Anfänge der Globalisierung

Spanien: Vertrag von Tordesillas schnitt Welt in zwei Teile - Wie teilt man eine Apfelsine?

  • vonStefan Wieczorek
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Hintergrund zu Magellan-Weltumseglung vor 500 Jahren: Warum man in fast ganz Südamerika Spanisch, aber in Brasilien Portugiesisch spricht. Der erste globale Vertrag der Welt.

  • Der Vertrag von Tordesillas war Grundstein zur ersten Weltumseglung von Magellan vor 500 Jahren.
  • Aus Erde wurde Apfelsine in zwei Teilen: Einer für Spanien, einer für Portugal.
  • In Spanien wurde vor 525 Jahren erster globaler Vertrag der Weltgeschichte geschlossen.

Tordesillas – Wer im verschlafenen Tordesillas landet, ahnt kaum, dass es vor rund 525 Jahren im Zentrum der Weltgeschichte stand. Am 7. Juni 1494 teilten hier die zwei Großmächte Spanien und Portugal die Welt unter sich auf, indem sie einen Strich durch den Atlantik zogen, der Nord- und Südpol verband. Es war eine brennende Frage, die Spaniens Königspaar Isabel I. und Fernando II. und der Portugiese João II. klärten. Der alte Konflikt zwischen den Nachbarn stand kurz vorm erneuten Ausbrechen. Die territorialen Befugnisse des 1479er Vertrags von Acaçovas waren nicht mehr aktuell. Nach jenem Pakt gehörten Kastilien und die Kanaren Spanien, Madeira, Azoren und Kapverden, sowie das Recht, Fez zu erobern, hingegen gingen an Portugal.

TordesillasStadt bei Valladolid
Höhe: 704 m
Fläche: 142 km²
Bevölkerung: 8.825 (2018)

Vertrag von Tordesillas in Spanien: Neues Verständnis von Welt

Doch am 12. Oktober 1492 erreichte Kolumbus Amerika – und wurde auf der Rückfahrt von João II. abgefangen. Der portugiesische König meinte, dass das entdeckte Gebiet ihm gehöre, da es sich südlich der Kanaren befände. Das sahen die Katholischen Könige anders. Ihre Idee, um den Streit zu lösen: João sollte Afrika erhalten, und sie Amerika. Dafür riefen sie einen alten Freund zu Hilfe. Roderic de Borja war gerade Papst Alejandro VI. geworden. Mit den Reyes Católicos verband ihn eine lange Geschichte gegenseitiger Gefallen. Er verfasste mehrere Bullen, die ihnen recht gaben. Darin schlug er die Linie durch den Atlantik vor. Wer sie unerlaubt passierte, würde exkommuniziert werden. Das Königspaar verpflichtete er dazu, in die Länder Missionare zu senden.

Vertrag von Tordesillas: Spanien und Portugal teilten die Erde, Welt schaute zu.

Doch die Einmischung führte fast zum Krieg. Karl VIII. aus Frankreich schloss sich bereits Portugal an. Fieberhaft verhandelten die Streithähne einen neuen Vertrag. Es gelang. 370 Meilen westlich der Kapverden entstand der Strich, der die Welt zweiteilte. Im Westen würde Spanien regieren, im Osten Portugal – jeweils inklusive entdeckter Gebiete. Der Pakt war eine Revolution im territorialen Verständnis, durch ihn erhielt Spanien Melilla, aber verlor das Recht, die christliche Reconquista in Afrika auszudehnen. Kurios: Die Könige blieben dem festlichen Akt fern, und sandten Delegierte nach Tordesillas: Ruy de Sousa kam aus Portugal, Enrique Enríquez aus Madrid. Das Traktat brachte vorläufig Ruhe, und schuf die Basis für die erste Weltumsegelung unter Magellan.

Nach Weltumseglung durch Magellan landeten Gewürzinseln doch bei Portugal

Nach der Weltumseglung ergab sich aber die nächste Frage: Wo endete die dicke Linie auf der anderen Seite der Erdkugel? Der Vertrag von Zaragoza klärte die Frage im Jahr 1529. Anders als von Magellan erhofft, landeten die Gewürzinseln dann doch auf Portugals Hälfte der Erdkugel, die nun wie eine Apfelsine geteilt war.

Übrigens: Die bekannte süße Orange kam um 1500 nach Europa. Die Portugiesen brachten sie aus China zu uns. Und in Brasilien sprechen sie wegen des Vertrags von Tordesillas bis heute - anders als im Rest von Südamerika - Portugiesisch.

Rubriklistenbild: © Stefan Wieczorek

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