DFB-Akademieleiter Tobias Haupt. Foto: Andreas Arnold/dpa
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DFB-Akademieleiter Tobias Haupt. Foto: Andreas Arnold/dpa

Traineraus- und Weiterbildung

Corona-Zeit als Nagelprobe für DFB-Akademie

Keine Präsenzveranstaltungen und ganz viel über digitale Kanäle: Die Corona-Zeit könnte nun auch zahlreiche Projekte der DFB-Akademie beschleunigen. Am Startschuss einer neuen Idee hält der Verband fest.

Frankfurt/Main (dpa) - Eine Persönlichkeit wie Jürgen Klopp würden sie beim Deutschen Fußball-Bund wohl mit Kusshand nehmen.

Der Coach des FC Liverpool ist nicht nur seit Jahren erfolgreich, sondern auch charismatisch und authentisch - und damit zu einem echten Leitbild für die ambitionierten Pläne der DFB-Akademie geworden. "Natürlich ist Jürgen Klopp das Paradebeispiel für einen modernen Leader. Bei seiner ersten Trainerstation war er das jedoch auch noch nicht, er hat sich über zehn, 15 Jahre zu der Persönlichkeit entwickelt, die er heute ist", sagte Akademieleiter Tobias Haupt der Deutschen Presse-Agentur.

Einstieg in Mainz, nächster Schritt in Dortmund und die sportliche Krönung in Liverpool: Was bei Klopp aussieht wie der perfekte Werdegang, soll beim DFB nun Schule machen. "Genau diese Entwicklung mitzubegleiten, ist Ansatz der Fußball-Lehrer-Ausbildung. Wenn wir es schaffen, dass in zehn Jahren mehrere deutsche Trainer europäische Spitzenvereine trainieren, dann haben wir sehr viel richtig gemacht", sagte Haupt.

In der Corona-Krise ist Klopp ein gutes Beispiel, was in der Akademie-Arbeit geht und was nicht. Während im normalen Spielbetrieb ein Präsenztermin des viel beschäftigten Klopp in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise schwierig wäre, plauderte der 52-Jährige per Video die Tage ganz entspannt im "Leadership-Talk der DFB-Akademie". Über die heiß ersehnte Meisterschaft seines FC Liverpool sagte "Kloppo": "Es gibt schlimmere Dinge im Leben, als nicht Meister zu werden. Das Wichtigste im Moment ist der Umgang mit dieser Krise."

Der DFB ist gerade definitiv an vielen Stellen im Krisenmodus unterwegs. Der Nationalmannschaft fehlen durch die Absage von EM und mehreren Länderspielen wichtige Einnahmen, die 3. Liga ist vor einer geplanten Fortsetzung komplett zerstritten, der Amateurfußball muss noch mehrere Monate pausieren, bevor jeder Landesverband die Scherben auf seine Art und Weise zusammenzukehren versucht. Für die Akademie und ihr konzeptionelles Denken könnte die Corona-Krise hingegen ein echter Beschleuniger der eigenen Kreativität werden.

Immer mehr Inhalte sollen modernisiert werden, so auch die Lehrgänge für angehende Trainer. "Auch in der Traineraus- und Weiterbildung haben wir viele Inhalte digitalisiert, die ab sofort - auch in der Zeit nach Corona - auf unserem digitalen Campus zur Verfügung stehen", fügte Haupt an. Es sei durch diese Entscheidung gelungen, "dass es keinen coronabedingten Leerlauf in der Trainer-Fortbildung gab". Als Beispiel für die Trainer der Zukunft nannte Haupt den früheren Torjäger Miroslav Klose, der erst beim DFB im Trainerteam arbeitete, dann beim FC Bayern in der Jugend, nun als Co-Trainer in München und dann Teilnehmer des neuen Fußball-Lehrer-Lehrgangs wird.

An dem unmittelbar vor der Krise vorgestellten Zertifikat "Management im Profifußball" und seinem Starttermin am 1. September will der DFB festhalten. "Im Juni endet die Nominierungsphase, im Juli werden wir gemeinsam mit der DFL in einer Auswahlkommission die Teilnehmer auswählen. Es sieht so aus, als werden wir die Qual der Wahl haben", erklärte Haupt zu dem Projekt, bei dem DFB und DFL die Suche nach neuen Managern bei Proficlubs akademisieren wollen. Gerade die Corona-Krise zeige, "dass starke Führungspersönlichkeiten wichtiger denn je sind", fügte der 36 Jahre alte Haupt an.

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