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„Nur die Spitze des Eisbergs“ – Brisante Recherche enthüllt: Mehr als 300 Medaillen von Dopern gewonnen

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Wie sauber sind die Olympischen Spiele? Neue Zahlen zeigen: Bei deutlich mehr Top-Platzierungen als gedacht gibt es einen Doping-Bezug.

Radsport, Leichtathletik oder Schwimmen: Immer wieder gibt es Berichte über gedopte Athletinnen und Athleten. Einige vertuschen das Doping über Jahre, andere werden nie gefasst. Nun gibt es neue Zahlen darüber, wie viele Medaillen in den vergangenen 20 Jahren mutmaßlich unsauber erreicht wurden.

Doping bei Olympia: Seit 2004 mehr als 300 Medaillen von Dopern geholt

Seit den Spielen 2004 in Athen sind 118 Sportler durch Tests bei Olympia oder durch nachträgliche Analysen der bei den Spielen genommenen Proben aufgeflogen. Das ist bekannt. In Wahrheit dürften es aber deutlich mehr sein, wie der Doping-Experte Hajo Seppelt im Interview mit IPPEN.MEDIA erklärt.

Hinzu kommen andere unsaubere Athleten, wie Seppelt schildert: „Es waren sogar mehr als 300 olympische Medaillengewinner, die irgendwann in ihrer Karriere mindestens einmal als Doper enttarnt wurden.“ Konkret geht es um Gewinnerinnen und Gewinner von 113 Gold-, 103 Silber und 96 Bronzemedaillen, die meisten davon in der Leichtathletik und im Gewichtheben. „Das ist aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nur die Spitze des Eisbergs, weil viele gar nicht erwischt worden sein dürften. Das legt die sporthistorische Forschung nahe“, sagt Seppelt.

Kenias Goldrausch bei Olympia: „Beruht nicht allein auf Müsli und Talent“

„Dass Doping einen Einfluss auf Olympische Spiele hat, ist ganz sicher“, sagt Seppelt. Zuletzt waren etwa mehrere kenianische Läufer überführt worden. Kenia ist die erfolgreichste Läufernation der Welt und holt bei nahezu jeden Spielen Medaillen im Langstreckenbereich. Vier der letzten sechs Goldmedaillengewinner im Marathon – Männer wie Frauen – stammten aus dem ostafrikanischen Land. „Es ist offenkundig, dass das nicht allein auf Müsli und Talent beruht“, meint Seppelt. „Im Moment fallen die kenianischen Läufer bei Doping-Tests wie Domino-Steine.“

Die meisten positiven Tests stammen aber aus einem anderen Land: Indien. „Dort sind die Anti-Doping-Maßnahmen nach unserem Eindruck bei weitem nicht so gut.“ Auch China und Russland seien auffällig. Derzeit gibt es positive Dopingtests bei 23 chinesischen Schwimmern; 40 der seit 2004 118 aberkannten Medaillen betrafen Sportler aus Russland. „Die Erfahrung zeigt, dass gerade in autokratisch regierten Ländern, die den Sport besonders auffällig als Propagandainstrument missbrauchen, Dopingstrukturen sogar gefördert werden“, erläutert Seppelt.

Hajo Seppelt, deutscher Sportjournalist und Doping-Experte
Hajo Seppelt recherchiert seit vielen Jahren zu Doping im Spitzensport. In seiner ARD-Reihe „Geheimsache Doping“ berichtet er aktuell über systematischen Betrug rund um Olympische Spiele. © IMAGO/Rolf Walter

Olympia-Doping auch in Deutschland?

Das war einst auch in der DDR so, wenngleich auch in der Bundesrepublik vielfach gedopt wurde. Sind die deutschen Athleten heute sauber? „Das lässt sich seriös kaum einschätzen“, meint Seppelt. „Ein Staatsdoping oder ein vom Staat toleriertes systematisches Doping dürfte es nicht mehr geben, das ließe sich heutzutage kaum geheim halten.“

Durch das engmaschigere Dopingkontrollsystem und stärkere gesellschaftliche Sensibilisierung für das Thema bestehe zudem eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Abschreckungseffekt hierzulande größer ist als in manch anderen Ländern. „Aber ich würde deshalb – das zeigen ja auch immer wieder Fälle einzelner Athleten – natürlich nicht behaupten, dass wir in Deutschland einen weitgehend dopingfreien Spitzensport haben.“

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