Ein Tönnies-Werks mit Tier-Werbeschildern auf dem Dach.
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Fleischproduzent Tönnies expandiert nach Spanien. In Teruel ist ein großer Schweine-Schlachthof geplant.

Fleischbetrieb für Massenproduktion

Tönnies in Spanien: Nach Fleisch-Skandal in Deutschland gibt es jetzt ein Schlachthof in Teruel

  • vonJudith Finsterbusch
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Tönnies, Deutschlands größter Schweinefleisch-Produzent, will einen Großbetrieb in Spanien aufziehen. In Teruel sollen 625 Schweine pro Stunde geschlachtet werden.

Calamocha – Teruel steht für Schinken. Die spanische Provinz in der Region Aragón ist berühmt für ihren Jamón de Teruel mit eigenem, geschützten Herkunftssiegel. Wer sich über die Autobahn der Provinz im Nordosten Spaniens nähert, wird mit riesigen Schinken-Skulpturen begrüßt. Bald könnten sich Schweine-Schnitzel dazugesellen: Der deutsche Fleischfabrikant Tönnies will sich mit einem Schlachthof hier niederlassen.

Tönnies Holding
Mitarbeiterzahl9007 (Stand 2018)
Umsatz7,5 Milliarden Euro (2019)
ZentraleRheda-Wiedenbrück
RechtsformApS & Co. KG
EigentümerClemens Tönnies

Tönnies baut Schweine-Schlachthof in Spanien: Werk soll 2024 Betrieb aufnehmen

Spanischen Medienberichten zufolge plant das Unternehmen Tönnies den Bau einer Fleischfabrik in der Gemeinde Calamocha. Dort sollen 1.000 Arbeitsplätze entstehen, hat das Umweltinstitut von Aragón, Inaga, bekannt gegeben. Der Schweine-Schlachtbetrieb soll demnach einer der größten Arbeitgeber der Provinz Teruel werden. Baubeginn für die Fabrik  soll noch in diesem Jahr sein, die Fertigstellung des Werks in Spanien ist für 2024 geplant.

Tönnies steht für Massenproduktion, das Unternehmen mit Zentrale in Rheda-Wiedenbrück ist Deutschlands größter Schlachtbetrieb für Schweine. Zuletzt hatte der Fleischfabrikant wegen vermehrter Coronavirus-Fälle unter den Angestellten im Kreis Gütersloh für Aufsehen gesorgt. Der Massenausbruch mündete schließlich in einem Skandal über Billigfleisch, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und die Ausbeutung meist osteuropäischer Zeitarbeiter. Auch in Spanien ist das Coronavirus vermehrt ein Thema in Fleischbetrieben, etwa in Rafelbunyol in Valencia oder eben auch in Aragón. In Murcia trifft es unterdessen die landwirtschaftlichen Betriebe, wo Saisonarbeiter unter schlechten hygienischen Bedingungen und mit enormem Zeitdruck den Rest Europas mit Gemüse versorgen.

Tönnies will in Spanien 2,4 Millionen Schweine pro Jahr schlachten

Im Industriegebiet von Calamocha plant Tönnies nun einen riesigen, modernen Schlachthof mit automatisiertem, teilweise von Robotern unterstütztem Betrieb. 625 Schweine sollen in der Fabrik in Spanien laut der Zeitung „Heraldo“ künftig pro Stunde geschlachtet werden, 10.000 Tiere am Tag, 2,4 Millionen im Jahr. In einem Stall sollen sich bis zu 1.000 Schweine nach dem Lkw-Transport  und vor der Schlachtung erholen, neben dem Schlachtbetrieb ist auch eine Abteilung zur Verarbeitung von Schweinefleischprodukten geplant.

Verkauft werden sollen die in Calamocha produzierten frischen Tönnies-Produkte künftig in ganz Spanien und in anderen EU-Ländern. Tiefkühlware aus dem Schlachthof ist für den asiatischen und weltweiten Markt geplant. Tönnies-Fleisch steckt oft auch in Produkten, die in Supermärkten wie Lidl oder Aldi verkauft werden*, berichtet wa.de*.

Tönnies-Schlachthof in Spanien: Bürgermeister begrüßt Schweinefleisch-Fabrik

Bei dem 300.000 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem Tönnies seine Fleischfabrik plant, handelt es sich um einen früheren Flugplatz. Calamochas Bürgermeister Manuel Rando betonte gegenüber Heraldo, dass „noch nicht alles unterschrieben“ sei. Er sprach aber auch davon, dass der Tönnies-Schlachthof ein großer wirtschaftlicher Gewinn für Calamocha und Umgebung wäre.  „Zu den 1.000 direkten Arbeitsplätzen würden noch viele indirekte dazukommen. Unser Rathaus arbeitet seit fünf Jahren daran, dass sich Tönnies hier niederlässt“, so Rando. Seine Gemeinde zählt gerade einmal 4.000 Einwohner.  Die deutsche Tönnies-Gruppe betreibt bereits einen Schlachthof in Spanien: in der Gemeinde La Mata de los Olmos, ebenfalls in Teruel. *costanachrichten.com und wa.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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