Verzeihen ja, vergessen nein

0
61
Die franquistische (r.) und die konstitutionelle Flagge spiegeln die beiden Spanien wider. Foto: dpa

Madrid – ck. Sondersendungen, Liveübertragung, Direktschaltungen und 500 Journalisten aus 18 Ländern vor den Toren im Valle de los Caídos verwandelten die Umbettung Francisco Francos in ein Medienereignis. Es war alles andere als der von der stellvertretenden Regierungschefin Carmen Calvo versprochene „diskrete Akt“. Das brachte dem sozialistischen Regierungschef Pedro Sánchez den Vorwurf ein, das Thema schamlos für den Wahlkampf auszunutzen. Aber es zeigt auch, welchen Stellenwert der Diktator in Spanien noch genießt. Nicht nur die Wahlerfolge der rechtspopulistischen Partei Vox, auch das völlig ungehemmte Äußern ultrarechter Ansichten auf der Straße und in öffentlichen Medien gehören dazu.
Die sieben Enkel und 15 Urenkel Francos genießen ihr Erbe, als sei alles mit rechten Dingen zugegangen. Keine Enteignung, keine Wiedergutmachung, keinerlei Unrechtsbewusstsein. Ganz im Gegenteil. Mit der franquistischen Flagge kam der älteste Enkel an. Ein offenes Zurückweisen der Spanischen Verfassung, der Transition, der Demokratie. Schließlich wurde der Sarg mit einer Fahne mit Familienwappen und einem Lorbeerkranz bedeckt. Auf den Schultern trug die Familie den Sarg feierlich über den Hof. Vor den Türen wurde „Viva Franco“ und „Viva España“ gerufen. „Exotisch“ nannte die ausländische Presse das, was da ablief.

Mehr in der Printausgabe

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.