Schäfer Jesús Beneito mit seiner Schafherde und seiner Hütehündin Murla.
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Schäfer Jesús Beneito kann sich auf seine Hündin verlassen.

Vierbeiniger Schafhirte

Hütehunde: Für Schäfer sind sie wertvolle Gehilfen und Weggefährten

  • vonAndrea Beckmann
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Schaf- und Ziegenhirten können sich 100 Prozent auf ihre vierbeinigen Gehilfen verlassen, wenn es darum geht, die Viehherde zusammenzuhalten. Ganz besonders verlässlich sind katalanische Hirtenhunde, wie die Hündin Murla bei einem Hütehunde-Wettbewerb im valencianischen Hinterlandort Agres unter Beweis stellte. Zur Freude ihres stolzen Besitzers Jesús Beneito.

  • Für Schaf- und Ziegenhirten sind Hütehunde unverzichtbar.
  • Welche Aufgaben Hütehunde zu meistern haben, zeigen Wettbewerbe, die spanienweit veranstaltet werden.
  • Die Hauptaufgabe eines Hütehundes ist es, Schaf- oder Ziegenherden zusammenzuhalten.

Agres - Ruhig nähert sich Murla der Tierherde und nimmt den ersten Kontakt auf. Die fünfjährige katalanische Hirtenhündin ist hochmotiviert, konzentriert und aufmerksam. Die Schafe und Ziegen hat sie fest im Blick. „Esquerra“ („links“) ruft Schäfer Jesús Beneito der Hündin zu. Kein harscher Befehlston, sondern ruhiges Kommando. Murla wechselt sofort die Richtung und treibt die Tiere weiter auf den Spanier zu. Murla ist eine besonders gelehrige Hütehündin. Ihre Hauptaufgaben: Sie muss die Schafe und Ziegen zusammenhalten, in der Lage sein, die Herde von einer Weide zur anderen oder in einen Pferch zu treiben, und sie sollte es beherrschen, einzelne Tiere aus der Gruppe zu trennen. Dabei muss der Schäfer der ruhende Pohl sein, während der Hütehund die Laufarbeit ausführt.

Land Spanien
Autonome RegionValencia
ProvinzAlicante
BezirkCondado de Cocentaina
Ausdehnung25,84 km2
Einwohnerzahl565 (2019)

„Murla ist die beste Hündin ,die ich jemals für diese Arbeit hatte“, lobt Tierzüchter Beneito, während er mit 23 Schafen und sieben Ziegen auf einer Weide seines Gehöfts demonstriert, wie zuverlässig seine Hündin bei der Arbeit ist. „Ich könnte sie jetzt sogar mit der Herde für eine Weile alleine lassen. Sie nimmt ihre Aufgabe sehr ernst und würde nicht zulassen, dass sich nur ein Tier von der Weide entfernt.“ Sie sei stets hoch motiviert.

Der Schäfer Jesús Beneito trainiert täglich mit seiner Hirtenhündin Murla

Der Schäfer trainiert täglich mit Murla, um bei den Hütehunde-Wettbewerben anzutreten, die landesweit organisiert werden. Wir treffen ihn mit seiner Hündin bei einem Wettbewerb im 600 Einwohner zählenden Hinterlandort Agres, 20 Autominuten von Alcoy entfernt.

Der Wettbewerb, an dem zwölf Schäfer aus dem Land Valencia sowie Katalonien teilnehmen, besteht aus verschiedenen Durchläufen. Im ersten Durchgang muss der Hütehund eine Schafherde durch einen Gang zum Schäfer treiben. Zweimal ertönt auf dem Weg dorthin ein Pfiff der Jury. Dies ist das Zeichen für den Hund, so lange innezuhalten, bis ihm ein zweiter Pfiff signalisiert: Jetzt muss es weitergehen. „Der Schäfer darf sich dabei nicht von seinem Platz wegbewegen“, erklärt Beneito. „Erst wenn der Hund die Tiere in einen Kreidekreis getrieben hat, gilt die Prüfung als bestanden.“ Dabei geht es vor allem um das Geschick der Hunde, aber auch um die genaue Einhaltung der Zeit. Bei Fehlern gibt es Punkteabzug.

Die Hunde, die die Aufgabe am besten gemeistert haben, werden für die zweite Runde zugelassen. Sie haben jetzt die Aufgabe, eine Schafsherde durch ein Gatter in ein Gehege zu bringen. „Dies ist deshalb recht schwierig, weil sich die Schafe in die Enge getrieben fühlen und möglicherweise versuchen, auszubrechen“, weiß der Schäfer. „Ein wichtiges Kriterium ist, dass die Tiere ruhig geführt werden. “Der Hund müsse jederzeit kontrollierbar sein und dürfe sich nicht aufregen. Dies sei der einzige Schwachpunkt bei Murla. „Sie ist manchmal sehr aufgeregt bei der Arbeit und dann kann es passieren, dass sie im Übermut auch mal nach einem Schaf schnappt“, berichtet der Spanier, der schon an zahlreichen Wettbewerben teilgenommen hat. "Sie würde aber nie richtig zubeißen“, ist sich der Schäfer sicher. „Aber wenn sie das in einem Wettbewerb macht, gibt es natürlich Punkteabzug. Die Bestimmungen lassen dies nun einmal nicht zu.“ Auch nicht, dass einer der Hütehunde Menschen im Publikum begrüßt.

Die Tradition des Hütewettbewerbs geht in Spanien auf das Jahr 1948 zurück

Genau das passierte Beneito im vergangenen Jahr beim ersten Wettbewerb in Agres mit der Hündin. „Murla ist eine sehr freundliche Hündin, sie liebt den Umgang mit Menschen“, sagt er. Und so meinte sie damals bei dem Wettbewerb in Agres offenbar, dass sie doch auch all die Leute im Publikum, die sie kennt, begrüßen sollte.“ Er sei sich deshalb nicht ganz sicher, ob es Sinn mache wieder in seinem Wohnort zu dem Wettbewerb anzutreten. Außerdem sei er im vergangenen Jahr bei dem Wettbewerb in Agres extrem nervös gewesen. „So kannte ich das von Teilnahmen in anderen Orten gar nicht“, meint er. „Ich hatte richtiges Lampenfieber, weil ich es ganz besonders gut machen wollte.“

Die Tradition des Hütewettbewerbs geht auf das Jahr 1948 zurück. Damals wurde er erstmals in der Gemeinde Ribes de Freser in Katalonien ausgetragen. Weit voraus sind den spanischen Schäfern die Briten. So schrieb man das Jahr 1873, als geschichtlichen Überlieferungen zufolgein Wales der erste Hütehunde-Wettbewerb ausgeführt wurde. „Entstanden sind diese Wettbewerbe, weil sich die Schäfer schon immer untereinander beweisen wollten,dass ihr Hund der beste Hütehund ist“, meint Beneito.

Viehzüchter Jesús Beneito ist gerne mit seinen Tieren zusammen - seine Hütehündin ist ihm dabei eine sehr grosse Hilfe

Der Viehzüchter aus Agres, einer der jüngsten dieser Zunft in der Region, liebt das Schäferdasein.„Wer in der heutigen Zeit noch Schäfer wird, der entscheidet sich aus freien Stücken für diesen Beruf“, sagt er. Er habe einmal 100 Ziegen zur Milchgewinnung gehabt. Dies sei aber mit einem seh großen Zeitaufwand verbunden gewesen und habe sich finanziell nicht getragen. Deshalb sattelte er um. Heute züchtet er hauptsächlich Schafe zur Schlachtung. Die wenigen Ziegen, die ihm noch bleiben, geben ihm die Milch, die er für den Hausgebrauch benötigt.

Beneito betont, er sei gerne mit Tieren zusammen und schätze sein Leben inmitten der Natur. „Die Stadt als Wohnort käme für mich nie in Frage“, versichert der 50-jährige. In Agres fühle er sich wohl. Deshalb habe er sein Dorf nie verlassen. Zwar erfordere die Viehzucht großen Einsatz. „Ich kann eigentlich nie Urlaub machen, sondern muss mich jeden Tag im Jahr um meine Tiere kümmern“, sinniert der Schäfer. „Finanziell kommt auch nicht viel dabei rum. Wenn ich nicht noch Getreide und Oliven anbauen und gelegentlich auch für andere Landwirte arbeiten würde, käme ich wohl kaum über die Runden.“ Und dennoch würde er dieses Leben auf gar keinen Fall gegen ein anderes eintauschen wollen.

Hat er nicht manchmal mit Einsamkeit zu kämpfen, wenn er so ganz ohne Ansprache mit seiner Tierherde in den Bergen unterwegs ist? „Einsamkeit?“ fragt er. Verwunderung klingt in seiner Stimme mit. „Nein, ich fühle mich nicht einsam. Ich bin doch nie alleine. Meine Tiere sind immer dabei und in der Natur gibt es viel zu entdecken. Ich beobachte die Vögel, höre ihrem Gesang zu, schaue mir Pflanzen an.“ An dieser Stelle hält er für einen Moment inne, bevor er sagt: „Man sollte allerdings ausgeglichen sein und in sich ruhen. Wenn es einem seelisch nicht gut geht, kann die Einsamkeit auch dazu führen, dass man sich zu viele Gedanken macht.“ Da macht sich Murla bemerkbar und Beneito erinnert sich daran, dass es Zeit ist, die Herde in den Stall zu treiben.

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