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Roter Kalif von Córdoba ist tot: Spaniens Linke trauert um Gallionsfigur Julio Anguita

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Von: Stephan Kippes

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Der Tod von Julio Anguita ist einer herber Verlust für Spaniens Politik. Der „Rote Kalif“ von Córdoba war ein charismatischer Politiker mit starken Prinzipien.

Madrid - Der ehemalige langjährige Chef der spanischen Linken, Julio Anguita, ist tot. Anguita starb am Samstag im Alter von 78 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes, den er vor einer Woche erlitten hatte, wie die behandelnden Ärzte des Universitätskrankenhauses Reina Sofía in Córdoba in Andalusien mitteilten. Der gelernte Historiker, Journalist und Gymnasial-Lehrer lag nach dem Infarkt seit sieben Tagen auf der Intensivstation.

Pablo Iglesias: „Ethische und politische Bezugsperson“

„Ich bedauere zutiefst den Tod von Julio Anguita. Er war ein konsequenter, ehrlicher, stets kritischer Mann, der unermüdlich für Gleichheit und soziale Gerechtigkeit eingetreten ist“, schrieb Ministerpräsident Pedro Sánchez auf Twitter. Linken-Führer Pablo Iglesias, dessen Bündnis Unidas Podemos (UP) Spanien als Koalitionspartner der Sozialisten von Sánchez mitregiert, würdigte Anguita auf Twitter als „ethische und politische Bezugsperson“, die „uns den Weg gezeigt hat“.

Politiker Julio Anguita bei einer Pressekonferenz im Jahr 1998.
Das Bild aus dem Jahr 1998 zeigt Julio Anguita, damaliger Vorsitzender der spanischen Linken. Anguita starb am 16. Mai im Alter von 78 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes © Europa Press/dpa

Nach Ende der Diktatur von Francisco Franco (1939-1975) spielte Anguita zunächst als Vorstandsmitglied und später als Chef der Kommunistischen Partei (PCE) sowie als Führer des vom ihm organisierten Linksbündnisses Izquierda Unida (IU/Vereinigte Linke) eine sehr wichtige Rolle in der spanischen Politik.

Beliebter Politiker: Brachte Córdoba Strom und Wasser

Wegen seiner Beliebtheit und seiner sehr guten Wahlergebnisse in seiner andalusischen Heimat wurde er „Der Rote Kalif“ oder „Kalif von Córdoba“ genannt. Zwischen 1979 und 1986 war der Bartträger Bürgermeister von Córdoba. Er war damals der erste und einzige kommunistische Rathauschef einer spanischen Provinz-Hauptstadt. Noch heute erinnern sich Ältere in Córdoba sehr gern an „Don Julio“. Unter Anguita bekamen Tausende Cordobeses Strom- und Wasserversorgung sowie asphaltierte Straßen.

Anguita hatte sich vor gut 20 Jahren - nach einem zweiten Infarkt damals im Jahr 1999 - zwar weitgehend aus der Politik zurückgezogen. Er blieb aber weiterhin gesellschaftlich engagiert. Erst Anfang Mai hatte der am 21. November 1941 in andalusischen Badeort Fuengirola (Provinz Málaga) geborene Mann in einem Video in Zeiten von Coronavirus und strikter Ausgangssperre zu „Gelassenheit und reiflichem Überlegen“ aufgerufen. Auch Politiker, die seine Weltanschauung nicht teilten, würdigten Anguitas wichtige Rolle beim Übergang Spaniens in die Demokratie.

(dpa)

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