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Sekunden nach bitterem WM-Aus: Müller deutet mit emotionaler Rede Rücktritt an

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Von: Florian Schimak

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Deutschland kämpft bei der WM 2022 gegen Costa Rica um den Einzug ins Achtelfinale. Das DFB-Team steht unter Druck. Die Stimmen zum Spiel.

München/Al-Khor – Deutschland gegen Costa Rica. Bei der WM 2006 war es der Auftakt zum Sommermärchen. Und bei der WM 2022 das bittere Ende. Das DFB-Team brauchte einen Sieg im letzten Gruppenspiel gegen die Mittelamerikaner, um ins Achtelfinale einzuziehen. Dies gelang, aber am Ende verloren die Spanier gegen Japan mit 2:1 (0:1).

Wie fassen für Sie die Stimmen zum Spiel Deutschland gegen Costa Rica auf ARD, MegentaTV und aus der Mixed Zone zusammen.

Thomas Müller (DFB-Team) nach dem Spiel bei der ARD über ...

... seine Zukunft: „Es ist eine absolute Katastrophe. Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Falls es das letzte Spiel für Deutschland für mich war, möchte ich noch einmal ein paar Worte an die deutschen Fans richten. Es war ein enormer Genuss, liebe Leute. Vielen Dank! Es waren unglaubliche Momente. Ich habe in jedem Spiel versucht, mein Herz auf den Platz zu lassen. Manchmal gab‘s Freudentränen durch meine Aktionen, manchmal hatte man Schmerzen im Gesicht. Ich hab‘s mit Liebe getan, da könnt ihr euch sicher sein, da könnt‘ ihr sicher sein. Alles Weitere muss ich jetzt erstmal sehen.“

Thomas Müller absolvierte 122. Länderspiele. War das gegen Costa Rica sein Letztes?
Thomas Müller absolvierte 122. Länderspiele. War das gegen Costa Rica sein Letztes? © IMAGO / Shutterstock

Hansi Flick (Bundestrainer) nach dem Spiel in der ARD über ...

... das Spiel gegen Costa Rica: „Das war unser Ziel, dass wir zwei, drei, vielleicht vier Tore vorlegen können. Die Chancen haben wir gehabt, ohne Ende. Durch leichte Fehler haben wir den Gegner zurück ins Spiel gebracht. (...) Das Aus ist heute nicht entschieden worden. Das waren die 20 Minuten gegen Japan. Auch gegen Spanien hätten wir am Schluss das 2:1 machen können. Wir hatten aber keine Effizienz in diesem Turnier.“

... die Fehler des DFB-Teams: „Es sind Situationen, das schraubt sich hoch. Wenn du einen Fehlpass machst, dann kommt das eine zum anderen. Man hat bei der Mannschaft eine Verunsicherung gespürt. Wir wussten, je mehr Tore wir schießen, desto näher sind wir an Spanien. Wir haben Tore bekommen, wir haben zu wenige gemacht. Deshalb sind wir ausgeschieden. Nach den vergebenen Chancen war eine Enttäuschung da. (...) Wir wussten, dass Costa Rica gerade bei Standardsituationen gefährlich ist.“

... die Defensive: „Heute wollten wir über die rechte Seite mehr Druck, mehr Optionen über die Flügel haben. Es war okay. Aber letzten Endes haben uns die Tore gefehlt.“

... die Offensive: „Wenn wir in der ersten Halbzeit, ich weiß nicht, wie viele Abschlüsse wir hatten. Da hätten wir drei, vier Tore machen können. Da waren wir im Soll. Kai Havertz hat uns sehr gutgetan, da hat er uns das Spiel gedreht.“

Kai Havertz (Doppelter Torschütze) nach dem Spiel über ...

... eine mögliche Wut auf Spanien und die Wut auf die eigene Leistung: „Beides ist gleich groß. Mit dem Ergebnis der Spanier haben wir nicht gerechnet. Aber wir müssen uns an die eigene Nase packen. Wir hatten gegen Japan genügend Chance, wir hatten gegen Spanien genügend Möglichkeiten und heute auch wieder. Wenn man mit einem 2:1 ins Turnier startet, ist es natürlich schwer. Costa Rica hat uns heute die Chance gegeben, noch das Achtelfinale zu erreichen, aber wir haben es nicht genutzt.“

... den Zeitpunkt, wann er wusste, dass es heute zu Ende geht: „Wir kassieren zwei Gegentore, was gegen Costa Rica, was bei unserer Qualität halt auch nicht passieren darf. Aber wir wussten dann am Ende schon, dass es nicht reicht, weil wir das Ergebnis ja auf der Leinwand gesehen haben. Es war also vor Schlusspfiff klar, dass das nichts wird heute.“

Kai Havertz trauert nach dem Aus mit der DFB-Elf bei der WM 2022.
Kai Havertz trauert nach dem Aus mit der DFB-Elf bei der WM 2022. © IMAGO / Moritz Müller

.... das Ausscheiden und ob es verdient sei: „Ja! Mit solch einer Qualität dürfen wir gegen Japan nicht verlieren. Gegen Spanien, klar. Die haben eine Super-Mannschaft, das spielt man 1:1. Heute haben wir gewonnen, aber das Spiel gegen Japan hat alles kaputt gemacht.“

... die Diskussion der „One Love“-Binde: „Das ist das Letzte, was jetzt zählt. Fußballerische Leistung geht immer vor. Es wurde viel gesprochen, aber da wollen wir uns nicht rausreden. Als Sportler sind wir Vorbilder der Gesellschaft, wir wollten es vor dem Japan-Spiel aus den Köpfen haben, aber das hat offenbar nicht geklappt.“

Oliver Bierhoff (Geschäftsführer Nationalmannschaft) nach dem Spiel in der ARD über ...

... seine Gedanken so kurz nach dem Spiel: „Wut, einfach nur Wut. Wenn man die drei Spiele sieht, dann hätten wir in der Gruppe definitiv bestehen müssen. Es herrscht große Enttäuschung.“

... die Fehler, die er gemacht hat: „Die Frage kommt sehr früh. Am Ende bin ich für die Organisation und den Ablauf zuständig. Die Binden-Thematik war natürlich etwas, was den ganzen DFB betraf. Gauben Sie wirklich, dass die „One Love“-Binde in den ersten 70 Minuten eine Rolle gespielt haben?“

... die „One Love“-Binde und dem Umgang damit: „Das hätten wir besser machen können. Ohne Zweifel. Ob sie am Ende entscheidend ist, das steht auf einem anderen Zettel.“

... die Probleme im Sturm und in der Defensive: „Wir haben uns zu sehr auf dem Erfolg ausgeruht, aber die Fehler hat man nicht vor zwei oder drei Jahren gemacht. Wenn man jetzt keine Spieler hat, dann liegt das an der Arbeit vor zehn oder 14 Jahren.“

Hansi Flick und das Fliegen-Problem: Bastian Schweinsteiger eilt Bundestrainer zur Hilfe

Hansi Flick (M.) wurde vor dem Costa-Rica-Spiel an der Seite von Bastian Schweinsteiger (r.) und Esther Sedlaczek von Fliegen gejagt.
Hansi Flick (M.) wurde vor dem Costa-Rica-Spiel an der Seite von Bastian Schweinsteiger (r.) und Esther Sedlaczek von Fliegen gejagt. © IMAGO / Matthias Koch

Update vom 1. Dezember, 20.17 Uhr: Bundestrainer Hansi Flick wird in Katar einige lästige Verfolger nicht los. Auch bei den TV-Interviews vor dem dritten Gruppenspiel gegen Costa Rica am Donnerstag umschwärmten zahlreiche Fliegen den Coach der DFB-Auswahl. „Das liegt wahrscheinlich am Mikro – oder vielleicht doch an mir“, sagte Flick in der ARD. Experte Bastian Schweinsteiger eilte zur Hilfe und bemühte sich, die Plagegeister wegzuwedeln.

Schon vor der Partie gegen Spanien hatten Fliegen die TV-Auftritte des Bundestrainers gestört. Moderatorin Esther Sedlaczek empfahl dem 57-Jährigen, beim nächsten Mal ein Fliegennetz mitzubringen. „Das ist euer Job“, konterte Flick schmunzelnd.

Hansi Flick (Bundestrainer) vor dem Spiel in der ARD über...

... seine Gefühlslage: „Ein bisschen Angespanntheit gehört dazu. Aber nervös bin ich nicht. Wir haben unsere Arbeit im Vorfeld gemacht. Eine WM ist was Schönes, dafür hat man dieses Hobby erstmal angefangen. Wenn wir die Dinge heute gute machen, dann haben wir eine gute Chance, ins Achtelfinale einzuziehen.“

... den Tagenablauf vor der Partie: „Wir haben heute Morgen nochmal aktiviert. Dann hatten wir eine kurze Sitzung und haben uns nochmal auf Costa Rica eingestimmt, dann gab‘s Mittagessen, das sogenannte Pre-Match-Meal, dann nochmal das Team-Meeting und dann fuhren wir los.“

... die Aufstellung und wann die Mannschaft informiert wurde: „Im Großen und Ganzen wusste die Mannschaft schon Bescheid. Bis auf eine einzige Position.“

... die Position, die noch zur Debatte stand: „Die Sturmspitze: Wir haben uns für Thomas entschieden, weil er als Organisator und seine große Erfahrung auch gegen Spanien seinen Wert gezeigt hat. Das sind Dinge, die Thomas auszeichnet, weil er die Mannschaft immer pusht.“

... über Müller, der noch keinen WM-Torschuss abgegeben hat: „Ich habe ihm gesagt, heute wäre ein guter Tag, damit anzufangen.“

... Leroy Sané: „Er ist ein Spieler, der ein Spiel entscheiden kann. Er ist sehr, sehr antrittsschnell, kann den letzten Pass. Wir sind happy, dass er wieder fit ist. Wenn er alles umsetzt, werden wir sehr viel Freude an ihm haben.“

... die Wahl auf Kimmich als Rechtsverteidiger: „Mit ihm auf der Außenbahn haben wir noch einmal eine Option mehr.“

.... ein mögliches frühes Tor, das die Nerven beruhigen könnte: „Ein frühes Tor ist immer wichtig. So auch heute, ich hoffe drauf, dass wir unsere Chance heute nutzen.“

... das Mückennetz, das er beim nächsten Mal mitbringen soll: „Oh, das ist euer Job...“ (lacht)

Hansi Flick spricht in der ARD mit Bastian Schweinsteiger.
Hansi Flick spricht in der ARD mit Bastian Schweinsteiger. © IMAGO / Sven Simon

Hansi Flick (Bundestrainer) vor dem Spiel bei MagentaTV über ...

... die Kimmich-Position: „Es ist richtig, dass Jo als Rechtsverteidiger spielt. Wir haben mit ihm die eine oder andere Option mehr auf dem Flügel.“

... die Entscheidung für Thomas Müller: „Thomas gibt der Mannschaft eine gute Stabilität. Gerade beim Anlaufen setzt er die richtigen Signale und ist für uns wichtig. Deshalb wollten wir nicht zu viel ändern.“

... den Plan für das Spiel: „Wir müssen Torchancen kreieren, wir haben bisher 37 Schüsse und nur zwei Tore. Wir müssen effizienter werden und entschlossener abschließen.“

... den Kontrahenten: „Man muss jedem Gegner Respekt zollen, wir nehmen Costa Rica sehr ernst. Sie können gut verteidigen, haben große Spieler. Wir brauchen Tiefenläufe und müssen uns Chancen herausspielen. Wir müssen mutig sein.“

... den möglichen Achtelfinal-Gegner Marokko: „Ob das ein Thema war? Nein, überhaupt nicht.“

... seinen Wunsch für das erste Türchen des Adventskalenders: „Das weiß ich nicht, keine Ahnung (lacht). Heute erstmal drei Punkte, einen klaren Sieg und den Einzug ins Achtelfinale.“

Oliver Bierhoff (DFB-Geschäfsführer) vor dem Spiel über...

... die Aufstellung mit Müller als Stürmer und Kimmich als Rechtsverteidiger: „Wir haben uns für etwas Kontinuität im Angriff entschieden und mit Jo (Kimmich, Anm.d.Red.) auf rechts, wollen wir etwas mehr Druck machen. Leroy darf heute auch ran, seine Schnelligkeit hat er gegen Spanien schon gezeigt, das kann uns auch heute helfen.“

(smk)

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