Medizinisches Personal in Maske protestiert vor einem Krankenhaus in Madrid.
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In vielen Städten Spaniens protestiert medizinisches Personal, mal laut mal leise, gegen den wieder steigenden Druck durch die zweite Coronavirus-Welle.

Covid-19 in Spanien

Coronavirus Spanien aktuell: Notstand in Hauptstadt Madrid, Valencia Musterschüler - Updates

  • vonMarco Schicker
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  • Stephan Kippes
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Die Regierung in Spanien verhängt wegen der Corona-Infektionsgefahr den Notstand über Madrid. In anderen Regionen, allen voran Valencia, wächst dagegen die Hoffnung.

Update, 14. Oktober: Katalonien ordnet die Schließung aller Bars und Restaurants für die kommenden zwei Wochen an. So will die nordöstliche Region in Spanien mit 7,6 Millionen Einwohner um die Metropole Barcelona dem starken Anstieg der Coronavirus-Neuinfektionen begegnen, sagte Gesundheitsministerin Alba Vergés. Nach den jüngsten Zahlen des Gesundheitsministeriums wurden binnen der vergangenen sieben Tage in Katalonien 10.361 Neuinfektionen registriert. Gerechnet auf 100.000 Einwohner lag der Wert der Neuinfektionen binnen sieben Tagen bei etwa 135. Einkaufszentren und größere Supermärkte müssen die Zahl der Kunden auf 30 Prozent ihrer normalen Kapazität beschränken. Für Fitnesszentren, Kinos und Theater gelte eine Beschränkung auf 50 Prozent. Spielplätze müssten ab 20 Uhr geschlossen werden. Der geschäftsführende Regionalpräsident Pere Aragonès rief die Einwohner auf, ihre Wohnung möglichst nur noch aus dringendem Grund zu verlassen und soziale Kontakte einzuschränken und die Arbeit im Homeoffice zu verrichten. „Familienbesuche können auch ein wenig warten, wenn wir umfassende Ausgangsbeschränkungen vermeiden wollen“, sagte Aragonès.

In Katalonien müssen die Bars und Restaurants schließen.

Madrid fordert ein Ende des Notstands

Update, 13. Oktober: Die Region Madrid fordert vergeblich ein Ende des Notstands. Das Gesundheitsministerium hält jedoch an der Maßnahme fest, mit der die Mobilität in der Hauptstadt und mehreren Gemeinden im Umkreis beschränkt werden soll. Die 100.000-Einwohner-Inzidenz umgerechnet auf sieben Tage Madrids liegt allerdings unter der von Navarra, das mit 455,51 den höchsten Wert in Spanien verzeichnet. Madrid kommt derweil auf 206,74. Derweil meldet die Region Valencia 39,47 , Andalusien 90,42 und Murcia 124,31.

„Hausärzte in Katalonien haben einen viertägigen Streik begonnen, um mehr Mittel zu fordern.

Lage spitzt sich in Navarra und Katalonien zu

Update, 12. Oktober: Das Gesundheitsministerium erfasst 195 Covid-19-Opfer seit Freitag und kommt auf insgesamt 33.124 Corona-Todesfälle. Ferner fügt das Ministerium 27.856 Infektionen hinzu, wobei lediglich 2.825 davon Neuinfektionen aus den vergangenen 24 Stunden sind. Insgesamt sind es 888.968 Coronavirus-Infektionen seit Beginn der Pandemie. Die Lage spitzt sich vor allem in Navarra und auch in Katalonien zu, wo die Krankenhäuser eine starke Zunahme an Covid-19-Patienten registrieren. Beide Regionen kündigen eine Verschärfung der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus an.

Coronavirus in Spanien aktuell: Region Valencia Covid-Klassenbester

Update, 9. Oktober: Binnen sieben Tagen liegt die Coronavirus-Infektionszahl in Spanien pro 100.000 Einwohner mit Stand Freitag, 9. Oktober, bei (in Klammern die Veränderung zum 2. Oktober): 114,93 (+4) in ganz Spanien, 75,05 (+1) in Andalusien, 138,41 (-37) in Aragón, 54,81 (-3) auf den Balearen, 163,13 (+10) in Murcia sowie 49,9 (+7) in Valencia. Die Comunidad Valenciana weist den geringsten Infektionswert auf dem spanischen Festland aus, gefolgt von 53,69 in Kantabrien. Niedriger als in Valencia ist der Stand von 41,61 auf den Kanarischen Inseln.

Aktuelle Daten und Entwicklungen zum Coronavirus an der Costa Blanca.
Mehr zur Entwicklung des Coronavirus in Andalusien (Costa del Sol)
Lage Coronavirus in der Region Murcia (Costa Cálida)

Regierung von Spanien verhängt Notstand über Madrid

Update, 9. Oktober, 14 Uhr: Die spanische Regierung verhängt den Notstand über Madrid. Mit diesem „kleinen Ausnahmezustand“ kann die Regierung nicht nur die Mobilität in der Hauptstadt und der Region Madrid einschränken, sondern auch Kompetenzen in Kernbereichen wie der Gesundheitsversorgung übernehmen, die eigentlich der Regionalregierung obliegen. Auch wird durch die Schaffung dieses neuen Rechtsrahmens das Urteil des Oberlandesgerichtes Madrid über die Aufhebung der Quarantäne hinfällig.

Der verfassungsrechtlich garantierte Notstand ist auf die Dauer von zwei Wochen beschränkt und gilt mit sofortiger Wirkung. Schon ab 15 Uhr soll es Straßensperren und Kontrollen geben, die Madrilenen das Brückenwochenende vergällen könnten. Madrids Präsidentin Isabel Díaz Ayuso hat Ministerpräsident Pedro Sánchez um Aufschub gebeten, doch das Kabinett hatte die Entscheidung bereits getroffen, mit der es die hohe Coronavirus-Infektionsgefahr lindern will.

Eine Opferrolle kommt Díaz Ayso aber wahrlich nicht zu, bis zuletzt pokerte sie und versuchte zu vermeiden, in irgendeiner Form mit der unpopulären Quarantänemaßnahme in Verbindung gebracht zu werden. Die spanische Regierung hatte nämlich die Kabinettssitzung mehrmals nach hinten verlegt und schließlich nicht um 8.30, sondern erst um 12 Uhr getagt. Bis zuletzt warteten die Regierungsmitglieder vergeblich auf Ayuso oder einen Anruf. Der Notstand ist das gleiche Instrument, mit dem Regierung im April die Pandemie bekämpfte und dabei zu Lockdown-Verordnungen wie die Verhängung der Ausgangssperre oder die Schließung beziehungsweise Beschränkung des Betriebs von Lokalen und Geschäften griff. Für die Hauptstadt ist die Rückkehr in den Notstand bitter - nicht nur, weil Bewegungs- und Versammlungsfreiheit beschränkt werden, sondern weil Wörter wie „estado de alarma“ oder „confinamiento“ in Madrid keineswegs als notwendige Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit, sondern als Synonyme für den wirtschaftlichen Niedergang gelten. Entsprechend klagte die Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso: „Die Ausrufung des Notstands wäre vermeidbar gewesen. Es gab Alternativen. Leider haben wir Politiker wieder versagt. Die Konsequenzen zahlen die Bürger. Ich entschuldige mich dafür.”

Update, 9. Oktober: Die spanische Regierung erwägt nach dem gestrigen Gerichtsurteil gegen die Abriegelung der Hauptstadt Madrid und ihrer Region mit der Ausrufung des Notstands für das Gebiet, das derzeit mit einem Inzidenzstand von 229,94 umgerechnet auf 100.000 Einwohner und sieben Tage die höchsten Infektionszahlen in Spanien nach Navarra (325,12) aufweist. Derweil tagt das Kabinett bei einer außerordentlichen Sitzung, es wird über ein Ausrufen des Notstands gegen 12 Uhr mittags spekuliert. Mit der unverhohlenen Drohung stellt Ministerpräsident Pedro Sánchez die Regionalregierung unter Isabel Díaz Ayuso vor die Wahl, entweder selbst die ungeliebten Corona-Restriktionen zu verhängen, die laut Gericht „Rechte und fundamentale Freiheiten“ der Bürger beeinträchtigen, oder den Notstand in Kauf zu nehmen, der auf Ähnliches abzielt. Bis zu einer Entscheidungsfindung leben nun nicht mehr fünf Millionen Madrilenen, sondern etwa 50.000 unter Quarantäne oder was auch immer - und das am Brückenwochenende vor dem Nationalfeiertag am 12. Oktober. Madrids Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso rief die Bürger auf, "Madrid nicht zu verlassen und sich an die Gesundheitsrichtlinien zu halten". Gleichzeitig wähnt sie sich als Siegerin in dem Rechtsstreit, bei dem sie just gegen die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit in und um Madrid eintrat. Die Verordnung war zwischen dem spanischen Gesundheitsministerium und den meisten der 17 Regionen vereinbart worden, um Gegenden mit einer schnellen Ausbreitung des Coronavirus vom Rest des Landes zu isolieren

Quarantänen in Spanien: 5 Millionen Menschen wegen Coronavirus unter "Verschluss"

Am Wochenende galten für 573 der rund 6.000 Gemeinden in Spanien Quarantänen oder sonstige partielle Einschränkungen, die über die Vorgaben der "neuen Normalität" hinausgehen. 34 Kommunen mit 5,2 Millionen Menschen (davon allein 3,2 Millionen in der Hauptstadt Madrid) oder 11 Prozent der spanischen Bevölkerung sind derzeit isoliert, 17 wurden in eine Phase des Deeskalationplans zurückgestuft, in 522 gelten teilweise Einschränkungen.

Medizinisches Personal in Spanien protestiert gegen Coronavirus-Politik

In Madrid, in Barcelona, im baskischen Bilbao, in Sevilla sowie in Soria und Teruel (Aragón) sind am Wochenende tausende medizinische Fachkräfte, aber auch Lehrer und normale Bürger auf die Straßen gegangen. Während die Mitarbeiter des Gesundheitswesens der Ballungszentren mehr Personal, Geld, gerechtere Arbeitszeiten und eine kohärente Anti-Covid-Politik sowie eine Stärkung des öffentlichen Gesundheitswesens insgesamt fordern, protestieren Ärzte in ländlichen Gebieten gegen die geplante Schließung von Gesundheitszentren, um das Personal von dort abziehen zu können. Lehrer hingegen weisen daraufhin, dass bereits 2.800 Klassen wegen positiven Coronavirus-Testungen geschlossen werden mussten.

"Das Chaos in der Politik wird auf dem Rücken der Mitarbeiter des Gesundheitswesens ausgetragen". 55 Vereinigungen von Medizinern, Wissenschaftlern, Gewerkschaften und andere Gruppen publizierten an diesem Wochenende ein Manifest, das eine "koordinierte Vorgehensweise gegen Covid-19" fordert, die "ausschließlich auf klaren, allgemeingültigen und transparenten wissenschaftlichen Kriterien" fußen müsse. Die "fortgesetzte politische Konfrontation" werden die Coronavirus-Krise nicht lösen."

Vernachlässigung des Gesundheitswesens in Spanien "rechnet sich in Tote um"

Der Präsident der Spanischen Gesellschaft für Familiengesundheit, Salvador Tranche, erklärte dazu im staatlichen Fernsehen, dass "die Gesundheitszentren und Ärztehäuser am Limit sind, die Mitarbeiter arbeiten 30 bis 40 Prozent mehr Pensum ab als vor der Pandemie." Beide politischen Lager würden die gesundheitliche Situation für politische Debatten missbrauchen. "Das hat nicht nur negativen Einfluss auf die Bevölkerung und generiert sehr viel Ungewissheit, sondern dies lässt sich auch in Todeszahlen umrechnen: Das ist ethisch und rechtlich inakzeptabel", so Tranche.

Chaos in Madrid: Ayuso bezichtigt Sánchez der Angstmacherei für einen höheren Plan

Tranche bezog sich dabei explizit auf den politischen Streit zwischen Zentral- und Regionalregierung in Madrid um die angemessenen Maßnahmen gegen den massiven Corona-Ausbruch in der Hauptstadtregion Madrid. Dabei legte Madrids Landesministerpräsidentin Isabel Díaz Ayuso am Sonntag in der Zeitung "ABC" nochmals nach und unterstellte Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez, er würde eine "berechnende Strategie" fahren, um "unter den Bürger Angst zu verbreiten", damit diese "seine Maßnahmen akzeptierten".

Fernando Simón, Chef des sanitären Krisenstabes der spanischen Regierung bleibt trotz leicht entspannter Zahlen sehr skeptisch, vor allem mit Blick gen Madrid.

Ayuso behauptet, dass die Daten zeigten, dass ihre Maßnahmen (die Teilquarantäne ausgewählter Stadtviertel in Madrid) "zu sich bessernden Daten" geführt hätten. Aber das hätte Sánchez nicht gepasst, weil "diese Regierung nur für sich selbst arbeitet", dazu gehöre, "dass die Menschen verängstigt bleiben", so Ayuso, die mit ihrem Statement den dumpfesten Parolen von Coronaleugnern nahe kommt, wonach alles nur ein Schwindel sei, um die Menschen zu unterdrücken.

Denn die bisher verifizierten Daten aus Madrid widerlegen sie vollständig: Über 40 Prozent der Neuinfektionen werden nach wie vor in der spanischen Hauptstadt aufgespürt, 42 Prozent der Intensivbetten waren am Freitag mit Covid-Patienten belegt (spanienweit 18 Prozent), jeder fünfte stationäre Krankenhauspatient in Madrid ist wegen Covid-19 eingewiesen (23% Auslastung), in Spanien liegt die Auslastung hingegen bei nur 8,8%.

Madrid hat 648 Infizierte pro 100.000 Einwohnern - Ayuso spricht von Besserung

Ayuso meint, "dass es nicht darum geht 100 Prozent der Bevölkerung einzusperren, damit das 1 Prozent geheilt wird, sondern es geht darum das 1 Prozent Infizierter aufzuspüren, damit die 99 anderen Prozent raus gehen und ihr Leben führen können." Was Ayuso nicht sagt: Ihre Region hat pro Kopf die wenigsten Virus-Fahnder eingestellt, was nach Expertenansicht mit dafür verantwortlich ist, dass die Inzidenz in großen Teilen Madrids auf über 1.000 Infizierte pro 100.000 Einwohner anwachsen konnte, am Freitag lag sie für die gesamte Hauptstadtregion bei 648 binnen 14 Tagen, der spanische Schnitt liegt am Freitag bei 270.

"Ohne Gesundheit keine Wirtschaft": Nach Ministerweisung: Mehr Bewegungsfreiheit in Madrid als vor der Quarantäne

Die Einführung der seit Freitag für alle Kommunen ab 100.000 Einwohner geltenden Coronvirus-Kriterien für Restriktionen in Spanien hatte dazu geführt, dass auf einen Schlag die gesamte Hauptstadt Madrid sowie weitere neun Gemeinden der Region Madrid in Teilquarantäne mussten. Ayuso kündigte Widerstand vor Gerichten gegen diese ministerielle Anordnung an, ließ die Maßnahme aber per Freitagabend umsetzen. Gleichzeitig hob sie aber die Teilquarantänen in den bisherigen 45 Gesundheitsbezirken auf, mit der Begründung, dass nun das Recht der Zentralregierung angewandt werde. Das wiederum führte dazu, dass die Bewegungsfreiheit innerhalb des unter Quarantäne gestellten Madrid nun höher ist als vorher. Die Zentralregierung ließ ausrichten, dass Madrid dafür verantwortlich sei "die angemessenen Maßnahmen" zu ergreifen und diese über die Vorschriften der Zentralregierung hinausgehen dürften.

"Spanisches Mysterium": Warum Spanien bei Coronavirus-Welle so schlecht abschneidet, ist offen.

Fernando Simón, Chef des sanitären Krisenstabes der Regierung, wollte aufgrund der geschilderten Gemengelage am Freitag auch keinerlei Entwarnung geben. Vor allem die Ballungszentren machen sorgen, voran Madrid, wo die Politik ihr Unfähigkeit demonstriert, einheitlich und mit Autorität die Coronavirus-Krise anzugehen. Simón räumte ein, dass es für ihn bis heute ein Mysterium ist, warum gerade Spanien bei der zweiten Coronavirus-Welle in Europa am schlechtesten abschneidet.

Das Manifest der Corona-Konferenz in Spanien:

Herkömmliche Erklärungsmodelle wie die südländische Lebensweise, die zu schnelle Deeskalation, die Urlaubswelle oder Politikversagen genügten nicht, um die Zahlen zu erklären, bestätigen ihm auch internationale Fachleute, einschließlich der Weltgesundheitsorganisation, WHO, die das "Phänomen Spanien" studieren. Fernando Simón rief einmal mehr zur Empathie auf. Sich an die Abstands-, Hygiene- und Maskenregeln zu halten, sei ein Gebot für die eigene Gesundheit, den Schutz von gefährdeten Gruppen, vor allem alte Menschen, aber auch eine Frage des Respekts gegenüber den Mitarbeitern des Gesundheitswesens. "Ohne Gesundheit keine Wirtschaft", sagte Gesundheitsminister Salvador Illa in Richtung der Landesministerpräsidentin Díaz Ayuso.

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