Papst Benedikt XVI fährt im Papamobil durch Menschenmassen in Valencia.
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Papst Benedikt XVI besuchte Valencia im Sommer 2006.

Veruntreuung beim Besuch Benedikts XVI. in Valencia

Vom Papst in den Knast - Harte Urteile im Korruptionsfall Gürtel in Valencia

  • vonStephan Kippes
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Beim Papstbesuch in Valencia veruntreute das Gürtel-Kartell Millionen. Nun hat der Nationale Gerichtshof die Urteile gefällt. Der Tenor: Korruption darf sich nicht lohnen.

Valencia - Glanz und Gloria des Papst-Besuches von Benedikt XVI. 2006 in Valencia stehen seit jeher im Schatten eines der größten Korruptionsskandale in Spanien in diesem jungen Jahrhundert, dem Caso „Gürtel“. Nun hat der Nationale Strafgerichtshof mit einem Urteil einen weiteren Teil dieses Sumpfes trockengelegt, in dem die Hauptangeklagten Francisco Correa, Pablo Crespo, Schnauzbart Álvaro Pérez alias El Bigotes und Konsorten öffentliche Gelder in Höhe von 7,5 Millionen Euro abgezapft und 3,2 Millionen in ihre Taschen gesteckt haben.

Schlussstrich unter Epoche des Booms und Korruption in Valencia

Wir schreiben das Jahr 2006, die Volkspartei in Valencia erreicht unter PP-Landesbaron Francisco Camps den Höhepunkt ihrer Macht. Eine absolute Mehrheit folgt auf die andere, es ist die Zeit der pelotazos – der großen Würfe –, der Megabausiedlungen, der Geisterautobahnen, der Flughäfen ohne Flugzeuge, der Kommissionen und Korruptionen in Millionenhöhe.

Valencia träumte davon, aus dem Schatten Barcelonas zu treten, mit Formel 1 und America's Cup. Und Francisco Camps von der Präsidentschaft im Madrider Regierungspalast Moncloa. So holte sich er sich in Rom bei Benedikt XVI. gewissermaßen den Segen, den sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero aus der Regierung zu jagen. Homo-Ehe und Babyscheck sowie Entsalzungsanlagen und Küstenschutz statt dem ersehnten Ebro-Kanal kollidierten mit der mediterranen Konquistadoren-Mentalität und sprengten das Weltbild des Papstes Joseph Ratzinger im Vatikan.

Klüngelwirtschaft und die Gier nach öffentlichen Aufträgen

Wirklich eingefädelt dürfte den Papst Besuch die Opus-Dei-Fraktion um die vom Coronavirus hingeraffte Eminenz der Landesregierung, Juan Cotino, haben. In dessen Dunstkreis gierten einflussreiche Unternehmer auf lukrative öffentliche Aufträge der Landesregierung Valencia – darunter auch Strippenzieher wie das Gürtel-Kartell um Francisco Correa.

Beim Papst Besuch ging es den Angeklagten um die weltweite Übertragung des Events und des dreitägigen Weltfamilientreffens, bei dem Benedikt die Wandlung mit dem in Valencia gehüteten Santo Grial vollzog. Die Exklusivrechte sicherte sich wie durch ein Wunder der damalige valencianische Regionalsender Canal 9 unter der Leitung von Pedro García. Ihm drohte im Prozess eine Haftstrafe von 43 Jahren, die Staatsanwaltschaft musste sich aber mit sechs Jahren und neun Monaten zufrieden geben.

García schusterte dem Gürtel-Kartell dank seines Einflusses in dem eigens für dieses Event gegründeten Patronat einen 7,5-Millionen-Auftrag zu und sackte selbst über 415.000 Euro ein. Eine öffentliche Ausschreibung hat es trotz des hohen Etats von 7,45 Millionen Euro nie gegeben. Was mit dem Segen von Francisco Camps und der damaligen Bürgermeisterin Valencias, Rita Barberá, die beide im Patronat saßen, passierte, war schon illegal, bevor überhaupt der erste Euro floss.

Gilt als Drahtzieher des Korruptionsskandals: Francisco Correa - nach dessen Nachname - Gürtel - der Fall benannt ist.

Dieses Gürtel-Kartell wiederum verfügte über eine Vielzahl von Firmen unter dem Dach der FCS Group, die dieses Event des Papst Besuchs medial mittels Großbildleinwänden, Megafonen und Video vermarkten konnten, vorneweg die PR-Agentur Orange Market und die Ton- und Bild-Firma Teconsa, die für jeden einzelnen Auftrag Zusatzkosten verrechneten, die überhaupt nie entstanden sind.

Dieses Geld floss über ein komplexes Geflecht in die Taschen von Pedro García, rund 500.000 Euro in die von Álvaro Pérez, und 975.000 Euro in die von Pablo Crespo, landete dann in Schwarzgeldkassen und versumpfte wie die 230.000 Euro in Baugeschäften wie etwa in La Nucía.

Die Staatsanwaltschaft warf den Strippenziehern Korruption, Bestechung, Dokumentenfälschung, Veruntreuung, Steuerbetrug, Geldwäsche und zahlreiche andere Delikte vor, denen sich die Angeklagten schuldig machten, nicht zuletzt auch, weil sie das im Umfeld der Volkspartei in Valencia konnten.

Von den 23 Angeklagten bekamen 19 Haftstrafen in Höhe von insgesamt 80 Jahren: Francisco Correa 13 Jahre und sieben Monate, Pablo Crespo 15 Jahre und fünf Monate und der längst schnauzbartlose Álvaro Pérez sechs Jahre und neun Monate. Wie der Fall Kitchen, Fitur oder Bárcenas ist der Papst Besuch nur ein Teil des Mammutprozesses um das Gürtel-Kartell.

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