König Felipe VI sitzt auf einem Stuhl im Königspalast und spricht zum Volk.
+
König Felipe VI bei seiner Weihnachtsansprache.

Traditionelle Weihnachtsansprache von Felipe VI

Weihnachtsbotschaft für Spanien: König Felipe VI fordert nationale Anstrengung

  • vonStephan Kippes
    schließen

Mit allen und für alle: König Felipe VI weist den Spaniern in seiner Weihnachtsbotschaft den Weg aus der Coronavirus-Pandemie und der Wirtschaftskrise.

  • Felipe VI fordert große nationale Anstrengung zur Überwindung der Coronavirus- und Wirtschaftskrise
  • Skandale um Altkönig Juan Carlos werden nur indirekt angesprochen
  • König kann es nicht allen in Spanien recht machen: Kritik von links und Lob von rechts

König Felipe VI ruft in seiner Weihnachtsansprache zu einer “großen nationalen Anstrengung” auf, um die Coronavirus-Pandemie und die Wirtschaftskrise zu überwinden und zu verhindern, dass beide in eine Sozialkrise münden. Der König griff in seiner mit Spannung erwarteten und bisher auch längsten Ansprache nicht direkt die Vorwürfe gegen den seit August im freiwilligen Exil weilenden Altkönig Juan Carlos auf, dem Korruption und Steuerbetrug angelastet werden. Sein Sohn und Nachfolger versicherte aber, dass ethische und moralische Prinzipien über familiären Überlegungen stehen müssten und ihnen alle ohne Ausnahme verpflichtet seien.

Felipe VI vermittelt Zuversicht, dass Spanien die Cornavirus-Pandemie und Wirtschaftskrise überwindet

In weiten Teilen der fast 15-minütigen Ansprache wählte der König einen direkten und emotionalen Ton, hielt auch oft inne und setzte Pausen. Das Staatsoberhaupt drückte den Familien sein Mitgefühl aus, die das Weihnachtsfest wegen der Coronavirus-Auflagen nicht zusammen verbringen können. Sein Beileid richtete er an alle, die Angehörige wegen der Pandemie verloren haben und sprach von “einer Leere, die unmöglich zu füllen ist”.

Dann sprach Felipe VI allen Mut zu, die weiter kämpfen, gegen das Virus, um ihre Arbeit oder ihr Unternehmen. “Wir werden weder vor dem Virus noch vor der Krise einknicken. Mit Anstrengung, Einheit und Solidarität kommt Spanien da durch. Mit allen und für alle”, sagte er. Die Spanier seien kein Volk, das in schwierigen Zeiten resigniere oder aufgebe. “Spanien hat sich so einig gefühlt wie noch nie zuvor in dem Kampf und Widerstand gegen die Pandemie”, sagte er. Einen richtig mitreißenden Ton fand er nicht, Felipe VI blieb stets seiner Rolle des Staatsoberhaupts treu. Die Coronavirus-Krise werde man auch überwinden, mit Hilfe der Wissenschaft und in Gestalt der Impfungen, die am Montag beginnen.

Der König machte also Mut und drückte die Verbundenheit mit der EU aus. Explizit verwies er auf das Wiederaufbauprogramm, das Spanien 140 Milliarden Euro zur Verfügung stellt. Auch die spanische Verfassung würdigte das Staatsoberhaupt als “Fundament unseres sozialen und politischen Gemeinwesens, das in unserer Geschichte für Demokratie und Freiheit steht.” In Richtung des in den vergangenen Wochen furchtbar zerstrittenen Parlaments sagte der König: “Unsere demokratischen Werte, der Respekt gegenüber der Pluralität und den Differenzen sowie die Fähigkeit zum Dialog und zur Einigung sind Prinzipien, die niemals ihre Bedeutung verlieren”.

Juan Carlos, ehemaliger König von Spanien, ist abgetaucht. Foto: Andrea Comas/AP/dpa

Skandale um Altkönig Juan Carlos indirekt angesprochen: Felipe VI spricht von Werten, die für alle gelten

Ob er damit die Erwartungen der Spanier zufrieden gestellt hat, wird sich in den kommenden Tagen und Wochen erweisen. Seit Felipe VI im März auf das Erbe seines Vaters verzichtete, hat er in der Öffentlichkeit mit keinem Wort mehr Bezug auf Altkönig Juan Carlos genommen. Entsprechend wählte Felipe VI seine Worte mit Bedacht. “Schon im Jahr 2014 bei meiner Ernennung vor dem Parlament bezog ich mich auf moralische und ethische Prinzipien, die Bürger von uns und unseren Handlungen erwarten. Das sind Prinzipien, denen wir alle verpflichtet sind und die über allen anderen Umständen stehen, sogar den personellen und familiären.”, sagte Felipe VI in seiner Ansprache. Das Königshaus und seine Regentschaft müsse integer, ehrlich und transparent und “von einem Geist der Erneuerung” geprägt sein.

Der König nahm weder das Wort “Justiz” in den Mund, mit er eingestanden hätte, dass sein Juan Carlos mit rechtlichen Konsequenzen rechnen muss, bevor überhaupt der Generalstaatsanwalt des Obersten Gerichtshofs Anklage auf Grundlage der drei laufenden Ermittlungsverfahren erhoben hätte. Gleichzeitig nimmt er mit dem Verweis auf moralische und ethische Prinzipien seinen Vater aber auch nicht aus der Verantwortung, da dieser das Finanzamt um eine nachträgliche Regulierung eines Vermögens von 700.000 Euro ersuchte, was nicht anderes als das Eingeständnis einer Steuerhinterziehung ist.

Kritik und Lob für seine Ansprache ließen nicht lange auf sich warten. Unidas Podemos vermisste eine explizite Verurteilung der Steuerdelikte seines Vaters. “Er hätte erklären können, warum er mindestens seit März 2019 die dunklen Geschäfte seines Vaters deckte und erst im März 2020 eingestand, als Spanien wegen der Ausgangssperre unter Schock stand und erst nachdem der “Telegraph” es veröffentlichte”, meinte Podemos-Parlamentssprecher Pablo Echenique. Die katalanischen Linksrepublikaner der ERC machten sich über den Monarchen lustig. “Kam die Ansprache des Königs an?”, fragte Gabriel Rufían ironisch in Twitter und stellte drei Daumen nach unten dazu. Der ehemalige katalanische Ministerpräsident Quim Torra will zwischen Monarchie und Republik können. “Die Skandale seines Vaters sind seine Skandale. Spanische Monarchie oder katalanische Republik!”, meinte er. Die baskischen Nationalisten von PNV und Bildu vermissten ebenfalls eine klare Verurteilung von Altkönig Juan Carlos.

Kritik kam also von links, Lob gab es von rechts. “Es war ein tadelloser Diskurs, in dem der König seine Verbundenheit mit den Spaniern zum Ausdruck brachte, die es am schwersten in der Krise haben”, meinte PP-Sprecher Pablo Casado. “In dem schwierigsten Jahr teile ich die Worte des Königs, dass Spanien mit Anstrengung, Einheit und Solidarität durchkommt, mit allen und für alle,” meinte Ciudadanos-Sprecherin Inés Arrimadas. Vox-Sprecher Santiago Abascal unterstrich die patriotischen Töne des Königs. “Wir sind kein Volk, das aufgibt oder in schweren Zeiten resigniert. Es wird sicherlich nicht leicht sein, diese Situation zu überwinden und jeder Haushalt weiß das nur zu gut. Aber ich bin sicher, dass Spanien das schafft.”

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare