Achtete Coronavirus aufs Geschlecht?

Psychologie-Studie über Coronavirus: Für Frauen in Spanien ein Albtraum

  • vonStefan Wieczorek
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Uni-Studie zum Coronavirus in Spanien bestätigt: Frauen litten besonders stark an Depressionen und Angst. Sorgen macht man sich um Mitarbeiter im Gesundheitsdienst.

  • In Coronavirus-Krise warnten Soziologen: Frauen litten besonders, etwa an häuslicher Gewalt.
  • Uni-Studie zu Covid-19 in Spanien bestätigt: Depressionen und Ängste trafen vor allem Frauen.
  • In Spanien starben an Sars-CoV-2 jedoch deutlich mehr Männer als Frauen.

Elche – Viel hat Spanien über „8M“ diskutiert, das letzte große Event am 8. März, internationaler Tag der Frau. Bittere Ironie des Coronavirus-Schicksals: In gewissen Hinsichten sind wirklich Frauen die Hauptopfer der Krise. Seit Wochen betonen etwa Soziologen die fatalen Folgen für Frauen, die vor der Pandemie ohne Vertrag arbeiteten, plötzlich ohne Gehalt blieben, doch den eigenen Haushalt fast allein aufrechterhalten müssen. Oder die gestiegenen Fälle häuslicher Gewalt. 19.000 Anrufe gingen bis 22. Mai im spanischen Notruf für diese Fälle (016) ein.

Eine neue psychologische Studie von sechs Universitäten, darunter Elche und Murcia, bestätigt die Warnungen. Die Forscher befragten im Auftrag des spanischen Ministeriums für Universitäten im Laufe der Pandemie 7.000 Menschen von 18 bis 92 Jahren. 44 Prozent aller Befragten - weiblich wie männlich - beklagten einen schlechteren Gemütszustand als vor dem Ausbruch des Coronavirus. Vor allem Frauen jedoch litten an Depressionen oder Angst. Ein Grund: Das plötzlich enorme Gewicht der Verantwortung für Haus und Familie. Doch nicht nur.

Eine Frau stellt am Friedensgericht einen Antrag.

Schuldgefühle oder der Überfluss an Informationen spielten unter Covid-19 besondere Rolle

Denn in der Studie gaben auch viele sehr junge und auch ältere Frauen an, psychisch unter der Coronavirus-Zeit zu leiden. Erstere beklagten Essstörungen, geschwundene Vitalität. Ältere litten an der Erkrankung an Covid-19 oder auch einfach der Angst davor. Eine besondere Rolle, so die Forscher, spielten bei den Befragten Schuldgefühle, etwa bei Angehörigen von Menschen, die im Altersheim leben – und wegen der Sars-CoV-2-Pandemie in Lebensgefahr gerieten. Weiterer Faktor: die viele – oftmals exzessive, oder sogar falsche – Information.

Das Coronavirus habe - durch diese genannten Faktoren - sogar viele Menschen aus der Bahn geworfen, die vor der sanitären Krise gedacht hatten, emotional mit beiden Beinen auf festem Boden zu stehen. „Wenn man es mir vor einigen Monaten erzählt hätte, hätte ich es nicht geglaubt“, war ein von den Erstellern der Studie oft gehörtes Zitat. 48 Prozent der befragten Frauen gab an, sich wegen der Pandemie zu fühlen wie in einem Albtraum. Dasselbe sagten 38 Prozent der Männer.

Psychische Coronavirus-Folgen: Meist vorübergehend, nach Covid-19-Trauma eventuell chronisch

Die Uni-Forscher fanden auch heraus: Die „Lethargie“ der Ausgangssperre habe zu schädlichen Routinen geführt, zu erhöhtem Nutzen Sozialer Netzwerke etwa, zu Dauerfernsehen, ständigen Besuchen am Kühlschrank und zum Verzehr ungesunder Lebensmittel. Die „neue Normalität“ - die Zeit nach dem Coronavirus - werde daher die Zeit der Psychologen und Ernährungsberater sein, zieht die 210-Seiten-Studie ein Fazit. Immerhin: Die Forscher erwarten, dass beim Großteil die Beschwerden temporär seien.

In Coronavirus-Pandemie war das Handy für viele einziges Fenster zur Welt.

Chronisch könnten die psychischen Coronavirus-Folgen dagegen für Personen im Gesundheitsdienst werden. Menschen „in erster Reihe“ also, die direkte Kontakte, traumatische Erlebnisse mit Covid-19 hatten – oder einfach am psychischen Druck einknickten. Ein feministisches Fazit der Studie kann lauten: Nach wie vor ist Gleichberechtigung nicht real. Bei extremer Belastung brechen gesellschaftliche Sollbruchstellen vor allem da, wo Frauen betroffen sind. Gerade Kritiker der „8M“-Demos sollten das aus der Coronavirus-Krise lernen.

Ganzes Bild der Coronavirus-Krise: Frauen litten an Pandemie, doch Männer starben

Doch sollte die Studie der spanischen Universitäten auch nur mit Bedacht ideologisch ausgelegt werden. Sie deckt nur einen Teil der Lebensrealität ab – und nicht zu vergessen ist auch die Fragilität der Männer in der Coronavirus-Krise. Weit häufiger verloren Männer wegen Covid-19 das Leben als Frauen: 56 zu 44 Prozent, und das, obwohl mehr Frauen angesteckt waren. Vor allem trifft das auf die 60- bis 69-Jährigen zu. Hier starben in Spanien mehr als doppelt so viele Männer als Frauen.

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