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Tante-Emma-Läden hatten es schon vor der Coronavirus-Krise schwer. Sterben sie jetzt ganz aus?

Spanische Selbstständige in Not

Friseure, Künstler, Tante-Emma-Läden: Sieben von zehn Kleinunternehmen ohne staatliche Unterstützung

  • vonMarco Schicker
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Ende März hatte die Regierung Hilfen für Selbständige und Kleinstunternehmen verkündet, die vom Geschäftsausfall wegen der Coronavirus-Krise betroffen sind. Erst jetzt wurden die Bedingungen und die Begünstigten von der Sozialversicherung konkretisiert. Dabei wird klar, dass der Großteil von ihnen im Stich gelassen wird.

  • Coronavirus-Krise bringt spanische Kleinunternehmer ans Existenzminimum.
  • Staatliche Hilfen lassen auf sich warten.
  • Viele Unternehmer fühlen sich im Stich gelassen.

Madrid - Während die Industrie und die größeren Unternehmen der Dienstleistungsbranche binnen Wochen Millionen von Arbeitnehmern über die zeitweisen Ausstellungsverfahren (ERTE) in staatliche Finanzobhut übergab und auf Kapital aus milliardenschweren Rettungspaketen hoffen können, brauchte die spanische Sozialversicherung über einen Monat, um sich darüber klar zu werden, welche Selbständigen und Kleinunternehmen unter welchen Bedingungen wenigstens ihre monatlichen Pflichtabgaben aussetzen dürfen. In die Liste wurden, nach Drängen der Interessensvertreter, nun auch kleine Händler, Bäcker und andere Handwerksbetriebe wie Klempner, aber auch Friseure und Künstler aufgenommen.

Diese können die monatliche Pflichtabgabe (die cuota) für die Monate Mai, Juni und Juli aufschieben, bis maximal sechs Monate. Nachzahlungen für März oder April werden ebenfalls suspendiert, mit einem Zinssatz von 0,5 Prozent (sonst 3,5). Dabei wurde die Cuota im März auch bei all jenen vollständig abgebucht, die Mitte des Monats mit dem Alarmzustand ihr Geschäft gänzlich einstellen mussten. Bedingung: Sie mussten ihr Geschäft schließen oder Einkommenseinbußen von mindestens 75 Prozent hinnehmen. Wer „nur“ 70 Prozent weniger Umsatz machte, fällt aus dem Schema heraus. Kleinunternehmen, die Mitarbeiter in ERTE geschickt haben oder sonstige Steuer-Aussetzungen in Anspruch nehmen, kommen ebenfalls nicht in den Genuss des Moratoriums.

„Regierung lässt Mehrheit der Selbständigen im Stich“ twittert ATA-Chef

Zu alten kommen neue Kosten

„Im Grunde bleiben die Selbständigen ohne Unterstützung“, beklagt Lorenzo Amor, Präsident, der Asociación de Autónomos ATA. „Viele müssen zunächst beweisen, dass ihr Geschäft um 75 Prozent eingebrochen ist. Auf diese Weise werden im besten Falle 900.000 der 3,2 Millionen (Selbständigen in Spanien, Anm.) die Hilfe bekommen. Sieben von zehn bleiben außen vor, weil ihre Umsätze nicht stark genug gefallen sind.“ Bauern müssen zum Beispiel den Durchschnitt der ersten sechs Monate des Vorjahres, Künstler den gesamten Jahresschnitt als Berechnungsgrundlage anwenden.

Neben dem Cuota-Moratorium können Selbständige und kleine Unternehmen auch ein Miet-Moratorium in Anspruch nehmen, auch hier aber erst, wenn das Geschäft praktisch schon stillsteht. Doch die Kosten werden nicht erlassen, viele fragen sich, wie sie Mietschulden und gestundete Sozialversicherungsbeiträge binnen sechs Monaten nach dem Alarmzustand herausarbeiten und nebenbei die neuen laufenden Kosten bei einem wahrscheinlich schleppend anlaufenden Geschäft erwirtschaften sollen? Der Staat und die Banken haben darauf bisher nur eine Antwort: Weitere Kredite.

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