Zwei Ärzte in Schutzkleidung nehmen einen Covid-Test an einer sitzenden Patientin vor.
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Coronavirus-Test in einem Hospital in Barcelona. Katalonien bekommt langsam wieder die Kurve, Spanien ringt noch mit der zweiten Welle, vor allem Madrid.

Coronavirus Bilanz Spanien

Coronavirus in Spanien: Aktuelle Daten und Entwicklungen - Updates

  • vonMarco Schicker
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Weitaus mehr Tests und dadurch ein genaueres Bild der Corona-Lage in Spanien, aber auch viel mehr Einlieferungen von Covid-19-Patienten in Krankenhäuser - so lautet die Bilanz der Regierung am Ende des Sommers. Vor allem Madrid bereitet wieder Sorgen. Täglich aktuelle Daten.

  • Verdopplung der Coronavirus-Testkapazität in Spanien seit Juli, aber Verfünffachung der positiven Ergebnisse.
  • Binnen 10 Tagen steigt die Belegung der Krankenhäuser in Madrid mit Covid-19-Patienten um 70 Prozent.
  • Rezept gegen Coronavirus im Herbst: Striktere Umsetzung lokaler und individueller Quarantänen, genauere Verfolgung, konsequente Grippe-Impfungen. Und: Hoffen auf einen Covid-Impfstoff bis Jahresende.

Update, 17. September: Regierung ringt um Kontrolle der zweiten Welle - Chaos in Madrid: Aktuelle Daten und Entwicklungen zum Coronavirus in Spanien.

Update, Mittwoch, 16. September: Die leichte Andeutung einer Entspannung bei den Neuinfektionen, Hospitalisierungen und Todesfällen nach dem Wochenende hat sich am Dienstag erst einmal wieder zerschlagen. Zwar kamen in den letzten 24 Stunden "nur" 3.022 neue positiv Getestete auf das Coronavirus hinzu, gegenüber den meist über 4.000 der Vorwoche, allerdings musste das Gesundheitsministerium 156 weitere Covid-bedingte Todesfälle in die Statistik aufnehmen, was die Sterbefälle auf 303 binnen sieben Tagen erhöht, den höchsten Stand seit Ende Mai, fast die Hälfte davon entfallen auf Madrid, das sich zudem durch ein Meldechaos hervortut.

Landesweit liegen derzeit über 10.000 Menschen wegen Covid-19 in den Krankenhäusern, 1.273 auf Intensivstationen, von Montag bis Dienstag kamen laut Ministerium 2.138 hinzu, davon 151 auf Intensivstationen. In der Region Madrid beträgt die Auslastung der Krankenhäuser durch Coronavirus-Patienten fast 20 Prozent und hat sich somit binnen 10 Tagen um 50 Prozent erhöht.

In immer mehr Teilen Spaniens werden Gemeinden oder Stadtteile wieder in Teil-Lockdowns geschickt, wobei es kein einheitliches Vorgehen gibt. So werden in manchen Regionen Bürger von besonders mit Infektionsherden konfrontierten Gemeinden "gebeten" nur für das Notwendigste aus dem Haus zu gehen. Mehrere Stadtteile von Palma de Mallorca wurden wieder in Phase 2 des Deeskalationsplans geschickt, während die Region Murcia die drittgrößte Stadt, Lorca, komplett wieder in Phase 1 verbannt hat, ebenso Jumilla, was praktisch einer Quarantäne mit Ausgangssperre gleichkommt. In Lorca sind die Intensivstationen bereits wieder am Limit.

Immer mehr Fachleute, aber auch die Gewerkschaften warnen vor einem Zusammenbruch der medizinischen Erstversorgung in Spanien. Die rund 13.000 Gesundheitszentren des Landes seien bereits den ganzen Sommer über am absoluten Limit und durch die Beratung, Behandlung und das Handling der PCR-Tests völlig überfordert. Für einen Ersttermin außerhalb von Notfällen müsse man zum Teil bereits zwei Wochen warten.

In Madrid haben die Gewerkschaften der "atención primaria" bereits zu einem Streik aufgerufen. Durch den Anstieg von grippalen Infektionen im Herbst würde dieser Druck in den kommenden Wochen noch steigen. "Ich hatte Tage mit über 60 Patienten und gehe nur noch nach Hause, um zu schlagen. Wir arbeiten alle unter der Angst, Fehler zu begehen und sind so verzweifelt, dass uns nicht mal mehr Kraft zum protestieren bleibt", schildert Susana Aldeco, Ärztin und Präsidentin der galicischen Vereinigung der Allgemeinärzte Agamfec in "El País", die Lage. Im Schnitt müssten die Gesundheitszentren 30 Prozent mehr Arbeit schultern, immer mehr werde einfach "am Telefon abgehandelt", sie seien "jetzt die erste Linie gegen das Coronavirus und wir erleben, was die Krankenhäuser im März und April erlebt haben".

Die Zahlen aus Spanien wurden auch vom deutschen Gesundheitsminister Jens Spahn kommentiert, der sie sich nur schwer erklären kann, "Es gibt nicht viele andere Länder der EU, die so harte Maßnahmen gegen die Pandemie anwenden wie Spanien". Dass in der Situation an eine Aufhebung oder Lockerung der Reisewarnungen kaum zu denken ist, schein nachvollziehbar.

Update, 14. September, 19.15 Uhr: Das spanische Gesundheitsministerium kommunizerte am Montagabend 27.404 neue positive Tests auf das Coronavirus in ganz Spanien, rund 10.000 davon gehen allein auf die Hauptstadtregion Madrid. Auf die letzten 24 Stunden werden in Spanien 3.023 Fälle gerechnet, gegenüber meist über 4.000 in der vergangenen Woche.

Auch die Zahl der wegen Covid Verstorbenen liegt mit 207 binnen der vergangenen sieben Tage niedriger, zuvor waren es um 260. 55 davon starben in Madrid, 33 in Andalusien, je 25 in Castilla y León und Galicien, 13 waren es in der Comunidad Valenciana. In Katalonien wurden zudem vier Fälle von Reinfektionen mit dem Coronavirus festgestellt, einer davon verlaufe schwer.

Auch wenn sich die Fallzahlen und die Todesfälle etwas zu verringern scheinen, mussten in der letzten Woche wieder 1.976 Personen neu stationär in Krankenhäuser wegen Covid-19 aufgenommen werden, 138 davon auf Intensivstationen, beide Werte liegen ungefähr genauso hoch wie vor einer Woche. Landesweit sind die Krankenhausstationen zu rund 6,5 Prozent mit Covid-Patienten belastet, in Madrid liegt die Rate bei fast 15 Prozent, einige Intensivstationen sind bereits wieder bei der Hälfte ihrer Kapazität.

Die Berufsvereinigung der gesundheitlichen Erstversorger (Ärztehäuser, Gesundheitszentren etc.) haben für die Region Madrid ab dem 28. September einen "vollständigen und unbefristeten Streik angekündigt", weil "unser Sektor völlig überlastet und am Rande des Zusammenbruchs" stehe, so ein Gewerkschaftsvertreter im staatlichen Fernsehen RTVE. Man fordert mehr PCR-Testkapazitäten und autonome Personalgruppen, die diese durchführen, um die normalen Patienten behandeln zu können.

Madrids Landesministerpräsidentin Isabel Díaz Ayuso, kündigte daraufhin an, binnen drei Jahren 80 Millionen Euro in die gesundheitliche Erstversorgung der Region investieren zu wollen. Allerdings war sie selbst es auch, die tausende, - während des Höhepunkts der Pandemie im März und April - kurzfristig angeheuerte medizinische Fachkräfte schnell wieder entlassen ließ. Ayuso will gleichzeitig den Landessteueranteil an der Einkommenssteuer IRPF um einen Punkt senken, eine Maßnahme, die ihr "angesichts der Situation" von der oppositionellen PSOE umgehend als "purer Populismus" angesichts ihrer "katastrophalen Regierungsbilanz" ausgelegt wurde.

Landesweit wurden bisher in 122 Schulen und anderen pädagogischen Einrichtungen Coronavirus-"Vorfälle" registriert, die zur Quarantäne einzelner Schüler, von Gruppen (den sogenannten Blasen) aber auch Klassen und manchmal ganzen Schulen führten.

Coronavirus: Trotz hoher SARS-Cov-2-Fallzahlen positive Entwicklung der Pandemie

Update, Freitag. 11. September: Wieder ein bitterer Tag für Spanien. Gesundheitsminister Salvador Illa muss 12.183 Coronavirus-Fälle in die Statistik aufnehmen und 46 Covid-19 Opfer. Allerdings stammen davon nur 4.708 Coronavirus-Infizierte wirklich von PCR-Tests vom Vortag. Trotzdem schätzen Experten die Entwicklung weiterhin mit verhaltenem Optimismus ein. Die Sterberate ist mit 0,4 Prozent gering, das Durchschnittsalter der Todesopfer mit 86 Jahren sehr hoch und der Rhythmus des Anstiegs der Neuinfektionen verhält sich moderat in manchen Regionen mit abfallender Tendenz - allerdings fürchten die Virologen den Herbst, die Grippe und die erhöhte Mobilität in der spanischen Gesellschaft bedingt durch den Schulanfang und die Rückkehr zur Arbeit. Ein halbes Jahr nach dem Beginn der Pandemie setzt auch in Spanien eine Diskussion darüber ein, die Quarantäne wie im Nachbarland Frankreich von 14 auf eine Woche bezeihungsweise zehn Tage zu kürzen. Für Lehrer und Zahnärzte wird diese 10-Tage.Regel bereits geprüft, bei medizinischem Personal gilt sie bereits.

Update, Donnerstag, 10. September: Spanien verzeichnet am Donnerstag 4.137 Coronavirus-Neuinfizierte binnen 24 Stunden. Mit den nachgemeldeten Fällen nähert sich das Land Rekordwerten von 9.000 an und muss zudem 239 neue Todesfälle verbuchen. Trotz der hohen Zahlen erkennt Virologe Fernando Simón, Leiter des Krisenzentrums für Epidemien, eine „Stabilisierung“ der Lage. Die Pandemie situierte er nun auf eine „Hochebene“, sie verhalte sich bereits in der Hälfte der Provinzen stabil oder gehe zurück - wie in Aragón, Navarra oder im Baskenland - während in der anderen Hälfte die Kurve der Fallzahlen noch ansteigen würde. Simón machte auf die geringe Sterberate von 0,4 Prozent aufmerksam, das Durchschnittsalter der Covid-19-Todesopfer läge bei 86 Jahren. „Es handelt sich meist um Menschen, die häufig bereits sehr schwach sind“, sagte Simón. Auf der anderen Seite läge das Gros der Neuinfizierten in der Altersgruppe von 20 bis 39, wobei die Fallzahlen seit drei Wochen stark in der Gruppe der zehn bis 19-Jährigen anziehen würden. Simón fürchte jedoch Rückschläge, die im Zuge des Schulanfangs, der Grippewelle und Winters kommen und die allgemein sich „sehr positive Entwicklung“ gefährden könnten. Die Gefahr einer sich anbahnenden Überlastung der Krankenhäuser relativierte er. Mehr als 90 Prozent der Infizierten würden bei Erstbehandlung - also in etwa Gesundheitszentren und nicht in Krankenhäusern - festgestellt. Auf diesem Bereich der Medizin laste derzeit der größte Druck. Die Krankenhäuser seien generell bei 84.00 Covid-19-Patienten weit von einem Engpass entfernt, auch wenn es einige konkrete Fälle einen anderen Eindruck vermitteln würden. Laut Simón verfüge Spanien über etwa 8.000 Intensivstationen (UCI), die je nach Region und Gebiet zu zehn bis 15 Prozent mit Covid-19-Patienten ausgelastet seien.

Covid-Druck auf Krankenhäuser in Madrid wächst wieder

Update, Mittwoch, 9. September: Die Lage in den Krankenhäusern in Madrid verschärft sich wieder. In weniger als drei Wochen hat sich die Zahl der wegen Covid-19 eingelieferten in der Hauptstadtregion verdoppelt. Waren am 20. August 9,4% der stationär aufgenommenen Patienten an Covid-19 erkrankt, waren es diesen Dienstag bereits 19 Prozent. Spanienweit stieg der Anteil von 4,3 auf 7,4 Prozent. In Madrid werden derzeit 288 Covid-Patienten auf Intensivstationen behandelt, vor drei Wochen waren es 126. Spanienweit waren es vor drei Wochen 522, am Dienstag bereits 1.051 auf den UCIs. Landesweit liegen über 8.000 Spanier wegen Covid im Krankenhaus.

Unerklärliches in Spaniens Hauptstadt

Das spanische Gesundheitsministerium beurteilt die Lage in Madrid als "noch nicht nahe an einem Kollaps", aber warnt, sich auf Schlimmeres vorzubereiten. Bereits jetzt werden einige nicht lebensnotwendige Operationen abgesagt. "Sollte die Entwicklung so anhalten, könnten einige Krankenhäuser in Madrid bald überfüllt sein." Zu denken gibt den Behörden auch der Umstand, dass - nach Angaben des regionalen Gesundheitsministerium - rund 10 Prozent der in Madrid registrierten positiven Coronavirus-Fälle einer Krankenhausbehandlung bedürfen, während in Katalonien und dem Baskenland, zwei weiteren Hot Spots der "zweiten Welle" nur 2 bzw. 1 Prozent in die Hospitäler müssen.

Rückschlag für Impfstoff

Einen kleinen Rückschlag erleidet auch das europäische Impfstoffprojekt von AstraZeneca und der Universität von Oxford. Wegen der "potentiell unerklärlichen Erkrankung" eines Probanden wurden die klinischen Tests an zwei Impfstoffen in Phase 2 und 3 der Erprobung unterbrochen. Dies sei ein Routinevorgang, um abzuklären, ob die Erkrankung etwas mit dem Impfstoff zu tun oder andere Ursachen habe. Unabhängig davon zweifeln viele Experten die Aussagen von Gesundheitsminister Salvador Illa an, wonach Spanien im Dezember "wahrscheinlich" mit Impfungen gegen Covid beginnen könne. Auch Regierungschef Sánchez hatte sich diese Einschätzung am Montag in einem TV-Interview zu eigen gemacht.

Katalonien kriegt langsam die Kurve

Am Dienstag, 8. September, registrierte das spanische Gesundheitsministerium 8.960 neue Coronavirus-Fälle in Spanien, Tests der Vortage eingeschlossen. Die seit Juli und erst recht im August stark ansteigende Infektionskurve (auch der ins Verhältnis mit der Zahl der Tests gesetzten Werte) beginnt sich langsam zu senken. Dennoch ist Spanien das europäische Land mit der höchsten Verbreitung, derzeit 236 Fälle pro 100.000 Einwohner in den letzten 14 Tagen. Zum Vergleich: Frankreich 120, Portugal 45, Deutschland 20. In Madrid liegt die Verbreitung derzeit bei 543 Fällen pro 100.000 Einwohnern binnen zwei Wochen. Am niedrigsten ist sie in Spanien in Asturien (60), Galicien (128), Andalusien (129). Katalonien, dessen Fallzahlen im Sommer zunächst explodierten, liegt mit 180 Fällen mittlerweile unter dem nationalen Schnitt.

Die Zahl der Covid-bedingten Todesfälle stieg in Spanien am Dienstag von 256 auf 261 Tote binnen sieben Tagen.

Aktuelles zur Lage Coronavirus an der Costa Blanca (Region Valencia).
Zur Lage Coronavirus in Andalusien.
Zur Lage des Coronavirus in der Region Murcia.

Update, Montag, 7. September, 19.09 Uhr: Das Gesundheitsministerium hat am Montagabend 26.000 neue positive Tests auf das Coronavirus in Spanien registriert (seit Freitag). Für die vergangenen 24 Stunden werden 2.440 Neuinfizierte angegeben. Mit 525.549 insgesamt, ist Spanien das erste Land der Europäischen Union und das neunte weltweit, das die Marke von 500.000 Coronavirus-Fällen überschreitet. Allein 100.000 davon fallen auf die letzten zwei Wochen. Die Zahl der durchgeführten Tests blieb in den vergangenen Wochen mit rund 600.000 pro Woche in Etwa gleich.

Dieser Trend setzt sich auch mit ernsthaften Konsequenzen fort: Anfang Juni waren wurden gerade rund 250 Krankenhausbetten in Spanien pro Woche mit Covid-Patienten belegt, in der ersten Septemberwoche waren es 1.900 neu stationär eingelieferte Patienten, 150 davon mussten neu auf Intensivstationen. In den letzten 7 Tagen starben laut Gesundheitsministerium 256 Personen wegen Covid-19 oder sich dadurch verschlimmernder anderer Krankheiten, Ende Juni lag die Zahl bei 35.

Fernando Simón, Leiter des sanitären Krisenstabes der spanischen Regierung erklärte, dass das Gesundheitssystem hinsichtlich der stationären Behandlung stabil arbeite und mit landesweit rund 7% Covid-Auslastung auch nicht besonderem Stress ausgeliefert sei. In Madrid liege die Auslastung hingegen bei rund 14 Prozent. Bedenklicher sieht es bei der Erstversorgung aus. Viele Arztpraxen, Praxiszentren und Gesundheitszentren seien durch die vielen Testungen am Limit, hier müsse in Zukunft investiert werden, in Personal und Einrichtungen.

Simón wurde auch auf eine Äußerung seines deutschen Pendants, Christian Drosten, Chevirologe der Charité in Berlin angesprochen, wonach eine 14-tägige Quarantäne nicht nötig sei, da sich das Virus nach jetzigen Erkenntnissen nach fünf Tagen im Träger nur noch sehr selten verbreitet. Simón sagte, dass man derzeit darüber rede, die Quarantäne auf 10 Tage zu beschränken, möglicherweise auch auf bis zu sieben oder fünf Tage zu reduzieren, "wofür aber bestimmte Bedingungen erfüllt sein" müssten. Dabei ginge es vor allem um die Nachverfolgbarkeit.

Update, 7. September, 10:00 Uhr: Die Einschränkungen für die Gastronomie (Sperrstunde ab 1 Uhr nachts, Schließung Diskotheken und Nachtbars) wurden in der Region Valencia um weitere 21 Tage verlängert.

In Madrid, Murcia und Valencia nehmen ab Montag, 7. September, Viren-Verfolger (rastreadores) des Militärs ihre Arbeit auf, um die Verbreitung des Coronavirus genauer eingrenzen und nachverfolgen zu können. Aktuelle Zahlen zur Entwicklung des Coronavirus werden am frühen Montagabend erwartet.

Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa im Interview zum Stand der Coronavirus-Krise und der Aussicht auf einen Impfstoff.

Fernand Simón, Leiter des sanitären Krisenstabes der spanischen Regierung klärt zur Lage des Coronavirus in Spanien auf.

Update, 4. September, 19.07 Uhr: Das spanische Gesundheitsministerium hat am Freitag 4.503 neue positive PCR-Tests auf das Coronavirus binnen 24 Stunden gemeldet, gegenüber 3.607 am Donnerstag bei ungefähr gleicher Testzahl. 1.462 Fälle gehen auf Madrid, 678 auf das Baskenland, 335 auf Aragón und 314 auf Andalusien. Stark ist der Zuwachs auf den Kanarischen Inseln mit 363, die einzige spanische Region, die bis dato nicht von einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes in Deutschland betroffen war.

Fast 1.000 Patienten in Spanien wegen Covid-19 auf Intensivstationen

Bekanntermaßen enthalten die positiven Tests zum Großteil asymptomatische Fälle, deren Beobachtung ist aber wegen des Infektionspotentials wichtig. Die Trends, die sich aus der viralen Ausbreitung ablesen lassen, werden leider durch die Zahlen der schweren Fälle und der Todesfälle bestätigt, weshalb es für die Gesundheitsbehörden auch so wichtig ist, zu wissen wo sich das Virus wann wie stark ausbreitet. Es geht also nicht so sehr um die absolute ermittelte Zahl, sondern um die Tendenz sowie die geografische Ballung. Das hat daher auch nichts mit Panikmache zu tun, sondern schlicht mit der medizinisch-demographischen Erfassung der Ausbreitung eines Virus, gegen das es noch kein Gegenmittel gibt und an dem vor allem Alte und Kranke sterben können.

Die Entwicklung in Spanien ist dahingehend nicht außer Kontrolle, aber angesichts des bevorstehenden Schulstarts und des Ferienendes mit der erhöhten Mobilität vor allem auch in Ballungsräumen alles andere als beruhigend: Die Zahl der Covid-Todesopfer in Spanien stieg auf 256 in den letzten sieben Tagen. Außerdem mussten in den vergangenen sieben Tagen über 2.000 Menschen neu stationär in Krankenhäuser eingeliefert werden, 1.070 binnen 24 Stunden bei 852 Entlassungen im gleichen Zeitraum. Derzeit werden in Spaniens Hospitälern 7.392 Patienten wegen Covid behandelt, 976 davon auf Intensivstationen. Die landesweite Belegung stieg in dieser Woche von 6 auf 7 Prozent, in Madrid liegt sie bei 14%.

Update, 3. September, 10:00 Uhr: Neuinfizierte und Meldechaos: Am Mittwoch kommunizierte das Gesundheitsministerium 8.581 neue positive Tests auf das Coronavirus für ganz Spanien, 466 mehr als tags zuvor, 28 Prozent davon fallen auf die Region Madrid. In der Zahl wurden jedoch auch Tests berücksichtigt, die älter als 24 Stunden sind, aber jetzt erst von den Regionen gemeldet wurden. Immer häufiger dauern die Testauswertungen in den Labors länger, Mangel an Personal und Engpässe bei der Belieferung mit Reagenzmitteln werden als Gründe angegeben. Andalusien registrierte 884 neue Fälle, 272 davon von vorherigen Tests, in der Region Valencia kamen am Mittwoch 455 Fälle dazu, 180 ebenfalls älteren Datums.

Virenverbreitung: Spanienweit erreicht die gemessene Virenverbreitung für die vergangenen 14 Tage 212 Personen pro 100.000 Einwohner und hat dabei das erste Mal seit Juli nicht zugelegt. Madrid hält mit 466 auch hier den landesweiten Spitzenplatz. Zur Einordnung: Bei einer Verbreitung von über 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern binnen 7 Tagen verhängt Deutschland normalerweise eine Reisewarnung, Spanien liegt derzeit rund doppelt so hoch, auch die Kanaren, bisher von der Reisewarnung ausgenommen, liegen bereits über 50, zumindest die großen Inseln.

Todesfälle: Außerdem wurden am Mittwoch 42 neue Covid-Todesfälle registriert, 14 davon in Madrid. Die Zahl der Todesfälle steigt sehr langsam, aber beständig an, in den letzten drei Wochen gab es täglich mindestens 15 Todesfälle, die Covid-19 zugeordnet werden, im Juli lagen die täglichen Todesfälle meist unter 10.

Situation in den Krankenhäusern: Knapp 7.000 Menschen in Spanien müssen derzeit in Spanien stationär im Krankenhaus wegen Covid-19 behandelt werden, am Mittwoch lagen davon 874 auf Intensivstationen. Allein in den vergangenen 24 Stunden (bis Mittwoch 15 Uhr) wurden 1.007 Personen neu in Hospitäler eingeliefert, hingegen nur 760 entlassen. Neben Madrid sind Andalusien und Katalonien die Regionen mit den meisten neuen Einlieferungen, 126 bzw. 125 binnen 24 Stunden. Während die Hospitäler in Madrid zu 12 Prozent mit Covid-Patienten ausgelastet sind, beträgt die Rate in ganz Spanien stabil rund 6 Prozent.

Update, 2. September, 9:45 Uhr: Am Dienstag, 1. September, hat das spanische Gesundheitsministerium 58 weitere Covid-19-bedingte Todesfälle in Spanien in die Statistik aufgenommen sowie weitere 8.115 neue positive PCR-Tests ermittelt. Madrid stellte in der Vorwoche rund ein Drittel aller neuen Coronavirus-Fälle in Spanien, 15.000. In einigen Regionen von Castilla y León werden die Auflagen für die Gastronomie wieder verschärft.

Erstmeldung, 31. August: Madrid - "Der Anstieg der Coronavirus-Infektionen in Spanien ist höher als es uns gefällt, war aber erwartbar. Uns lässt das keine Ruhe, aber die Bevölkerung muss sich nicht ängstigen, nur vorsehen", sagt Fernando Simón in seiner Bilanz des Coronavirus-Sommers 2020 in Spanien. Die Aussichten bleiben wechselhaft, ein Herbststurm ist nicht ausgeschlossen.

Die Frequenz der PCR-Tests auf das Coronavirus wurde im August gegenüber dem Juli in Spanien verdoppelt. Aber die Zahl der positiven Testergebnisse verfünffachte sich im gleichen Zeitraum. Für das letzte Augustwochenende nahm das spanische Gesundheitsministerium (Freitag bis Montag) 23.572 neue Fälle auf, also über 5.000 täglich, im gesamten August waren es knapp 175.000.

Coronavirus Hotspot Madrid: Einlieferungen in Krankenhäuser nehmen drastisch zu

Der Leiter des sanitären Krisenstabes der spanischen Regierung, der Virologe Fernando Simón, erklärte am Montag vor den Medien, warum die hohen Infektionszahlen Sorge bereiten müssen, auch wenn sie durch mehr Tests zustande kommen, die Positiven jünger, also weniger gefährdet und über die Hälfte asymptomatisch sind: Binnen zehn Tagen, vom 20. bis 30. August, wuchs allein in der Region Madrid die Zahl der in Krankenhäusern stationär behandelten Covid-19-Patienten von 1.245 auf 2.128 Personen (+70 Prozent), jene auf den Intensivstationen von 126 auf 218 (+73 Prozent).

Die Auslastung der Betten scheint noch überschaubar: 16% der stationären Kapazitäten der Hospitäler in Madrid sind mit Coronavirus-Patienten belegt, doch hält die Wachstumsrate an, "bekommen wir bald wieder ein Problem", so Simón. In Aragón ist die Belegung Ende August 13 Prozent, aber seit zwei Wochen stabil. In ganz Spanien liegt die Covid-19-Auslastung der Krankenhäuser Anfang September bei 6 Prozent der gesamten Kapazitäten, Mitte Juni war es die Hälfte. Doch die Corona-Situation unterscheidet sich von Region zu Region deutlich*, wie merkur.de berichtet.

83 Covid-Tote in Spanien binnen vier Tagen

Von Freitag bis Montag, 31. August, starben 83 weitere Menschen wegen des Coronavirus in Spanien, 45 davon allein in Madrid. Die offizielle Zählung der Todesopfer weist jetzt 29.094 aus, rund 2.500 davon entfallen auf die Zeit nach dem Coronavirus-Notstand. Zum Vergleich: Die statistische Übersterblichkeit (auch Excess mortality, also die Zahl des Mehr an Todesfällen gegenüber dem langjährigen Mittel, einschließlich aller Grippe- und Hitzewellen und sonstigen bekannten Todesursachen) lag während des Coronavirus-Notstandes in Spanien von März bis Mai bei rund 55.000 Personen, von Juni bis August bei rund 5.500.

Sommer 2020 in Spanien: Es war nicht alles schlecht

Coronavirus-Tests in Spanien wurden von Juli auf August verdoppelt.

Fernando Simón spricht zwar von "bedeutenden Zuwächsen" der positiv getesteten Fälle, sieht aber in den Entwicklungen im August auch Positives:

  • Spaniens Coronavirus Früherkennungssystem funktioniere deutlich besser, auch wenn es das Militär brauchte, um genügend Viren-Verfolger zu haben.
  • Die Covid-19-Infektionsherde bei Saisonarbeitern sind weniger geworden.
  • Die Infektionsherde im familiären und sozialen Umfeld werden kleiner (wenn auch mehr).
  • Die beiden Regionen mit den höchsten Fallzahlen - Katalonien und Aragón - konnten die "Übertragung eindämmen oder reduzieren, wie im Falle von Aragón", so Simón.
  • Die Reproduktionszahl (R) liegt durchgängig, wenn auch knapp, unter 1.

"Mangel an Konsequenz" - Kritik an Umsetzung der Corona-Maßnahmen in Spanien

Kritischer als Fernando Simón stellt Ildefonso Hernández die Lage dar. Er ist Sprecher der Spanischen Gesellschaft des öffentlichen Gesundheitswesens (Sespas) und Uni-Dozent. Er befindet die "Entwicklung der Epidemie sehr besorgniserregend. Der August hat gezeigt, dass wir die epidemologische Beobachtung, die Früherkennung und die Nachverfolgung in Spanien nicht konsequent umgesetzt haben" und folgert: "Wenn wir das nicht besser machen, werden wir bald Probleme bekommen." Eine Einschätzung, die er mit vielen Experten an vorderster Coronavirus-Front teilt.

Einige Lockerungen wie die Freigabe des Nachtlebens seien zu früh gekommen, so Hernández "und wir haben die Nutzung der Masken falsch kommuniziert. Es stimmt, dass die Leute sie im allgemeinen auf der Straße aufsetzen, aber sie machen es da am gründlichsten, wo es am wenigsten notwendig wäre", während die Verstöße meist dort stattfänden, wo viele Menschen auf engem Raum zusammen sind, wie eben in Bars, bei Festen und Treffen.

Vom Feld in die Städte: Der Weg der zweiten Coronavirus-Welle in Spanien

Zu Ende August hat sich einmal mehr Madrid zum Epizentrum der Epidemie entwickelt. Die zweite Welle begann in Aragón und Katalonien mit etlichen Ausbrüchen unter Saisonarbeitern und arbeitete sich von dort in die regionalen Hauptstädte Zaragoza und vor allem Barcelona vor, Ballungs- und Verkehrszentren, die eine schnelle Ausbreitung erleichtern. Es folgten Infektionsherde in Altersheimen und Gesundheitszentren in Navarra und im Baskenland, immer mehr Ausbrüche in Urlaubsgebieten wie Andalusien, Valencia und Murcia und am Ende konzentriert doch wieder Madrid jeden fünften neuen Coronavirus-Fall in Spanien.

Entwicklung der Covid-19-Todesfälle in der Region Madrid seit Ende Juni:

Für Simón seien die Anhaltspunkte deutlich, dass sich viele Madrilenen durch Pech oder Unvorsichtigkeit im Urlaub angesteckt haben und das Virus mit nach Hause nahmen und es sich von dort dann mit der nächsten Urlaubswelle weiter verteilt hat. "Madrid ist nun einmal, zum Segen und zum Fluch, das Verkehrszentrum Spaniens."

Schulstart, Grippesaison: "Wir wissen nicht, was passieren wird"

Der Beginn des Schuljahres in Spanien, das Ende der Ferien allgemein und der allmähliche Anbruch der kühleren Jahreszeit mit ihren Erkältungen und Grippen stellen nun die nächste Herausforderung dar. Doch selbst Gesundheitsminister Salvador Illa stellte kürzlich in einem Interview fest, dass "wir nicht wissen können, was in zwei drei Wochen geschieht".

Am Ausbau der Test- und Nachverfolgungskapaziäten, der strikteren Durchsetzung von lokalen und individuellen Quarantänen und der allgemeinen Regeln sowie der Vorziehung der Grippeimpfkampagne führt kein Weg vorbei, bis Spanien ein Covid-Impfstoff zur Verfügung steht. Laut Minister Illa bestehe Hoffnung, dass man "ab Dezember in Spanien mit der Impfung gegen Covid der am meisten anfälligen Gruppen beginnen" könne. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

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