Spaniens Weg aus der Coronavirus-Krise

Phasenweise in die Freiheit: Regierungschef Sánchez will Spanien mit Stufenplan bis Ende Juni in „neue Normalität“ führen

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Pedro Sánchez erklärt im spanischen Fernsehen die vier Phasen der Deeskalation.
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„Schrittweise, asymmetrisch und zeitlich versetzt“ werde der Übergang aus dem Alarmzustand sein, so Pedro Sánchez, der daran erinnerte, dass „das Virus nicht verschwunden“ ist. So wird auch mit Erreichen der letzten, der Phase 3, nichts in Spanien so sein wie zuvor. Welche Details schon bekannt sind.

  • Ab 4. Mai startet in Spanien Rückkehr in die "neue Normalität".
  • Fortschritte werden in vier Phasen kontrolliert.
  • Keine Reisen in andere Provinzen oder Ferienwohnungen vor Ende Juni.

Madrid - Am Dienstagnachmittag trat Spaniens Regierungschef - sechs Stunden später als geplant - vor die TV-Kameras um seinen Deeskalationsplan aus dem Alarmzustand zu präsentieren. Die Verzögerung verweist auf eine intensive, mitunter kontroverse Sitzung des Ministerrates. „Schrittweise, asymetrisch und zeitlich versetzt“ werde der Übergang sein, so Sánchez, der während seines Auftritts nicht aufhörte zu betonen, dass „das Virus nicht verschwunden“ ist und jede Lockerungsmaßnahme sich zu jeder Zeit am aktuellen Stand der Epidemie und der Fähigkeit des Gesundheitswesens darauf zu reagieren messen lassen muss. Daher wird Sánchez auch noch mindestens zwei weitere Male, möglicherweise sogar vier weitere Male den Alarmzustand durch das Parlament verlängern lassen.

Verbesserungen im 2-Wochen-Takt

In vier Phasen 0-3 soll ab 4. Mai bis Ende Juni in 14-tägigen Schritten die "neue Normalität" erreicht werden. Genaue Daten für die Öffnung von Einrichtungen wird, kann es nicht geben, weil jede Provinz oder Insel - unter Oberaufsicht der Zentralregierung - ihren eigenen Rhyhthmus gehen muss. Sánchez erklärte, dass es denkbar ist, dass einige Provinzen länger als zwei Wochen in einer der Phasen verbleiben oder sogar zurückgestuft werden müssen, wenn bestimmte Kennzahlen nicht erreicht werden. Läuft alles nach Plan, springt jede Region alle zwei Wochen eine Phase höher und bis Ende Juni sind alle in Phase 3.

Die Erleichterungen für die Kinder seit dem 26. April und der Möglichkeit für alle ab 2. Mai, individuell für Sport oder Spaziergänge das Haus zu verlassen (hier die Details dazu) sind bereits ein Vorgriff auf die Phase 0. Diese gilt, ab 4. Mai, zunächst für alle Regionen, außer die Balerareninsel Formentera und die Kanaren-Inseln La Graciosa, El Hierro und La Gomera, die sofort in die Phase 1 starten dürfen. Ab 11. Mai könnten die ersten Provinzen auf dem Festland in Phase 1 eintreten mit deutlichen Erleichterungen bei der Mobilität - individuell und im Ortsgebiet wohlgemerkt.

Mehr Mobilität und Lebensqualität schon ab Phase 0

Während die genaue Ausarbeitung der einzelnen Phasen noch nicht vorliegt - hier ist auf das Amtsblatt in einigen Tagen zu warten - sind einige Eckdaten schon bekannt. In der Phase 0 - also bereits ab 4. Mai - können zum Beispiel schon Angebote für das Abholen von Außer-Haus-Essen aus normalen Restaurants und Bars, individuelles Training in Fitnessstudios und die Eröffnung von Friseuren und ähnlichem genehmigt werden. In Phase 1 könnten Lokale öffnen mit entsprechenden exklusiven Öffnungszeiten für besonders gefährdete Gruppen wie alte Menschen und natürlich mit Vorkehrungen hinsichtlich Hygiene und Abstand.

Auch wenn vor September die Pflichtschulen und Unis nicht öffnen werden, können ab Phase 2 einige Bildungseinrichtungen, zum Beispiel der Erwachsenenbildung oder für die Abnahme der Abiturprüfung öffnen. In dieser Phase seien auch wieder Kulturveranstaltungen bis 400 Personen - mit gebührendem Sicherheitsabstand - denkbar, Kinos könnten wieder öffnen und praktisch alle Geschäfte. Restaurants dürften dann bis zu einem Drittel ihrer Kapazität öffnen.

Phase 3: Keine Reisen vor Ende Juni

Phase 3 schließlich beinhaltet dann auch die Öffnung von Stränden und Bars - auch hier immer mit entsprechenden Auflagen. Vor Phase 3 werden auch keine Reisen in Nachbarprovinzen, weder zu privaten Besuchen, noch zu Ferienwohnungen möglich sein. Und bis Phase 3 soll auch das Home-Office, soweit möglich, Standard bleiben.

Die Minister und fast einhundert Experten haben über Wochen den Plan ausgearbeitet, der alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens unter dem Gesichtspunkt der Vorsicht abklopft. "Wenn wir zwischen Vorsicht und Risiko entscheiden mussten, stimmten wir immer für die Vorsicht", so Sánchez. Das sei auch der Grund, warum man keine konkreten Daten nennen könne, noch wolle.

Der Regierung und ihrem Chef steht ein Riesenberg von Arbeit bevor, denn das Monitoring der Phasen in den 50 spanischen Provinzen soll täglich unter Leitung von Sánchez vorgenommen werden. Dass er sich für Provinzen statt Autonome Regionen entschieden hat, macht die Handhabung flexibler, zieht aber auch gleich all jenen eigensinnigen Ministerpräsidenten den Zahn, die dachten, sie könnten die Rückkehr ins normale Leben auf eigene Faust steuern.

Was nach Sánchez Auftritt auch klar wurde: Mit Erreichen der letzten, der bis dato Phase 3 sind wir in einer "neuen Normalität", aber nicht in unserem alten Leben.

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