Fahrverbot für Segelboote

Nach Orca-Angriffen in Spanien: Verbot für Segelboote

  • vonJudith Finsterbusch
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Ab sofort dürfen keine Segelboote mit weniger als 15 Metern Länge mehr vor Teilen der galicischen Küste fahren. Grund sind die zuletzt vermehrten Orca-Angriffe in Spanien.

A Coruña – Nach mehreren Orca-Angriffen auf Segelboote vor der galicischen Küste im Nordwesten von Spanien hat das Verkehrsministerium jetzt Einschränkungen für Segler beschlossen. Ab sofort dürfen keine Segelboote mit einer Schiffslänge von 15 Metern oder weniger mehr vor der Küste zwischen dem Kap Prioriño Grande und der Landspitze Estaca de Bares fahren. Damit wollen die Behörden weitere Zusammenstöße mit Schwertwalen verhindern.

Schwertwal
OrdnungWale (Cetacea)
FamilieDelfine (Delphinidae)
Tragzeit15 – 18 Monate

Verbot nach Orca-Angriffen in Spanien: Behörden wollen Tiere schützen

„Mit dieser Maßnahme wollen wir sowohl die Besatzung als auch die Orcas schützen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Verkehrsministeriums. Den Antrag auf das Verbot hatte die Generaldirektion für Biodiversität in Spanien gestellt. Seit dem 19. August war es vor der galicischen Küste vermehrt zu Zusammenstößen zwischen Segelbooten und Schwertwalen – auch Killerwale genannt – gekommen. Dabei hatten die Orcas die Yachten scheinbar gezielt gerammt, bei mehreren Segelbooten wurde das Ruder durch die Angriffe so stark beschädigt, dass die Boote von der Seenotrettung in den nächstgelegenen Hafen geschleppt werden musste. Die Schwertwale sind nicht die einzigen Tiere, die Spanien derzeit auf Trab halten: In einem andalusischen Dorf hat ein angeblicher Panther die Bewohner in Angst und Schrecken versetzt.

Wie die Behörden in Spanien erklären, waren vor allem kleinere Boote mit einer Länge von 15 Metern oder weniger betroffen. Alle Schwertwal-Angriffe fanden zwei bis acht Seemeilen von der Küste entfernt statt. Auch die Geschwindigkeit, mit der die Boote unterwegs waren, war ähnlich: zwischen fünf und neun Knoten. Einige Boote hatten den Motor eingeschaltet, andere Segelboote nicht. Die Theorie, die Motorengeräusche seien Grund für die Attacken, ist somit hinfällig. Experten haben immer noch keine eindeutige Erklärung für die Orca-Angriffe gefunden.

Nach Orca-Attacken in Spanien: Verbot als Sicherheitsmaßnahme

Die Generaldirektion für die Handelsmarine in Spanien, die sich ebenfalls für das Segelverbot ausgesprochen hatte, betont, dass es sich um eine reine Sicherheitsmaßnahme handelt. „Wir wollen niemanden diskriminieren, sondern die Meeres-Biodiversität und die Sicherheit der Schifffahrt garantieren“, heißt es in einer Stellungnahme.  Das Verbot für Segelboote als Reaktion auf die Schwertwal-Angriffe ist in der Nacht zum 23. September in Kraft getreten.

Vorerst soll die Einschränkung in der Seefahrt eine Woche gelten. Die Behörden in Spanien schließen nicht aus, das Verbot auf andere Gebiete auszuweiten. Ausschlaggebend für eine solche Entscheidung wäre die Berücksichtigung der Migrationsroute der Schwertwale. Orcas sind in Spanien beheimatet, sie bewegen sich sowohl in der Meerenge von Gibraltar als auch vor der Atlantikküste und im Kantabrischen Meer. Selten sind lediglich die Angriffe auf Segelboote, Schwertwale legen in Freiheit eigentlich kein aggressives Verhalten gegenüber Menschen oder Schiffen an den Tag.

Schwertwale haben in den letzten Tagen vermehrt Yachten in Spanien angegriffen. Jetzt herrscht ein Verbot für Segelboote.

Die Behörden bitten die Besatzung von Schiffen und Booten außerdem, sich an die geltenden Schutzmaßnahmen für Meeressäuger in Spanien zu halten: Wer auf einen Schwertwal oder anderen Meeressäuger trifft, muss mit gleicher Geschwindigkeit und ohne Kursänderung weiterfahren. Brüske Lenkmanöver und ein Annähern auf weniger als 60 Meter ist verboten.

Rubriklistenbild: © Uncredited/Center for Whale Research/dpa

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