Touristen liegen auf Liegen an einem spanischen Strand
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AusländischeTouristen werden wohl nicht mehr so schnell nach Spanien reisen können.

Urlaub in Spanien

Spanien in der Coronakrise: Tourismus weit entfernt von Normalität

  • vonAndrea Beckmann
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Kontrollierte Strandbesuche nach Vorgabe, geschlossene Hotels, Cafeterías und Restaurants. Dies könnte in der diesjährigen Hauptsaison traurige Wirklichkeit in Spanien, einem der beliebtesten europäischen Urlaubsländer, sein.

  • Die Regierung zieht verschiedene Maßnahmen in Erwägung.
  • Verzögerung der Grenzöffnungen wird erwartet.
  • Sonderreiseangebote wird es vorerst in der bisherigen Form nicht geben.

Barcelona - Die Regierung zieht aufgrund der Coronavirus-Pandemie eine Reihe von Maßnahmen in Erwägung, die für den Tourismussektor gravierende Konsequenzen haben dürften. „Sollte dieses Szenario tatsächlich in dieser Form eintreffen, würde das bedeuten, dass wir noch weit entfernt von der Normalität sind”, sagt Joan Miquel Gomis, Dozent für Wirtschaftliche Studien an Barcelonas Universitat Oberta de Catalunya (UOC). „Die Reaktivierung des Tourismussektors würde  in diesem Fall nicht so schnell wieder in Fahrt kommen wie bislang erhofft. Das glaubt auch sein Kollege Pablo Díaz, der nicht mit einer Lockerung der Massnahmen vor Ende des Sommers rechnet. Er sagt: „Die nahe Zukunft des Tourismus hängt allein von der Entwicklung der Coronavirus-Pandemie und von einer koordinierten EU-Politik ab. Ist diese Koordinierung nicht gegeben, wird dies aufgrund unterschiedlicher Massnahmen der EU-Mitgliedsstaaten zu einer Verzögerung der Grenzöffnungen führen.”

Mit 83,7 Millionen ausländischen Gästen verzeichnete Spanien im vergangenen Jahr zum siebten Mal in Folge einen neuen Besucherrekord. UOC bezifferte den Beitrag des Tourismussektors zum spanischen Bruttoinlandsprodukt 2019 auf 15 Prozent. Auch für dieses Jahr rechneten Experten mit einem neuen Besucherrekord. Der Branchenverband Exeltur hatte bislang für 2020 mit einem Aufkommen ausländischer Besucher von knapp 85 Millionen gerechnet. Doch das war vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie. Klar ist: So lange die Grenzen geschlossen sind, wird ein Grossteil der Touristen, die in diesem Jahr ihren Sommerurlaub in Spanien verbringen wollten, nicht einreisen können. “Es wird sich zeigen, ob der nationale Tourismus die Nachfrage ersetzen kann”, sagt Gomis. Dies ist fraglich, haben doch seit Ausbruch der Coronavirus-Krise laut dem Ministerio de Trabajo mehr als 888.500 Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verloren. „Viele Arbeitnehmer haben grosse wirtschaftliche Probleme wegen der Pandemie”, gibt der Dozent zu bedenken.

Traumatische Situation

„Sonderreiseangebote, so wie sie kurz vor Ausbruch der Pandemie üblich waren, wird es kurz- und mittelfristig in dieser Form nicht mehr geben”, meint Pablo Díaz. “Fluggesellschaften werden ihre preiswerten Flüge vor der Krise nicht aufrecht erhalten können, weil das vom wirtschaftlichen Aspekt her gesehen nicht möglich sein wird”, meint er. “Der Tourismussektor wird auf ein ähnliches Niveau zurückfallen, wie wir es aus den 1970er Jahren kennen, als Familien mit ihren eigenen Fahrzeugen verreisten und vorwiegend in Ferienwohnungen ihren Sommerurlaub verbrachten.

Covid-19 werde sich nachhaltig auf das Verhalten der Touristen auswirken, meint Díaz. „Die derzeitige Situation ist für viele Menschen so traumatisch, dass sie ihre Prioritäten in diesem Leben überdenken werden.” Dies dürfte sich auch in den Urlaubsplanungen niederschlagen, meint der Dozent. Auch sei ein Umdenken bei Langstreckenreisen zu erwarten. „So wie es nach dem Attentat auf das World Trade Center im September 2001 der Fall war, als sich Flugreisen drastisch verringerten und die nahen Urlaubsziele, die sich mit dem Auto erreichen ließen, einen Aufschwung erlebten.” Reisen in die nähere Umgebung erzeugten bei den Menschen das Gefühl einer besseren Kontrolle und der Kostenersparnis. „Deshalb werden Inlandsreisen eher wieder an Fahrt aufnehmen als Reisen ins Ausland.”

Ganze Welt betroffen

Die Frage, ob es vorstellbar sei, dass sich die Coronavirus-Pandemie längerfristig negative auf Spanien und die Zukunft des Tourismus des Landes auswirken könne, verneinte Díaz. „Diese Pandemie betrifft Länder in der ganzen Welt. Aus diesem Grund halte ich es für nicht wahrscheinlich, dass einzelne Länder weiterhin den Stempel des virusbehafteten Landes haben werden”, meinte er. Das bedeute aber nicht, dass es durchaus Länder geben werde, die von der Situation profitierten, weil in ihrem Land wenig Covid-19-Fälle bekannt geworden seien.

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