Auffanglager auf Kanaren existiert nicht mehr

Kanaren: Abbau des Flüchtlingslagers in Spanien - Migrationskrise bleibt 

  • vonStephan Kippes
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Die Regierung von Spanien hat das Flüchtlingslager auf der Mole von Arguinreguin abgebaut. Die Erleichterung auf den Kanaren ist groß, die Migrationskrise bleibt ungelöst.

Las Palmas - Die Regierung von Spanien hat das Auffanglager für nordafrikanische Bootsflüchtlinge auf der Hafenmole von Arguineguin im Süden Gran Canarias nach drei Monaten und neun Tagen aufgelöst. Die letzten 27 Migranten verließen am Sonntag gegen 22.15 Uhr das Notlager, in dem noch vor einige Wochen bis zu 2.000 Menschen unter sehr prekären Bedingungen eingesperrt waren.  „Ich begrüße das, aber es bleibt noch viel zu tun“, sagte kanarische Regierungspräsident Ángel Víctor Torres.

Flüchtlingslager auf Kanaren: Vom Feldlazarett zur Notunterkunft von über 2.000 Flüchtlingen

Auf der Mole blieben nur einige Zelte für die medizinische Versorgung von Ankömmlingen und Mitarbeitern der See sowie für PCR-Tests auf das Coronavirus. Dafür war das Lager auf der Mole ursprünglich konzipiert gewesen. Dass Migranten mehrere Tage ausharren mussten, hing mit der Ankunft von immer mehr Flüchtlingsbooten ab August zusammen und mit den daraus resultierenden Schwierigkeiten, die Nordafrikaner zu versorgen, auf Corona zu testen und an einem geeigneten Ort unterzubringen.

Daraufhin vergrößerte das Rote Kreuz das Lager an der Mole im September für bis zu  400 Migranten, was ebenfalls viel zu kurz gegriffen war. Allein an dem Tag, als der Minister für Immigration, José Luis Escrivá,  Arguineguín besuchte, kamen 700 Bootsflüchtlinge an. Im Oktober und November erreichten über 12.000 Armutsflüchtlinge die Kanaren. Mit der Folge, dass sich in dem Lager an der Mole zwischenzeitlich bis zu 2.600 Menschen aufhielten.

Flüchtlingslager Arguineguín: Symbol der Schande für Flüchtlingspolitik von Spanien und EU

Menschenrechtler prangerten an, dass viele Nordafrikaner dort länger festgehalten werden als die erlaubten 72 Stunden. Viele mussten zudem auf dem Boden schlafen, sich ein Dutzend Dixie-Toiletten mit Hunderten teilen, Die hygienischen Zustände in dem Lager galten als sehr schlecht. Hinzu kam das humanitäre Drama. Angehörige aus Europa reisten an, um in dem Lager noch Verwandten zu suchen. Trotz der angespannten Lage auf den Inseln, hat es bisher kaum nennenswerte fremdenfeindliche Aktionen gegeben. „Niemand lässt gerne seine Familie zurück. Vielen Kanaren ging es auch so, unsere Vorfahren mussten alles zurücklassen, um diese Küsten zu finden. Es ist Teil unserer DNA, Fremdenfeindlichkeit verträgt sich nicht mit den Kanaren“, meinte kanarische Regierungspräsident Ángel Víctor Torres.

Das Flüchtlingslager auf der Hafenmole ist geräumt worden.

Arguineguín entwickelte sich immer mehr zu einem Schandfleck für das Urlaubsparadies und die Immigrationspolitik von Spanien und der EU. Der Druck auf die Regierung, dem Elend ein Ende zu machen, wuchs stetig, von Menschenrechtsorganisationen, von Inselbewohnern, Regionalregierung und zuletzt sogar vonseiten der Kirche.  Die Rolle als Auffanglager übernimmt nun eine Anlage etwas außerhalb von Las Palmas im Barranco Seco, die für 800 Flüchtlinge konzipiert ist. Viele Immigranten leben auch auf den Inseln verteilt in Hotelanlagen. Wegen Coronavirus-Krise sind derzeit wenige Urlauber auf den Kanaren, doch das kann sich ändern. Mit den Szenen von Arguineguín können die Kanaren keine sonnenhungrige Winterurlauber aus Europa auf die Inseln locken, deren Bevölkerung fast ausschließlich vom Tourismus lebt. Und auch auf den Kanaren sind Armut und Arbeitslosigkeit groß.

Rubriklistenbild: © Javier Fergo/dpa

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