Spaniens Gesundheitsminister Illa macht bei einer Pressekonferenz eine ratlose Geste.
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Es ist wie ein Sack Flöhe hüten: Spaniens Gesundheitsminister versucht die 17 Regionen bei den Regeln für Weihnachten auf eine Linie zu bringen.

Covid-Weihnacht in Spanien

Was darf man in Spanien zu Weihnachten: Feilschen um Corona-Regeln + Updates

  • vonMarco Schicker
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Spanien will Weihnachten feiern, aber einen erneuten Coronavirus-Rückfall vermeiden. Die Quadratur des Kreises ist dagegen ein Kinderspiel. Einheitliche Regeln sollen regionalem Chaos vorbeugen, vor allem die Reiseplanung wird zum Albtraum. Einig ist sich Spanien in einem Wunsch: Die Heiligen Drei Könige mögen die Covid-Impfung bringen. Dazu braucht es aber wirklich ein Weihnachtswunder.

Update, 10. Dezember: Die aktuellen Entwicklungen und Daten zum Coronavirus in Spanien sowie Infos zu den Regeln zu Weihnachten in Spanien in unserem neuen Ticker-Artikel: Spanien als Covid-Trendsetter Europas - Warten auf den Silvesterkater

Coronavirus aktuell: Spanien EU-Spitze - Murcia öffnet sich, Valencia fällt negativ auf - Gesunder Menschenverstand zu Weihnachten?

Update, 8. Dezember, 9.34 Uhr: Spanien ist auf einem vergleichsweise guten Weg aus der "zweiten Welle" und verzeichnet am Dienstag eine Inzidenz von 215 Fällen pro 100.000 Einwohnern binnen 14 Tagen, der niedrigste Wert in der gesamten EU. Damit setzt sich der Abwärtstrend bei den Neuansteckungen seit 9. November fort, seit die Maßnahmen wieder landesweit koordiniert wurden als man in einigen Regionen Werte von über 1.000 registrieren musste. (Weitere aktuelle Daten weiter unten)

Es fällt auch auf, dass die Zahlen dort am stärksten sinken (Andalusien, Murcia, Navarra, Castilla Y León) wo die striktesten Maßnahmen ergriffen wurden. Übersetzt: Das Virus ist berechenbar, seine Auswirkung durch die Regeln einschränkbar.

Murcia hebt ab 9. Dezember sogar die Quarantäne auf Gemeindeebene auf, nachdem man zuvor bereits die Gastronomie wieder teilgeöffnet hatte. Die Region Valencia mit der Costa Blanca sticht negativ hervor, dort wurden mit 13 Prozent ein doppelt so hoher Anteil an positiven Tests ermittelt wie im Landesschnitt. Es ist noch nicht klar, ob das ein Nachzügler-Effekt ist oder bereits eine neue Welle. Wie im ganzen Land, freut man sich auch im besonders heftig getroffenen Andalusien besonders über die allmähliche Entspannung in Krankenhäusern und auf Intensivstationen.

Damit eine solche dritte Welle, die nach Expertenmeinung die beiden vorangegangenen in punkto Tödlichkeit nochmals übertreffen könnte, zumindest eingedämmt wird, plant Spanien recht weitreichende Beschränkungen zu den Weihnachtsfeiertagen, allerdings mit einigen Unbekannten wie der Erlaubnis der Reise zu "Familie und Angehörigen" über Regionengrenzen hinweg zwischen 23. und 7. Januar. Wer bestimmt, was ein "Angehöriger" ist und wie das kontrolliert werden soll, bleibt weitgehend unklar. Die Regierung antwortet derzeit auf dahingegehende Fragen mit dem Verweis auf den Gemeinsinn und gesunden Menschenverstand - nicht immer die sichersten Leuchttürme, wie die Vergangenheit zeigte.

Aktuelle Daten Coronavirus Spanien, 7. Dezember (Vergleichswerte 2. Dezember, 23. November)

Die aktuellen Coronavirus-Daten für Spanien 7. Dezember (in Klammern jeweils die Vergleichswerte vom 2. Dezember und 23. November): Inzidenz pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen: Andalusien 204 (271, 451), Balearen 222 (198, 212), Kanarische Inseln 71 (80, 74), Castilla y León 264 (358, 676), Madrid 222 (226, 270), Murcia 172 (222, 460), Valencia 210 (243, 265).

In ganz Spanien betrug die Inzidenz am 7. Dezember 215 gegenüber 252 am 2. Dezember und 374 am 23. November. Zum Vergleich: In Deutschland betrug sie am 7. Dezember 306 (303, 290), Frankreich 227 (289, 496), Niederlande 411 (407, 391), Polen 555 (650, 782), Italien 530 (634, 743), Großbritannien 317 (349, 448).

Der Anteil der positiven an allen Tests betrug in Spanien am 7. Dezember 7,7 Prozent gegenüber 8,7 Prozent am 1. Dezember und 11,1 Prozent am 23. November. Aus der Reihe schlägt hier die Comunidad Valenciana, die mit 13,6 Prozent positiver Testungen fast doppelt so hoch liegt wieder Landesschnitt.

Die Covid-bedingten Todesfälle in Spanien beliefen sich binnen sieben Tagen per 7. Dezember auf 759, in der Vorwoche waren es 1.051. In absoluten Zahlen führt Andalusien die Todesliste mit 143 binnen 7 Tagen per 7. Dezember an (zuvor 210, 188), Murcia verzeichnet 17 (22, 46), Valencia 67 (106, 85).

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Update, 5. Dezember: Welche Regeln in Spanien zu Weihnachten gelten - Costa Nachrichten versucht, Ordnung ins amtliche Durcheinander zu bringen.

Weihnachten in Spanien in "Familie" und weitere Regeln

Update, 3. Dezember: Spanien konnte per 2. Dezember die 14-Tage-Inzidenz binnen eines Monats auf 251 Fälle pro 100.000 Einwohner halbieren. Doch am 2. Dezember mussten ebenfalls wieder über 400 Covid-Tote an einem Tag gemeldet werden, 9.200 waren es im November, dem tödlichsten Corona-Monat seit April.

Unter dieser Prämisse vereinbarten die Regionen am Mittwoch, 2. Dezember, Richtlinien für die Weihnachtszeit, die ein familiäres Fest ermöglichen sollen, ohne die Vorsicht schleifen zu lassen. Die Regionen stimmten dem zu, außer Katalonien und Madrid. Ohnehin gilt letztlich, was die Regionen beschließen, von der nächtlichen Ausgangssperre abgesehen.

Neben der Begrenzung der Kontakte bei privaten Treffen auf maximal zehn Personen aus höchstens zwei Haushalten (vorher sechs) und einer Sperrstunde ab 1.30 Uhr am 25., 26. Dezember sowie 1. Januar, soll es eine wesentliche Lockerung geben: Die Einreise in Regionen und Gemeinden, die eigentlich geschlossen sind, soll zum Zwecke der Familienzusammenführung zwischen dem 23. Dezember und 6. Januar möglich sein. Nicht möglich sei indes, dass Gruppen von Freunden Pläne schmieden, um über die Feiertage zu verreisen oder sich die Madrilenen wieder in Legionsstärke in ihre Zweitwohnungen an der Küste begeben.

Der Teufel steckt hier wieder einmal im Detail: Wie definiert man heutzutage den Familienbegriff, was ist, wenn jemand Weihnachten nicht mit den Eltern, sondern einem Lebensgefährten oder familiären Freund verbringen will. Minister Illa sagte am Mittwoch: „Wir alle wissen, wer mit Familie und Angehörigen gemeint ist“, doch wie will er das kontrollieren? Madrid verlangt für die Weihnachtstage komplette Reisefreiheit und scherte aus dem Kompromiss der Regionen bereits aus. Nach zwei tödlichen Wellen sollten die Menschen ein Gefühl dafür entwickelt haben, wie das Virus reagiert und was eine dritte Welle im Januar für neuerliche Einschränkungen bedeuten würde.

Coroonavirus-Daten Spanien, 2. Dezember: Spanien steht momentan besser da als Großteil Europas

Die aktuellen Coronavirus-Daten für Spanien per 2. Dezember bedeuten (Vergleichswert vom 23. November): eine Inzidenz pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen: Andalusien 271 (451), Balearen 198 (212), Kanarische Inseln 80 (74), Castilla y León 358 (676), Madrid 226 (270), Murcia 222 (460), Valencia 243 (265). In ganz Spanien betrug die Inzidenz am 1. Dezember 252 gegenüber 374 am 23. November.

In Deutschland betrug sie am 2. Dezember 303 (290), Frankreich 289 (496), Niederlande 407 (391), Polen 650 (782), Italien 634 (743), Großbritannien 349 (448). In den vergangenen sieben Tagen bis 2. Dezember mussten in Spanien 2.825 Personen neu wegen Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden, in den sieben Tagen zuvor waren es 3.607. Davon neu auf Intensivstationen 247 (270). Die Auslastung der Krankenhausbetten durch Covid-Patienten betrug am 2. Dezember 11 Prozent (14,2), der Intensivstationen 25,7 (29,9%).

Der Anteil der positiven an allen Tests betrug in Spanien Anfang Dezember 8,7 Prozent gegenüber 11,1 vor einer Woche und 12,1 Prozent vor zwei Wochen. Die Covid-bedingten Todesfälle in Spanien beliefen sich binnen sieben Tagen per 2. Dezember auf 1051, fast unverändert zur Vorwoche. Davon entfielen auf Andalusien 210 (188), Murcia 22 (46), Valencia 106 (85), Madrid 26 (48) und Aragón 99 (142).

November: Tödlichster Covid-Monat in Spanien seit April

Update, 1. Dezember, 9:10 Uhr: Das spanische Gesundheitsministerium hat für November 9.200 Covid-19-bedingte Todesfälle in Spanien registriert, der November war damit seit April der tödlichste Monat der Pandemie. In der "zweiten Welle" starben damit nach offiziellen Angaben bereits über 15.200 Menschen wegen Covid-19. Die statistische Übersterblichkeit für November beträgt knapp 9.000, für das Jahr 2020 fast 70.000 Tote, 45.069 werden vom Gesundheitsministerium per 30. November Covid-19 zugeordnet. Die Differenz davon deckt sich ziemlich genau mit den zusätzlichen Todesfällen in Altersheimen und anderen Betreuungseinrichtungen.

Spanien hat jetzt geringere Coronavirus-Fallzahlen als Deutschland

Die Fallzahlen (Inzidenz) sinken in Spanien kontinuierlich und landesweit weiter, das Land steht - hinsichtlich der Zahl der neuen Infektionen - deutlich besser da als die meisten anderen EU-Staaten (siehe Werte in der Liste unten). Das bedeutet, dass die rigorose Einschränkung der Mobilität und der Sozialkontakte im Freizeitsektor sowie die sonstigen Hygieneregeln einschließlich der umfassenden Maskenpflicht, Ergebnisse bringen. Und das nicht nur hinsichtlich des Coronavirus, sondern auch anderer Infektionskrankheiten, die über Kontakt und den Luftweg verbreitet werden wie grippale Infekte, die saisonale Grippe (deren Saison allerdings laut Medizinern noch nicht begonnen hat) und andere Erkältungskrankheiten.

Aktuelle Coronavirus-Daten Spanien per 30. November (Vergleichswerte vom 23. November)

  • Inzidenz pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen: Spanien 275 (374), Andalusien 315 (451), Balearen 202 (212), Kanarische Inseln 77 (74), Castilla y León 431 (676), Madrid 236 (270), Murcia 254 (460), Valencia 234 (265).
  • 14-Tage-Inzidenz im europäischen Vergleich: Spanien 275 (374), Frankreich 353 (496), Deutschland 304 (290), Niederlande 441 (391), Polen 774 (782), Italien 673 (743), Großbritannien 372 (448).
  • In den vergangenen sieben Tagen bis 30.11. neu wegen Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden in Spanien 2.668 Personen, in den sieben Tagen zuvor bis 23.11. waren es 3.607. Davon neu auf Intensivstationen 236 (270). Auslastung der Krankenhausbetten durch Covid-Patienten: 11,8% (14,2%). Intensivstationen: 26,7 (29,9%).
  • Anteil der positiven an allen Tests: 9,3 Prozent gegenüber 11,1 vor einer Woche und 12,1% vor zwei Wochen.
  • Covid-bedingte Todesfälle in Spanien binnen 7 Tagen per 30. November: 943, Vorwoche: 1.067. Davon: Andalusien 170 (188), Murcia 28 (46), Valencia 81 (85), Madrid 20 (48), Aragón 113 (142).
  • Weitere Informationen zur Coronavirus-Situation an der Costa Blanca (Region Valencia), in Andalusien (Costa del Sol) sowie in Murcia (Costa Cálida).,jeweils mit aktualisierten Informationen zu den dortigen Restriktionen.

Eine wirkliche Entwarnung kann es angesichts einer 14-Tage-Inzidenz von 275 Fällen pro 100.000 Einwohnern noch nicht geben, der Wert müsste für längere Zeit deutlich unter 100 bleiben, um von "kontrolliert" sprechen zu können, wie Fernando Simón, Leiter des Sanitären Krisenstabes der spanischen Regierung nicht müde wird zu sagen, auch wenn es immer müder klingt.

Mitte dieser Woche wollen sich die 17 spanischen Regionen auf einen einheitlichen Rahmen für die Weihnachts- und Neujahrszeit einigen. Mehr dazu siehe unten in der Erstmeldung.

Die Landespräsidentin von Madrid, Isabel Díaz Ayuso, PP, weiht am heutigen Dienstag das „Hospital Enfermera Isabel Zendal“ ein, das speziell als Pandemie-Krankenhaus gedacht ist. Das Projekt gilt als fachlich verfehltes Populismus-Projekt.

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Erstmeldung, 27. November, Madrid - „Es wird keine 17 verschiedene Weihnachten in Spanien geben“, versprach der spanische Gesundheitsminister Salvador Illa am Donnerstag im Parlament in Madrid. Doch genau danach sieht es aus. Denn kaum hatte die Regierung am vergangenen Dienstag den 17 Autonomen Gemeinschaften ihre Vorschläge für einheitliche Regeln zum Weihnachtsfest im Coronavirus-Jahr vorgelegt, wurden sie zerpflückt und begann das große Feilschen.

Weihnachten in Spanien: Das große Feilschen um die Regeln

Einige spanische Regionen wollen mehr Freiheiten, andere warnen vor einem Jo-Jo-Effekt wie im relativ Regel-armen Sommer, der zu den massiven Einschränkungen und mindestens 10.000 weiteren Covid-Toten und wieder überfüllten Intensivstationen in der "zweiten Welle" führte. Und die ist noch nicht vorbei. Was ist stärker, die Angst vor einer dritten Covid-Welle oder die Sehnsucht nach der Familie im Rahmen einer vorgetäuschten Normalität. Also letztlich: Die Vernunft oder der Populismus?

Es ist erst wenige Tage her, dass mehrere spanische Regionen eine 14-Tage-Inzidenz von über 1.000 vermeldeten. Täglich sterben noch immer hunderte Menschen wegen Covid und sind Intensivstationen am Anschlag. Die Verbesserung der Werte und den spürbaren Rückgang der neuen Coronavirus-Fälle hat sich Spanien zu hart erarbeitet, um sie jetzt erneut auf´s Spiel zu setzen:

Quo vadis Navidad? Die Reiseplanung zwischen Deutschland und Spanien für Weihnachten ist 2020 nichts weniger als ein Albtraum.

Aktuelle Coronaviurs-Daten Spanien vom 26. November (Vergleichswert vom 19. November)

  • Inzidenz pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen: Spanien 325 (436), Andalusien 385 (520), Balearen 203 (234), Kanarische Inseln 77,6 (82,6), Castilla y León 559 (795), Madrid 252 (297) (Zahlen unter Vorbehalt), Murcia 343 (600), Valencia 276 (300).
  • In den vergangenen sieben Tagen bis 26.11. neu wegen Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden in Spanien 3.453 Personen, in den sieben Tagen zuvor bis 19.11. waren es 4.243. Davon neu auf Intensivstationen 299 (340). Auslastung der Krankenhausbetten durch Covid-Patienten: 12,3% (15,2%). Intensivstationen: 28,6 (31,6%).
  • Anteil der positiven an allen Tests: 9,4 Prozent gegenüber 10,6 vor einer Woche und 12,1% vor zwei Wochen.
  • Covid-bedingte Todesfälle in Spanien binnen 7 Tagen per 26. November: 1.220, Vorwoche: 1.313. Davon: Andalusien 203 (227), Murcia 48 (45), Valencia 112 (106), Madrid 75 (96), Aragón 120 (180).

Regeln zu Weihnachten in Spanien: Familientreffen, Zapfenstreich, Mobilität

Bis 3. Dezember soll sich die ständige Konferenz der Regionen auf einen Feierplan einigen, der dann in einem einheitlichen Plan für Weihnachten münden soll. Scheren aber einzelne Regionen trotzdem wieder aus, kann die Zentralregierung kaum etwas dagegen unternehmen. Derzeit ist nur die landesweite nächtliche Ausgangssperre in Spanien durch den zentralen Notstand, der noch bis Mai gilt, juristisch gedeckt. Die Anzahl der zugelassenen Personen bei Familientreffen, die Mobilität innerhalb der Orte einer Region oder die Öffnung oder Schließung derselben, die Öffnung von Gastronomie und Geschäften, die Zulassung oder das Verbot von Weihnachtsmärkten und Drei-Königs-Umzügen bleibt Ländersache.

Nicht mehr als sechs Personen sollen sich zum Weihnachtsessen treffen dürfen und um 1 Uhr sollen in der Heiligen Nacht und in der Silvesternacht Zapfenstreich sein, so die Regierung. Die Region Madrid preschte als erstes vor und will hingegen bis zehn Personen aus zwei verschiedenen Haushalten zulassen, die Sperrstunde soll zudem erst eine halbe Stunde später beginnen. Katalonien und Murcia schlossen sich dieser Forderung an. Andere wollen Kinder bis zehn Jahre dabei nicht mitzählen. Weihnachten ist ein Fest der Familie und die ist in Spanien mitunter sehr, sehr groß und wohnt verstreut über das ganze Land und halb Europa.

Angst vor Rückfall: Warnung vor wieder zu viel Fiesta in Spanien

Andere Regionen, wie Castilla La Mancha oder Andalusien warnen hingegen, dass man die Fehler aus dem Sommer nicht wiederholen solle, als man der Wirtschaft den Vorzug vor der Bekämpfung des Virus gegeben und die Maßnahmen zu schnell gelockert habe. Der andalusische Regionalpräsident Juanma Moreno, als PP-Mann eigentlich ein Verbündeter der Laissez-faire-Präsidentin von Madrid, Isabel Díaz Ayuso, warnt vor der „enormen Ansteckungsgefahr zu Weihnachten. Im Sommer wurde zu viel Fiesta gemacht, und das ist uns teuer zu stehen gekommen“.

Getrennte Familien: Quarantänen, Pflichttests und geringes Flugangebot verhindern normales Weihnachten

Die zentrale Frage für Spaniens Weihnachten ist aber jene der Mobilität zwischen den Regionen. Genehmigt man diese nicht, könnten Söhne und Töchter, die oft außerhalb ihrer Heimatorte studieren oder arbeiten, nicht zu ihren Eltern oder Großeltern. Es sei denn, sie sind noch dort gemeldet, erfinden einen "dringenden Grund" oder versuchen sich illegal durchzuschlagen, wissend, dass es unmöglich ist auf allen Straßen und Buslinien die in Spanien geltenden Reiseregeln zu kontrollieren. Die Regionen wie die Zentralregierung stehen vor einem Dilemma: Weihnachten "verbieten" würde die Moral im Lande weiter drücken, die Reisetätigkeit aber zuzulassen, würde das Gesundheitswesen, das sich seit März nicht erholen konnte, bald wieder kollabieren lassen.

Für Flugreisende von und nach Spanien kommt noch ein anderes Problem hinzu: Pflichtquarantäne, Testpflicht und andere Regeln für Reisen von und nach Spanien und das derzeit auf ein Minimum geschrumpfte Angebot der Fluglinien, machen die Planung von Familienbesuchen nicht nur zu einem Albtraum, der auch ins Geld geht, sondern eigentlich unmöglich. Das betrifft ausländische Residenten, die Weihnachten in die alte oder neue Heimat wollen, aber, vielleicht noch härter, junge Spanier, die sich aufgrund der Dauerkrise in ihrem Land im Ausland verdingen mussten und nun nicht einmal die Weihnachtszeit bei ihrer Familie verbringen können.

Covid-19 Impfung in Spanien: Zwischen Kaffeesatzleserei und Hoffen auf ein Weihnachtswunder

Noch ungewisser als einheitliche Regeln zu Weihnachten sind die Aussichten auf die Covid-Impfung. Spaniens Regierung hat sich sehr weit aus dem Fenster gelehnt, indem sie ankündigte, im Januar 2021 mit den Impfungen der ersten vier von insgesamt 18 nach Gefährdung und Bedarf eingeteilten Impfgruppen beginnen zu wollen. 5 Prozent der Bevölkerung: Alte, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderung und vor allem die Mitarbeiter des Gesundheitswesens sollen die ersten sein. Die Verabreichung der Impfung soll an 13.000 Stellen stattfinden, wobei die Gesundheitszentren (centros de sanidad) als zentrale Anlaufstellen für Coronavirus-Tests und den normalen Betrieb bereits völlig überlastet sind.

Doch das Hauptproblem: Es gibt bis heute noch keinen zugelassenen Impfstoff und keinerlei Sicherheit, dass - sollte einer der drei derzeit gehandelten Kandidaten zugelassen werden - genügend Impfdosen in Spanien im Januar zur Verfügung stehen. Im Gegenteil, derzeit häufen sich Meldungen über Rückschläge in der Endphase der klinischen Tests und Zweifel sowohl an der Wirksamkeit wie an der Sicherheit der Vakzine sowie an der Kapazität, ausreichend Impfdosen in wenigen Wochen für alle EU-Länder proportional zur Verfügung zu stellen, wie das die Vereinbarung der Mitgliedsstaaten vorsieht.

Am 5. und 6. Januar kommen die Heiligen Drei Könige nach Spanien, Höhepunkt und Abschluss des hiesigen Weihnachtsfestes. Anstelle der umjubelten und dicht gedrängten Paraden der Vorjahre, auf denen es Süßigkeiten regnete, um die sich Kinder (und auch Eltern) balgten, werden die Weisen aus dem Morgenland virtuell oder statisch vorgeführt. Salvador Illa, Spaniens Gesundheitsminister, wird nur einen Wunsch an sie haben: Einen Imfpstoff. Ohne ein Weihnachtswunder, wird er seinen Plan kaum umsetzen können.

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