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Spaniens Maskenpflicht: Regeln im Urlaub in der Normalität nach Corona

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Von: Marco Schicker

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kundin bezahlt an gemüsestand
Bezahlen nur mit Abstand: Hier auf Alicantes Mercadillo in der Calle Teulada. Dort sind Masken ohnehin schon Pflicht. © Ángel García

Spanien will eine neue Ausbreitung von Covid-19 mit einer Maskenpflicht vorbeugen. Wer sie in der neuen Normalität wann und wo tragen sollte.

Update 18. Juni: Auch mit Ende des Notstandsdekrets und mit Beginn der „neuen Normalität“ ab Sonntag, 21. Juni, gilt in Spanien weiterhin die Maskenpflicht. Ein Mundschutz muss immer dann getragen werden, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Das gilt sowohl in geschlossenen Räumen als auch im Freien.

Madrid - Laut Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa sollen Schutzmasken vor dem Coronavirus in allen öffentlich zugänglichen, geschlossenen Räumen, also auch Geschäften, getragen werden müssen sowie auch im Freien, immer dann, „wenn der minimale Sicherheitsabstand von zwei Metern nicht gewährleistet werden kann.“ So ist es auch im BOE, dem Amtsblatt, veröffentlicht worden. Am Donnerstag, 21. Mai, trat das Gesetz in Kraft. Und es wird Spanien auch in der "neuen Normalität" begleiten.

Maskenpflicht in Spanien - Zusammenfassung des Amtsblatts

Wer soll Masken tragen, wer nicht?

Welche Masken sollen getragen werden?

Wann ist die Maske zu tragen, wann nicht?

Eine Kellnerin bedient mit Handschuhen und Atemschutzmaske die Gäste.
Eine Kellnerin bedient mit Handschuhen und Atemschutzmaske die Gäste. © Ángel García

Relative Maskenpflicht in Spanien: Wo kein Coronavirus, da keine Maske nötig

Der Gesundheitsminister kündigte die weitgehende Maskenpflicht bereits am Sonntag im öffentlichen Fernsehen an, am Dienstag erläuterte er weitere Details. Danach gehe es vor allem darum, dass die Menschen beim Verlassen und Betreten ihrer Häuser, beim Einkauf und überall dort, wo sich nicht immer der nötige Abstand einhalten lässt, Masken zu tragen.

Seit 13. April galt in Spanien die Pflicht zum Tragen einer Schutzmaske für die Allgemeinheit nur in den öffentlichen Verkehrsmitteln, zuvor natürlich auch schon in sensiblen Einrichtungen und für Personen mit Covid-19-Symptomen.

Am 18. März twitterte das spanische Gesundheitsministerium noch: Gesunde Menschen brauchen keine Maske zu tragen. Am 7. Mai findet man bereits Masken „für jeden Typ“. Nun wird die Maskenpflicht allgemein.

Die Ankündigung bedeutet zwar, dass Spanien eine sehr weitreichende, aber keine generelle Maskenpflicht einführt. Wer Sport treibt oder Wandern und Spazieren geht und auf den entsprechenden Abstand achtet, darf das auch ohne Schutzmaske. Das gleiche gilt für den Besuch einer Restaurant-Terrasse. Da dort die Tische bereits mindestens zwei Meter auseinanderstehen sollen, erübrigt sich das Tragen einer Maske, wenn man das nicht selbst wünscht.

Die Details wurden am Mittwoch, 20. Mai im Amtsblatt (BOE) veröffentlicht.

Ein Kellner wischt einen Tisch ab
Ob Freestyle-Modelle wirklich schützen? © Ángel García

Das Hauptziel der Maßnahme besteht darin, das Infektionsrisiko mit Sars-Cov-2 weiter so minimal wie möglich zu halten. Da sich Menschenansammlungen in der Phase der Deeskalation immer weniger vermeiden lassen werden, will man die guten Ergebnisse beim "Biegen der Kurve" nicht gefährden oder gar einen größeren Rückfall riskieren.

Die beste Maske ist noch immer der Zwei-Meter-Abstand.

Fernando Simón, Chef des sanitären Krisenstabes der spanischen Regierung

Allerdings ist sich die Fachwelt, nicht einmal die Regierung über den Sinn oder die Kontraproduktivität der Masken im allgemeinen Gebrauch einig. Spaniens Coronavirus-Guru, Fernando Simón, Chef des sanitären Krisenstabes und erfahrener Virologe, hielt sie noch vor wenigen Tagen bei Personen, die keine Symptome zeigen oder zu besonders gefährdeten Gruppen gehören, „für wenig sinnvoll“. Allerdings sagte er kürzlich, dass es „angesichts der Schwere der Krise manchmal besser ist, zu übertreiben“. Und immerhin würde man so den Ausstoß von Körperflüssigkeiten durch Atmung, Niesen oder Husten minimieren, auch bei Personen die asymptomatisch sind, aber ansteckend sein können.

Fernando Simón verweist jedoch auch darauf, sich einem „falschen Sicherheitsgefühl hinzugeben“. Die Maske sei kein Universalschutz. Falsche Anwendung oder Modelle könnte sogar das Infektionsrisiko erhöhen, vor allem wenn man Masken zwischendurch absetzt, wobei sie in Kontakt mit Händen oder anderen Oberflächen kommen. Simón sieht Schutzhandschuhe in diesem Zusammenhang noch kritischer.

Während die EU in einer Empfehlung für Schutzmasken von „dringend empfohlen spricht“, hat die Weltgesundheitsorganisation, WHO, eine andere Ansicht. „Wer gesund ist, braucht nur eine Maske, wenn er in Kontakt mit jemandem kommt, der unter dem Verdacht steht mit dem Coronavirus infiziert zu sein“, liest man auf der WHO-Webseite.

In Europa war Tschechien das erste Land, dass Schutzmasken weitgehend verpflichtend eingeführt hat. In Frankreich und Deutschland sind sie bis dato ebenfalls nur im öffentlichen Verkehr Pflicht, in Italien in allen geschlossenen öffentlichen Räumen, in Portugal im gesamten öffentlichen Raum.

Falsche Verwendung gefährlicher als keine Maske

Sorgen dürfte dem Gesetzgeber auch machen, welche Maske er empfehlen soll. Bekannt ist, dass die chirurgischen Nase-Mund-Schutze und die sogenannten hygienischen Masken als nur teileffizient gelten, aber am meisten verfügbar und durch den Preisdeckel von 0,96 Euro pro Stück auch die erschwinglichsten sind. Zudem sind es Wegwerfmasken, was das Risiko falscher Sterilisation eliminiert.

Fernando Simón jedenfalls hat sich letztlich für ein salomonisches Urteil entschieden: „Ich werde mich nicht für oder gegen die Verpflichtung zum Tragen von Masken aussprechen. Wir sollten aber andere Aspekte nicht außer acht lassen: Die beste Maske ist noch immer der Zwei-Meter-Abstand, um erneute Ausbrüche des Coronavirus zu vermeiden.

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