Welt in der Pandemie

Alicante erforscht Fußball-Phänomen: Kaum Heimsiege - 2021 mehr Corona-Folgen?

  • vonStefan Wieczorek
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Im Fußball unter Corona ist der Heimvorteil verflogen. Faktoren für das Phänomen nennt eine Studie aus Alicante. Doch 2021 deuten sich schwerere Folgen für König Fußball an.

Alicante – „Bleiben Sie zu Hause.“ Im Fußball war das Motto des Coronavirus-Jahres nicht unbedingt ein guter Tipp. Denn seitdem das runde Leder in der Pandemie rollt, ist der Zauber des eigenen Hauses - also des Heimstadions - ein Stück weit verflogen. Die Zahl der Heimsiege scheint deutlich abgenommen zu haben. Ein Phänomen, das bisher nicht eindeutig erklärt wurde. Eine Studie aus Spanien fand in Schiedrichtern einen zentralen Faktor. Carlos Cueva, Wirtschaftsforscher der Uni Alicante, untersuchte die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Profisport. Dabei klammerte er jedoch aus, was 2021 für König Fußball noch folgen könnte.

AlicanteStadt in Spanien
Fläche: 201,3 km²
Höhe: 3 m

Alicante erklärt Fußball-Phänomen unter Corona - Faktor Schiedsrichter

In der Studie fand der Wissenschaftler aus Alicante heraus, dass im internationalen Fußball die Heimsieg-Quote unter Corona von 45 auf 41 Prozent fiel. Nicht viel? Doch, meint Carlos Cueva und erklärt: „Vor der Pandemie gewann 45 Prozent der Spiele das jeweilige Team, das zu Hause spielte. Und 29 Prozent das Gäste-Team. Das ergibt eine Differenz von 16 Prozent.“ Der Forscher aus Spanien weiter: „In den leeren Stadien unter Corona gewannen zu 41 Prozent die Heimteams und 33 Prozent die Gäste, was eine Differenz von acht Prozent ergibt.“ Der Heimvorteil fiel von 16 auf acht Prozent - also um die Hälfte. Soweit das Phänomen in Zahlen.

Aber warum? 230.000 Spiele aus 41 Fußball-Ligen in 30 Ländern seit 1993 nahmen Carlos Cueva und sein Assistent Ignacio Más für die Studie, die auf Englisch online abrufbar ist, unter die Lupe. Dabei wurden die Uni-Forscher aus Alicante besonders auf einen Faktor aufmerksam: Die Schiedsrichter. „In der Pandemie gab es erstmals keinen Nachteil für das Gastteam bei Entscheidungen der Referees“, stellt der Wissenschaftler aus Spanien fest. In vollen Hexenkesseln vor Corona-Zeiten pfiffen Unparteiische demnach drei Prozent mehr Fouls gegen die Gäste, gaben ihnen 17 Prozent mehr gelbe und sogar 33 Prozent mehr rote Karten.

Uni Alicante erklärt Fußball-Phänomen, aber nicht alles - Mentale Faktoren fehlen

Je härter die Schiedsrichter-Entscheidungen im Fußball waren, desto höher die Ungleichbehandlung von Heim- und Gästeteams. Doch dann leerten sich die Stadien wegen der Corona-Krise, und siehe da: „Gänzlich verschwunden“ sei die klare Bevorteilung der Teams, die zu Hause spielen. Für Carlos Cueva ist der Faktor Schiedsrichter sogar der entscheidende für das Phänomen der seltener gewordenen Heimsiege in der Pandemie. Zumindest sind sie ein messbarer Wert, der eine klare Sprache spricht. Allerdings kommen sicher viele Faktoren hinzu, die in der Studie aus Spanien nicht berücksichtigt wurden.

Nehmen wir etwa die 2020 im Fußball beobachtete Zunahme an kuriosen Ergebnissen unter Corona. Genannt sei etwa das legendäre 2:8 von Barcelona gegen Bayern - auf neutralem Rasen. Oder Spaniens 6:0 gegen Deutschland - ein Heimspiel in Sevilla übrigens. „Gesundheitsbedenken können das Verhalten der Spieler beeinflusst haben“, gibt lediglich das Fazit der Studie der Uni Alicante Hinweise, dass auch mentale Faktoren der Sportler eine entscheidende Rolle für die auffälligen Resultate auf dem Rasen gespielt haben können.

Ebenfalls sind auch die weitreichenden Folgen der Pandemie auf das gesamte System des Fußballs in der recht knappen Studie ausgeklammert - allem voran die wirtschaftlichen Konsequenzen für die Vereine. Nach Monaten im leeren Stadion Camp Nou bangt in Spanien etwa ein Riese wie der FC Barcelona derzeit ernsthaft um die Club-Existenz. Auch deshalb kam es zum Eklat um Superstar Lionel Messi. Insider vermuten, dass erst das Jahr 2021 die eigentlichen Auswirkungen von Corona auf König Fußball offenlegen wird. Womöglich sind ein Paar Heimsiege weniger dann sogar das kleinere Phänomen.

Rubriklistenbild: © Ángel García

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