Dieses Bild ist passé: Eine Thomas-Cook-Maschine startet am Flughafen Alicante. Foto: Ángel García

Reiseriese ist pleite

London – dpa/ms. Der britische Reiseanbieter Thomas Cook ist pleite. Am Montag beantragte der weltwe...

London – dpa/ms. Der britische Reiseanbieter Thomas Cook ist pleite. Am Montag beantragte der weltweit zweitgrößte Anbieter Insolvenz – das trifft auch die spanische Tourismusbranche schwer. Wegen offener Rechnungen verliert das Land laut Schätzungen rund 200 Millionen Euro. 600.000 Urlauber waren zu Beginn der Woche direkt von der Pleite betroffen, Großbritannien startete eine beispiellose Rückholaktion für 150.000 Briten. Allein 70.000 mussten aus dem Urlaub in Spanien, dem wichtigsten Zielland von Thomas Cook, zurückgebracht werden. Das Aus von Thomas Cook trifft in Spanien vor allem die Kanaren, die Balearen und Andalusien. Die Costa Blanca kommt nach Angaben des Benidormer Hotelierverbands Hosbec mit einem blauen Auge davon: In den vergangenen Jahren sei die Anzahl der Thomas-Cook-Kunden an der Küste stetig gesunken. Die Schulden des britischen Reiseanbieters bei den Hosbec-Mitgliedern betrage rund 1,5 Millionen – „Peanuts“, wie Verbandspräsident Toni Mayor sagte. Er vertraue darauf, dass andere Anbieter das Loch, das Thomas Cook hinterlasse, in wenigen Monaten füllen werden. Sieben Millionen Urlauber Mit dem britischen Reiseveranstalter waren im vergangenen Jahr rund sieben Millionen der insgesamt 82 Millionen ausländischen Touristen nach Spanien gekommen. Auf den Kanaren machten die Thomas-Cook-Kunden nach amtlichen Angaben 20 Prozent aller ausländischen Besucher aus, auf den Balearen waren es zehn bis 15 Prozent. Die Konsequenzen der Pleite für Mallorca seien „von einer bisher nie dagewesenen Dimension“, sagte die Präsidentin der Hotelierverbandes Mallorca (Fehm), María Frontera. Rund 600.000 Urlauber waren zu Wochenbeginn mit Thomas Cook weltweit unterwegs. Nach Schätzungen waren in Spanien rund 70.000 britische Gäste direkt von der Pleite betroffen, weil sie mit Thomas-Cook-Maschinen angereist waren. Die Rückholaktionen für diejenigen unter diesen Touristen, die ihren Spanien-Urlaub zu Wochenbeginn beendet hatten und von der Pleitennachricht am Flughafen überrascht worden waren, verlief derweil auf insgesamt elf spanischen Airports ohne größere Probleme. Die Verluste in Spanien treffen große Hotelketten wie Meliá und Iberostar, aber auch mittlere und kleinere Unternehmen, wie der Vizepräsident des Reiseunternehmerverbandes Exceltur, José Luis Zoreda, sagte. Weltweit verlieren 22.000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz, jeweils rund 1.000 davon auf den Balearen und den Kanaren. Spaniens Tourismusministerin María Reyes Maroto wollte sich mit Politikern und Unternehmern der am stärksten betroffenen Regionen treffen, um über Strategien für die Zukunft zu beraten. Zuvor waren die Bemühungen um eine Rettung des angeschlagenen Konzerns gescheitert. Die britische Regierung hatte eine Finanzierungsbitte über 150 Millionen Pfund (knapp 170 Millionen Euro) abgelehnt. Der Brexit dürfte die Situation des ohnehin schwächelnden weltweit ältesten Reisekonzerns verschärft haben. Kritiker warfen Thomas Cook zudem vor, die Modernisierung des Reisemarktes verschlafen zu haben.

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