Olympia-Vergewaltiger bricht mit Tränen-Interview sein Schweigen
Seine Teilnahme an Olympia war höchst umstritten. Nun geht der niederländische Beachvolleyballer Steven van de Velde an die Öffentlichkeit und spricht offen über seine Vergangenheit.
Den Haag – Die Teilnahme des holländischen Beachvolleyballers Steven van de Velde an den Olympischen Spielen löste eine Welle der Empörung aus. Vor acht Jahren wurde van de Velde wegen sexuellen Missbrauchs eines 12-jährigen Mädchens in England verurteilt.
Trotz der Vergangenheit und anhaltender öffentlicher Kritik entschied sich der Sportler an den Sommerspielen in Paris teilzunehmen. In einem tränenreichen Interview mit dem niederländischen TV-Sender NOS äußerte sich van de Velde nun zu den heftigen Reaktionen und seinem Entschluss, dennoch anzutreten.
Volleyball-Vergewaltiger spricht über Erfahrungen bei Olympia: „Ist keine Kleinigkeit“
Die Kritik und die Proteste, die van de Velde während der Spiele erlebte, waren offenbar intensiver als erwartet. „Es ist keine Kleinigkeit, was da auf einen abgefeuert wird“, erklärte er im NOS-Interview. Auf eigenen Wunsch wohnte der Beachvolleyballer auch nicht mit den anderen Athleten im Olympischen Dorf.
Trotz der negativen Reaktionen, die auch seine Leistungen beeinflussten, trat van de Velde nicht von den Spielen zurück. „Ich dachte; ich werde anderen nicht die Macht geben, mich wegzumobben.“
Van de Velde ist mittlerweile verheiratet und hat einen zweijährigen Sohn
Van de Velde ist inzwischen verheiratet und Vater eines zweijährigen Sohnes. Diese Veränderungen in seinem Leben haben ihm nach eigenen Angaben geholfen, sich weiterzuentwickeln und sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Die Vergangenheit wird ihn dennoch immer wieder einholen, so wie zuletzt bei den Olympischen Spielen – dessen ist sich van de Velde bewusst. „Ich weiß, dass dies den Rest meines Lebens eine Rolle spielen wird. Das muss ich akzeptieren, denn ich habe einen Fehler gemacht“, sagt er in dem emotionalen TV-Interview, bei dem er in Tränen ausbricht.

Olympia-Vergewaltiger: „Ich kann nicht ändern, was die Leute über mich denken“
Erstmals seit Olympia und der Empörungswelle, die durch seine Teilnahme losgelöst wurde, spricht der Holländer in der Öffentlichkeit über seine Vergangenheit. „Ich kann nicht ändern, was die Leute über mich denken. Leute können mich für immer für das verantwortlich machen, was passiert ist, und das ist in Ordnung, denn so ist es nun einmal“, offenbart er in dem Gespräch.
Die Buhrufe während seiner Spiele bei Olympia gingen dennoch nicht spurlos an ihm vorbei. Zusammen mit seinem Mitspieler Matthew Immers schied er im Viertelfinale aus. „Wenn ich darüber nachdenke, wie sehr ich mich auf nebensächliche Dinge konzentriert habe – wie ich auf dem Feld sein will, anstatt mich mit der Taktik des Gegners zu beschäftigen – dann kann man schon sagen, dass das einen Einfluss hatte“, erklärt van de Velde.
Van de Velde saß nach Verurteilung über ein Jahr im Gefängnis
Nach seiner Verurteilung im Jahr 2016 saß er 13 Monate im Gefängnis. „Ich kann es nicht rückgängig machen, also werde ich die Konsequenzen tragen müssen. Es war der größte Fehler meines Lebens“, wurde van de Velde in einer Stellungnahme, die von dem Olympia-Star auf der Website des niederländischen Volleyballverbands veröffentlicht wurde, zitiert.
Die Grenze zieht er dennoch klar, wenn es um seine Familie geht. „Nehmt mich, aber lasst bitte meine Familie in Ruhe. Das geht zu weit“, betont er in dem tränenreichen TV-Interview. Seine sportliche Zukunft scheint nach wie vor noch nicht geklärt zu sein. „Die Zukunft meines Sohnes ist für mich wichtiger als meine Karriere.“ (kus)

