„Lachnummer Europas“: Wütende Bayern-Fans geben Hoeneß Schuld an Tuchel-Absage
Thomas Tuchel verlässt den FC Bayern definitiv. Viele Fans sind deswegen enttäuscht. Einige ziehen Parallelen zu Toni Kroos‘ Abgang 2014.
München – Jetzt ist es endgültig amtlich: Thomas Tuchel bleibt nicht Trainer des FC Bayern. Das verkündete der 50-Jährige selbst auf der Pressekonferenz vor dem letzten Bundesliga-Spiel der Saison gegen die TSG Hoffenheim. Zuvor bestätigte der Coach aber auch, dass es Verhandlungen über eine Kehrtwende gab. Die Fans des Rekordmeisters reagieren mit gemischten Gefühlen auf Tuchels Abschied – einige schreiben Uli Hoeneß die Schuld daran zu.
Tuchel gibt finalen Bayern-Abschied bekannt: „Meine letzte Pressekonferenz“
„Das ist meine letzte Pressekonferenz an der Säbener Straße. Es bleibt bei der Vereinbarung vom Februar“, machte Tuchel vor der Partie in Sinsheim klar. Zwar habe es in den Tagen zuvor „nochmal Gespräche“ mit den Bayern-Verantwortlichen über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit gegeben. Allerdings habe man dabei „keine Einigung gefunden“, sagte der scheidende Trainer.
Der Abschied falle ihm „sehr schwer“, betonte der 50-Jährige, der wegen der Mannschaft und dem Staff auch „ein bisschen traurig“ sei. Dennoch habe die Entscheidung Bestand. Auf der Online-Plattform X (ehemals Twitter) reagierten viele Bayern-Fans enttäuscht. „Wir hätten alles tun sollen, um Tuchel zu behalten“, forderte ein Anhänger. „Schade für Bayern“, pflichtete ihm ein anderer bei. Weitere Stimmen der Fans vielen deutlich schärfer aus.

„Tiefpunkt für unseren Verein“: Bayern-Fans reagieren auf Tuchel-Absage
Ein X-User bescheinigte dem deutschen Rekordmeister, angesichts der langwierigen Trainersuche für die neue Saison zum „Gespött der Nation“ zu geraten. Diese dauert bereits deutlich länger, als es Max Eberl erwartet hatte. Dementsprechend genervt äußerte sich der Münchner Sportvorstand zuletzt zur Causa Coach. Als „absoluten Tiefpunkt für unseren Verein“ und „peinlich“ bezeichneten weitere Fans die aktuelle Situation. Zum Teil war gar von der „Lachnummer von Europa“ zu lesen.
Und überhaupt nahmen es einige Anhänger mit Humor: „Diese Trainersuche ist das Lustigste, das im deutschen Fußball je passiert ist“, schrieb ein amüsierter User. „Wird jetzt der Spielbetrieb eingestellt?“, fragte ein offenbar zu Scherzen aufgelegter Fan angesichts der Absage Tuchels.
Von „lächerlich“ zu „richtig“: Reaktionen der FCB-Anhänger zu Tuchel-Abgang
Einige Nutzer der Plattform zeigten sich froh, dass die Ära Tuchel gegen Hoffenheim ihren Abschluss findet: „Gott sei Dank. Jede Minute mit ihm als Trainer war ein Fehler und man sollte froh sein, dass dieses Kapitel endlich zu Ende geht“, schrieb ein Bayern-Sympathisant. „Da macht sich Tuchel nur lächerlich“, kommentierte ein Fan die überhaupt im Raum stehende Kehrtwende, nachdem der Abgang bereits monatelang festgestanden hatte.
Andere Stimmen zollten dem scheidenden Übungsleiter selbstironisch großen Respekt. „Der Tuchel scheint viel zu haben … Aber am meisten hat er Charakter und Rückgrat. Absolut die richtige Entscheidung. Er hat es sowas von nicht nötig.“ Weitere Fans zogen ihren Hut vor Tuchel, dieser sei „weise“ und stünde zu seinem Wort. Bayern-Patron Uli Hoeneß kam jedoch weitaus weniger gut weg.

FCB-Fans machen Hoeneß für Tuchel-Aus verantwortlich: „Wird im Chaos versinken“
„Die Einschätzung zu Thomas Tuchel ist nach dem Verkauf von Toni Kroos der größte Fehler in der Karriere von Uli Hoeneß. Tut wirklich weh, das mit anzusehen“, kommentierte eine Anhängerin. Der Bayern-Patron und der Real-Star haben bereits seit einiger Zeit ein schwieriges Verhältnis. 2014 ließ der deutsche Rekordmeister den Mittelfeld-Strategen nach Spanien ziehen, wo er seitdem unter anderem viermal die Champions League gewann.
Und auch Hoeneß‘ Beziehung zu Tuchel erfuhr vor einigen Wochen einen schweren Schlag. Der langjährige Präsident des FC Bayern hatte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu Protokoll gegeben, nicht überzeugt zu sein, ob Tuchel junge Spieler weiterentwickeln zu können. Einige X-User machten Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge aus dem Aufsichtsrat des Klubs jetzt für Tuchels Abgang verantwortlich. „Bis die beiden abdanken, wird dieser Verein im Chaos versinken und der Anschluss an Europas Spitze immer, immer größer werden“, meinte ein Nutzer.
Wegen Tuchels Abschied: Moderator Beisenherz bemüht Honecker-Vergleich zu Hoeneß
Auch Moderator Micky Beisenherz schlug in diese Kerbe. Er schrieb auf der Plattform, Hoeneß sei beim Rekordmeister inzwischen „wie Erich Honecker 1989.“ Dieser war damals bereits seit vielen Jahren Vorsitzender des Staatsrats der DDR und damit wichtigster Politiker des Landes.
Im Oktober 1989 bewegte ihn das SED-Politbüro infolge einiger fragwürdiger politischer Handlungen und Entscheidungen zum Rücktritt – ein Szenario, das Beisenherz nun offenbar auch beim FC Bayern erwartet. Honeckers Demission galt damals als überfällig, kurz darauf folgten der Fall der Berliner Mauer und rund ein Jahr später die Wiedervereinigung mit der BRD. Honecker hingegen floh nach Chile.
Tuchel verabschiedet sich nun jedenfalls sicher aus München. Wohin es den 50-jährigen Coach verschlägt, steht noch nicht fest. Allerdings könnte Tuchel jetzt in die Premier League zurückkehren. (wuc)
