdelikte gegen ihn ermittelte. Die vor Lob triefende Begründung verfasste ein Kabinettschef in der Staatskanzlei, der sich später als ein Verwandter entpuppte. 2008 entging er einer Gefängnisstrafe wegen Steuerhinterziehung nur durch eine Zahlung von drei Millionen Euro, wobei er eigenen Angaben zufolge dem Fiskus ein Trinkgeld von 1.200 Euro hinterließ. Der spanischen Schlagergöttin Rocío Jurado stellte er 2006 seinen Privatjet zur Verfügung, damit die zu der Zeit bereits schwer erkrankte Diva aus den USA zurückkehren konnte. Wie sie diesen Flug überstand ist nicht bekannt, Hernandos Mutter aber berichtete bisweilen mit Entsetzen, dass sein Sohn, wenn es ihm in den Sinn kam, den Piloten anwies,  mit ein paar "Loopings" Abwechslung in die Streckenflüge zu bringen. Als 2008 die Immobilienblase platze, versuchte Paco el Pocero sein Glück in Guinea, wo er ohne großen Erfolg das Modell seiner Arbeiterstadt kopieren wollte. Die Trabantenstadt mit den geplanten 13.000 Wohneinheiten bei Madrid, von denen auch “nur” 5.000 tatsächlich erbaut und 2.000 in Bankbesitz übergingen, machte seiner Zeit nicht nur wegen des künstlichen Sees Schlagzeilen, sondern weil das Madrider Wasserwerk El Pocero des Wasserklaus im großen Stil beschuldigte. Dem früheren Bürgermeister von Seseña, Manuel Fuentes von den Vereinten Linken, der engagiert aber vergeblich versuchte, dem Bauwahn Einhalt zu gebieten, warf er einmal öffentlich vor. “Du bist der einzige ehrenwerte Bürgermeister Spaniens und ein Idiot.” Zuletzt machte das gigantische Spekulationsobjekt Schlagzeilen, weil der Altreifenfriedhof gegenüber der Siedlung tagelang brannte und die Luft der ganzen Region verpestete. Dort soll übrigens heute, berichtet die Zeitung “El País”, die frühere rechte Hand des Pocero Straßen kehren und sich noch auf zwei Autoritäten berufen – <uf Gott und Francisco Hernando.

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