Eine Frau spricht vor einer Menschenmenge in ein Megaphon bei einer Demonstration in Madrid.
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Rund 3.000 Menschen demonstrierten am 16. August in Madrid gegen die Coronavirus-Maßnahmen der Regierung von Spanien.

Demo in Madrid

Demos in Spanien gegen Maskenpflicht und Regierung - „Zeigt uns das Coronavirus!“

  • vonMarco Schicker
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In Spaniens Hauptstadt Madrid versammelten sich am Sonntag mehrere tausend Menschen zu einer Demonstration: Um gegen die Coronavirus-Regeln der spanischen Regierung zu protestieren - oder die Existenz des Virus ganz zu leugnen.

  • Rund 3.000 Menschen fordern auf Demo in Madrid "Freiheit" statt Maßnahmen gegen das Coronavirus. Deutlich weniger als erwartet.
  • Spektrum der Demo-Teinehmer in Madrid reicht von Menschen, die Regierungsmaßnahmen für überzogen halten bis zu totalen Leugnern einer Pandemie oder des Virus.
  • Regierung leitet Ermittlungen gegen Demo-Teilnehmer in Madrid wegen Verstößen gegen die Gesundheitsvorgaben ein, Gesundheitspersonal fordert Respekt ein.

Madrid - Nach Angaben der spanischen Nationalpolizei demonstrierten am Sonntag, 16. August, auf der Plaza de Colón im Zentrum Madrids rund 2.500 bis 3.000 Personen gegen die Maßnahmen der Regierung von Spanien gegen das Coronavirus. Die Veranstalter sprechen von einem Vielfachen davon, räumten aber ein, dass die Teilnehmerzahl unter den eigenen Erwartungen geblieben sei, „aus Angst vor dem Staat“.

Da die meisten der Teilnehmer - trotz der gerade wieder rasant ansteigenden Covid-19-Fallzahlen - weder Schutzmasken gegen das Coronavirus trugen, noch den vorgegebenen Mindestabstand einhielten, hat die Madrider Regierungsdelegation, die für die Genehmigung von Großveranstaltungen zuständig ist, am Montag eine polizeiliche Ermittlung einleiten lassen.

Demo gegen Coronavirus-Maßnahmen in Spanien: "Es gibt gar keine Krankheit"

"Wir haben keine Angst", "Zeigt uns das Virus!", "Wir sind keine Verbrecher, wir wollen atmen", "Es gibt keine 2. Welle", "Licht und Liebe für alle", "Nicht das Virus tötet, sondern 5G", waren einige der Losungen, die auf Transparenten der Protestierenden in Madrid zu lesen waren. Das Spektrum der Teilnehmer in Madrid reichte - wie bei ähnlichen Demos in Deutschland oder den USA - von solchen, die die Maßnahmen der Regierung für überzogen halten, da sie wirtschaftliche Nachteile brächten, zu anderen, die sich durch die in Spanien geltende allgemeine Maskenpflicht in ihrer Freiheit beeinträchtigt sehen bis zu Menschen, die die gesamte Epidemie für eine Lüge und Farce halten.

"Das Mittel ist schlimmer als die Krankheit", "die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Spanien sind völlig überzogen und zerstören das Leben von vielen Leuten", die "lächerliche Maske taugt für nichts", "es gibt gar keine Krankheit, Medien und Politik manipulieren uns nur", "das Volk erwacht gegen die Interessen der Eliten", "es gibt überhaupt kein Virus", "es ist eine Grippe wie es sie schon immer gab, aber nie wurden deswegen solche sinnlosen Maßnahmen angewandt", waren einige der Äußerungen von Demo-Teilnehmern gegenüber Medien vor Ort, die sich teils heftigen Beschimpfungen ausgesetzt sahen, weil sie angeblich Teil der Verschwörung seien.

Spaniens Attila Hildmann: Schlagersänger Miguel Bosé, Bill Gates und der Chip

Unter den Protagonisten der Manifestation auf der Plaza de Colón im Zentrum waren unter anderem der Impfgegner Josep Pàmies sowie der Schlagersänger Miguel Bosé, der einer ganzen Reihe kruder Verschwörungstheorien nachhängt und unter anderem auch generell die Existenz von Viren und Krankheitserregern leugnet. Er stieg, ähnlich wie Attila Hildmann in Deutschland, in den vergangenen Monaten zur Ikone des harten Kerns der Virusleugner in Spanien auf - erschien aber selbst nicht zur Kundgebung. Eine seiner Theorien: Bill Gates und Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez (unter anderen) hätten sich die Pandemie ausgedacht, um die Menschheit über Zwangsimpfungen mit einem Mikrochip auszustatten und so besser kontrollieren zu können. Mehrere dezidiert rechte Gruppen versuchten, die Demonstranten für ihre Interessen zu instrumentalisieren.

In einem Manifest „gegen die gefälschte Pandemie“ wurde weiterhin behauptet, dass PCR-Tests nicht vertrauenswürdig seien und asymptomatisch Positive andere Menschen nicht anstecken würden. Eine medizinisch-wissenschaftliche Basis für diese Thesen wurde nicht vorgelegt. Wie die Lage zum Coronavirus in Spanien offiziell ist.

Demo der Virusleugner in Spanien: Gesundheitspersonal protestiert, Regierung leitet Ermittlungen ein

Die Virusleugner könnten sich ja als Freiwillige für Krankentransporte und Pflege einteilen lassen, wenn ihnen das Virus nichts anhaben kann, raten diese Ärztinnen aus Madrid auf Twitter.

Spanische Ärztevereinigungen wie die Organización Médica Colegial protestierten gegen die Genehmigung der Veranstaltung und sehen darin "einen Anschlag gegen die öffentliche Gesundheit" vor allem auch angesichts der aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Spanien. Ein Sprecher fragte: "Wenn die Teilnehmer solcher Veranstaltungen Masken und sanitäre Anordnungen ablehnen, verzichten sie im Fall der Fälle auch auf die Behandlung im öffentlichen Gesundheitssystem?"

In den Sozialen Netzwerken entspannen sich heftige Diskussionen und wurde auch viel Hohn über die Virusleugner ausgeschüttet. Kritiker der Demo sprechen von einer "tödlichen Respektlosigkeit" unter anderem gegen das Gesundheitspersonal, von dem sich über 50.000 während ihres Kampfes gegen das Virus selbst angesteckt hätten. User auf Facebook, Twitter und in anderen Kanälen erinnerten an die schrecklichen Wochen, die Spanien im Notstand wegen des Coronavirus durchleben musste, mit überfüllten Intensivstationen und Krankenhäusern, so vielen Toten, dass man den Eispalast in Madrid zur Leichenhalle umfunktionieren musste.

"Macht die Maske nicht dafür verantwortlich, dass Euer Gehirn keinen Sauerstoff bekommt!", stand auf dem Transparent eines vereinzelten Gegendemonstranten in Madrid. Eine der Rednerinnen, eine Dichterin, entgegnete: "Wegen ein paar tausend toten Rentnern steht das ganze Land still?"

Der Regierungsdelegierte von Madrid, José Manuel Franco, machte nicht den Eindruck, dass die Regierung irgendeinen Dialog mit den Protestierenden anstrebt. Am Montag hat er im Radiosender Cadena Ser angekündigt: "Es gibt immer irgendeinen Geistlosen, in diesem Falle viele, die leider die Normen nicht einhalten. Aber ich will hier ganz klarstellen, dass Verstöße gegen die Maskenpflicht mit der ganzen Härte des Gesetzes geahndet werden".

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