Infektionen an 70 Schulen in Spanien

Schulstart in Spanien mit Coronavirus: Prinzessin Leonor in Quarantäne

  • vonStephan Kippes
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Mit Euphorie und Sorge startet Spanien ins neue Schuljahr. Über 70 Schulen haben bereits Corona-Fälle verzeichnet. Sogar Prinzessin Leonor muss in Quarantäne.

  • Schulstart in Spanien mit Hindernissen: Prinzessin Leonor muss wegen Corona-Fall in die Quarantäne.
  • Über 70 Schulen in Spanien haben nach einer Woche bereits Coronafälle verzeichnet.
  • Schule vor neuen Herausforderungen: Lehrer müssen sich auf Klassen- und Online-Unterricht bei Quarantänen.

Madrid - Das Coronavirus macht vor keiner Hoheit halt. Die Schulklasse von Prinzessin Leonor musste am Freitag in die Quarantäne, weil eine Klassenkameradin positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde. Die Thronfolgerin Leonor und ihre 13 jährige Schwester Sofía hatten am Mittwoch das neue Schuljahr in der Privatschule Santa María de los Rosales begonnen. Bei dem Colegio handelt es sich um eine katholische Eliteschmiede in Madrid, die König Felipe VI als Kind schon besucht hatte und die rund 14.000 Euro pro Jahr für seine beiden Töchter kostet.

Coronavirus in Spaniens Schulen: Prinzessin Leonor muss in die Quarantäne

Das Königshaus versicherte, die Infantinnen Leonor und Sofía würden den “Vorschriften und medizinischen Anweisungen” folgen, wonach Leonor und auch ihre engsten Kontakte sich einem PCR-Test unterziehen und zumindest die 14-Jährige auch im Falle eines negativen Ergebnisses 14 Tage zu Hause bleiben müsste. Nun müssen sich wohl auch Felipe VI und Königin Letizia Gedanken machen, wie sie kommende Woche ihre beruflichen Verpflichtungen und die Kindererziehung unter einen Hut bekommen. Glücklicherweise gibt es inzwischen in Spanien Whatsapp-Gruppen über dieses Thema wie Reis in einer Paella.

Temperatur-Check bei Spaniens Thronprinzessin Leonor am ersten Schultag.

Das Schicksal des Königshauses teilen einige spanische Familien. Um die 70 Schulen in Spanien haben Coronavirusfälle nach nur einer Woche Unterricht verzeichnet. Meist müssen Klassen in die Quarantäne, nur in Ausnahmefällen haben ganze Schulen wie die Vorschule Casa de Niños de Parque Coimbra in Madrid geschlossen oder gar nicht erst geöffnet. Nicht viel, sieht man das in Relation zu den insgesamt über 28.000 Bildungseinrichtungen und acht Millionen Schülern in Spanien.

Allerdings haben die Gesamtschüler vielerorts mit dem Unterricht noch gar nicht begonnen, das Land verzeichnet über 10.000 Coronavirus-Neuinfektionen pro Tag und es gibt mit Ausnahme von Asturien, den Inseln und Exklaven kaum eine Region, in der keine Schule von SARS-CoV-2-Infektionen und Quarantänen betroffen ist. Andalusien überrascht mit über 15 betroffenen Einrichtungen, obwohl die Region erst am Donnerstag den Unterricht aufgenommen hat. Die Region Valencia hat bisher nur zwei Coronavirus-Fälle in Schulen verzeichnet, einen in der Landeshauptstadt und den anderen in Alicante. Beim Nachbarn Murcia hat es Cartagena erwischt und Totana, wo der Unterrichtsbeginn wegen der hohen Infektionszahlen verschoben wurde.

Coronavirus in Spanien: Über 70 Schulen bereits betroffen

„In wenigen Tagen haben wir erlebt, wie der Präsenzunterricht in Dutzenden Klassen wegen Coronavirus-Infektionen unterbrochen werden musste. Wir müssen es in unsere Überlegungen einbeziehen, dass ein Teil der Schülerschaft in Quarantäne sein wird und dementsprechend den Online-Unterricht organisieren, was den kleineren Kindern schwer fällt ebenso wie den Schülern, die aus sozial schwächeren Familien stammen”, sagte Enrique Roca, Präsident des spanischen Schulrats.

Wie erwartet verlief der Schulstart in Spanien nicht so glatt, wie die Regionen das im Juni noch prognostiziert hatten. Und das, obwohl die Schulleitungen einen unglaublichen Aufwand betrieben haben, um ihre Gebäude Covid-19-sicher zu machen. Nur fünf Autonome Gebiete – Navarra, das Baskenland, Kantabrien, die Extremadura sowie Kastilien-León - hatten ihre Hausaufgaben im Vorfeld so gründlich gemacht, dass sie tatsächlich flächendeckend einen hunderprozentigen Klassenunterricht anbieten können, der den Sicherheitsbestimmungen der Covid-19-Pandemie auch gerecht wird.

Coronavirus erzwingt Mischmodell in Schulen: Online- und Präsenzunterricht

In allen anderen Regionen mischen sich Klassenunterricht und Online-Schulung ab der zweiten oder dritten Sekundarstufe, weil es an Lehrern und Klassenräumen beziehungsweise räumlichen Alternativen dazu fehlt. Dort bemühen sich die Kultusministerien, den Präsenzunterricht in Vor- und Grundschulen zu garantieren, da die Kleinsten die größten Schwierigkeiten haben, dem Computerunterricht zu folgen. Gleichzeitig schlagen die Schulpolitiker aber die Warnungen von Pädagogen in den Wind, dass Online-Unterricht die Schulabbrecherquote vor allem unter Jugendlichen in die Höhe treiben wird.

Das Vorhaben erschwert sich auch aus demographischen Gründen. Die Zahl der Schüler in Spanien wuchs dieses Jahr um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr, nur in wenigen Gebieten wie der Extremadura oder Kastilien-León ist die Zahl stark rückläufig. Einige Regionen schlagen weitere Sonderwege an, in Murcia bekommen die Vor-und Grundschüler nur vier Tage pro Woche Unterricht, die Katalanen, Galicier und Kanaren sehen einen Online- und Präsenzunterricht nur für Abiturienten und Berufsschüler vor. Überall haben die Schulen gewisse Freiheiten bei der Organisation des Unterrichts, weshalb in Ballungszentren mehr online unterrichtet wird als auf dem Land.

“Jedesmal, wenn die Familie Aufgaben der Schule übernehmen muss, öffnet sich die soziale Schere ein Stück weiter, weil einige Kinder dabei zu Hause begleitet werden, ein entsprechendes Umfeld mit den entsprechenden technologischen Geräten haben und andere eben nicht. Das hat man jüngst bei den Hausaufgaben bemerkt. Diese Wechseln von Räumen - Schule, Online, Klasse, zu Hause - erfordert von den Schulen viel Arbeit, weil das Risiko sehr hoch ist, dass die Schüler abschalten. Wir wissen genau, wie hoher Schulabbruch entsteht und es ist zu erwarten, dass nach den Monaten ohne Schule die Rate stark zugenommen hat. Wir haben nur die Daten dafür noch nicht”, sagte Universitätsprofessorin Aina Tarabini aus Barcelona.

Man habe sich sehr um die sanitäre Sicherheit in den Zentren bemüht, sagte Enrique Roca, Präsident des spanischen Schulrats, aber wenig um die Lehrer, die verpassten Stoff aus dem vergangenen Schuljahr aufbereiten und sich darauf einstellen müssen, eine Klasse in Quarantäne telematisch zu unterrichten. Es laufe alles so weiter wie in den Jahren zuvor. Es fehle ein pädagogischer Plan, der die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Schule und auch den Online-Unterricht berücksichtige. Seiner Meinung nach stünde der ganze Lehrplan zu Disposition, sei eine Einigung der Schulkonferenz zwischen den Regionen und dem Bildungsministeriums erforderlich und müsse das Bildungsgesetz entsprechend geändert werden.

Rubriklistenbild: © EFE/Emilio Naranjo

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