„Gibt uns das, was wir brauchen“ – Warum Choupo-Moting wertvoller ist als Lewandowski
Eric Maxim Choupo-Moting ist aktuell nicht zu stoppen. Auch gegen Inter überzeugte der Angreifer beim FC Bayern. Mit seiner Art ist er wertvoller als sein Vorgänger.
München – Wenn man Eric Maxim Choupo-Moting die Tage beim FC Bayern beobachtet, dann hat man das Gefühl, der 33-Jährige schwebt. Auf dem Platz verwandelt der Stürmer die Chancen mit traumwandlerischer Sicherheit in bester Torjägermanier oder trifft – wie jetzt am Dienstag gegen Inter Mailand (2:0) – auf sensationelle Art und Weise. Das zurecht vorhandene Selbstvertrauen ist dem Kameruner deutlich anzumerken.
Auch in der Mixed Zone ist die Leichtigkeit, die ihn aktuell umgibt, zu spüren. Der Choupo-Hype war auch nach dem Mainz-Spiel zu sehen. Als der Angreifer im Anschluss an die Partie die Katakomben der Allianz Arena verließ, um noch kurz bei den alten Kollegen im Bus vorbeizuschauen, waren plötzlich „Choupo“-Rufe zu vernehmen, die eindeutig einem jüngeren Publikum zugeordnet werden konnten. Fast so, als hätte gerade ein Popstar das Stadion verlassen.
Choupo-Superstar! Der Offensivspieler wird allerdings nicht nur von den Fans vergöttert, auch innerhalb der Mannschaft wird er gefeiert. „Wir freuen uns alle für ihn, er ist ein guter Typ für die Mannschaft“, schwärmte Marcel Sabitzer nach dem Inter-Spiel über seinen Teamkollegen. „Wir freuen uns einfach, es ist super ihn so zu sehen und dass er nun die Chance bekommt“, fand auch Hasan Salihamidzic nach dem Inter-Spiel nur lobende Worte: „Er gibt uns aktuell genau das, was wir brauchen.“
Choupo-Moting: Darum ist er für den FC Bayern aktuell wertvoller als Lewandowski
An Beliebtheit hat es für Choupo-Moting in den zwei Jahren beim FC Bayern nie gefehlt. Seine offene Art kam von Beginn an gut an und war vor allem neben dem Platz wichtig. Sportlich aber konnte er seine Wertigkeit selten unter Beweis stellen, hatte er doch mit Robert Lewandowski den zweifachen Weltfußballer vor sich. „Choupo hat seine Qualitäten immer gehabt, er hat vielleicht nicht immer den Rhythmus bekommen, den er braucht“, erklärt Sabitzer.
Nach dem Abgang von Lewy in Richtung Barcelona hatte Choupo-Moting zunächst auch keine einfache Zeit. Aufgrund einer Nierenstein-OP verpasste er große Teile der Vorbereitung und konnte wenig bis gar nicht für sich werben. Zudem kam mit Sadio Mané ein neuer Superstar an die Säbener Straße. In diesem Hype ging Choupo fast wieder unter, der Status des Edelreservisten schien für ihn vorprogrammiert.

Womöglich war die Ergebnis- oder Torkrise der Bayern zur Wiesn-Zeit genau das Richtige für die weitere Karriere des gebürtigen Hamburgers in München. Seit Oktober erzielte Choupo-Moting nämlich in neun Spielen acht Treffer und ließ so die Fragerei nach einem Lewandowski-Nachfolger verstummen. „So wie er es jetzt macht, ist er unser klarer Neuner“, so Sabitzer: „Das hat er sich verdient.“
Choupo-Moting beim FC Bayern: Wichtig wegen zwei Faktoren
Dabei ist Choupo-Moting laut Julian Nagelsmann kein klassischer Stürmer. Aufgrund seiner Technik und seiner körperlichen Präsenz füllt er diese Rolle aber aktuell in Perfektion aus. „Er macht das, was er machen muss – und er schießt Tore“, stellte Brazzo am Dienstag fest. So ist er momentan sogar wertvoller als Lewandowski zu dessen Zeit in München. Aus zwei Gründen.
Choupo-Moting kann im Vergleich zum Polen auch als hängende Spitze, auf der Zehn oder über die Flügel kommen. Natürlich hat er nicht die Fähigkeiten und die Klasse eines Lewandowski, der in jeder Saison um die 30 Tore in der Liga erzielte. Daran hat niemand seine Zweifel, aber Choupo bringt andere Komponenten mit.
So ist der Angreifer deutlich mannschaftsdienlicher als sein Vorgänger und setzt seine Nebenleute nochmal besser in Szene. Frag nach bei Serge Gnabry oder Jamal Musiala. Auffällig war auch der Jubel von Gnabry nach Choupo-Motings Traumtor gegen Inter, auch das sagt viel über die Chemie im Angriff aus. Aufgrund dieser „Social Skills“, die auch dazu beitragen, dass die Stimmung in der Mannschaft stimmt, ist das Gesamtpaket Choupo – aktuell – für die Bayern so wertvoll.
Wie plant der FC Bayern mit Choupo-Moting? Kane im Anflug?
Fraglich, wie der Rekordmeister mit seinem aktuellen Top-Stürmer nun weiter plant. Choupo-Motings Vertrag läuft kommenden Sommer aus. Die Bayern-Bosse wollen sich zu gegebener Zeit mit ihm zusammensetzen. Sprich: Nach der WM stehen erste Sondierungsgespräche an. Aber aufgepasst! Angeblich soll sich Manchester United bereits mit Choupo-Moting beschäftigt haben. Mit seinen 33 Jahren gehört dieser zudem nicht mehr in die Kategorie Jungspund.
Die vergangenen Wochen aber haben gezeigt, dass das Spiel der Bayern einen Neuner braucht. Das haben nun auch Nagelsmann und die Bosse erkannt. Daher setzt man offenbar alles daran, Harry Kane zum FC Bayern zu locken. Bis es aber soweit ist, dürfte an der Isar niemand etwas dagegen haben, wenn „Choupo-Superstar“ weiter so trifft wie aktuell. Ganz im Gegenteil.
Denn wie formulierte es Brazzo am Dienstagabend? „Momentan macht er uns einfach nur unglaublichen Spaß.“ (smk)

