Ein Orangenbauer aus Valencia bei der Ernte.
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Valencias Orangenbauern fürchten um den guten Ruf ihrer Produkte.

Valencia fürchtet um guten Ruf der Orange

Gefrorene Orangen für Europa: Spanische Bauernverbände schlagen Alarm

  • vonStephan Kippes
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Der Winter hat Schäden in vielen spanischen Anbaugebieten angerichtet, nicht so in Valencia. Dort sind die Erzeugerpreise gestiegen. Skrupellose Unternehmer wittern Geschäfte.

Der Wintersturm Filomena hat verheerende Schäden in Spanien und eben auch in den Zitrusplantagen der Region Andalusien angerichtet und 30 bis 40 Prozent der Früchte kurz vor ihrer Ernte erfroren. Der Schaden trieb die Preise in anderen Produktionsgebieten in die Höhe, vor allem in der Vega Baja in der Region Valencia. Die Erzeuger erzielten dort für Sorten wie Navel, Navelinas und Lanelates 25 Prozent mehr als noch vor einem Jahr, als viele Landwirte die Orangen aus Protest am Boden verfaulen ließen.

Skrupellose Unternehmer kaufen erfrorene Orangen für den Export auf

Weniger erfreulich für Obstsektor in Valencia muten die unredlichen Praktiken einiger Großhändler an, die Agrarverbände wie Asaja jetzt anprangern. Demnach hätten einige Unternehmer gefrorene Apfelsinen aus Andalusien aufgekauft, um sie auf dem europäischen Markt zu platzieren. „Wir haben von Firmen erfahren, die gar nicht unserem Sektor angehören, die erfrorene Orangen ernten und zehn Trailer für den europäischen Markt vollgeladen haben. Das ist eine Katastrophe! Das merkt der Verbraucher sofort, weil die Orangen schnell bitter werden“, teilte der Vizepräsident von Asaja aus Alicante, José Vicente Andreu, mit.

Nun wähnt der valencianische Orangensektor seinen guten Ruf in Gefahr und befürchtet einen abermaligen Preisverfall. „Das ist alles schon mal passiert“, sagte Andreu. Die in der Kritik stehenden Firmen machten gezielt die Preise kaputt. Sie würden den Erzeugerpreis von 40 Cent für das Kilo nicht zahlen wollen und darauf spekulieren, mit dem Verkauf verdorbener Früchte eine allgemeine Preissenkung herbeizuführen.

Die Landwirtschaft leidet seit Jahren an zu niedrigen Erzeugerpreisen. Droht ein erneuter Rückschlag?

Für Valencia wäre ein derartiger Lebensmittelskandal eine Katastrophe. Die Orange gilt als die Nationalfrucht der Region, die sich als Herkunftsland der süßesten und besten Orangen der Welt sieht. Die Zitrusfrucht stammt wohl aus China, aber Valencia lässt nichts auf seine Orangen kommen und beharrt darauf, dass die ersten genießbaren Apfelsinen für Markt 1781 in Carcaixent angebaut wurden und alles, was bis dato und seit Alexander dem Großen als „persische Äpfel“, oder später als „Sinaasappel“ oder „Naranga“ bekannt war, bestenfalls als Zierobst taugte. Warum - weil die Früchte bitter oder wie eben erfroren schmeckten. Zur Kulturgeschichte der Orange in Spanien.

„Wir ersuchen das Agrarministerium dringend, Inspektionen durchzuführen und in den Lagerstellen die Herkunft der Früchte zu überprüfen, die für den Export bestimmt sind“, sagte Andreu. Die Behörden müssten sicherstellen, dass erfrorene Zitrusfrüchte als Ausschuss behandelt werden und nur Obst in optimalem Zustand in den Export käme.

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