Spieler von Barcelona und Eldense unterhalten sich während des Spiels. Foto: Fernando Zueras/Diario AS/dpa

Wettskandal erschüttert spanischen Fußball

Madrid - dpa. Nach dem Abpfiff flossen viele Tränen. Einige Fußballer des Drittligisten CD Eldense h...

Madrid - dpa. Nach dem Abpfiff flossen viele Tränen. Einige Fußballer des Drittligisten CD Eldense hatten am Samstag nach dem blamablen 0:12 gegen das B-Team des FC Barcelona noch auf dem Rasen ihren Emotionen freien Lauf gelassen. Am Dienstag rückte die Heulparty nach ersten Beschuldigungen aber endgültig in ein ganz schlechtes Licht: Die Partie wurde nämlich allem Anschein nach verschoben. Trainer Filippo Vito di Pierro sowie der Chef der Club-Investorgruppe, Nobile Capouani, beide Italiener, wurden am Dienstag nach Polizeiangaben festgenommen. Auch LaLiga ermittelt. Emmanuel Mendy, der sich nach eigenen Angaben weigerte, in der zweiten Hälfte eingewechselt zu werden und an der mutmaßlich zur Erzielung von Wettgewinnen verübten Manipulation teilzunehmen, meinte: Geflossen seien zum Teil Krokodilstränen. „Einige, die geweint haben, waren eingeweiht“, beteuerte der Abwehrmann am Dienstag. Der Skandal erschüttert den spanischen Fußball. Auch der Trainer des Starensembles des FC Barcelona, Luis Enrique, war empört. „Das ist ein sehr heikles Thema und muss ernst genommen werden.“ Der Coach von Superstar Lionel Messi und des deutschen Nationaltorwarts Marc-André ter Stegen forderte, dass den Manipulationen mit allen Mitteln „ein Ende gesetzt“ wird. „Zu viele Leute wollen vom Fußball Profit ziehen“, klagte er. Ob Manipulationen im spanischen Fußball weit verbreitet sind? „Das weiß ich nicht und will das auch nicht wissen.“ Der Präsident des Verwaltungsrats des Clubs aus Elda in der Nähe von Alicante, David Aguilar, hatte schon am Sonntag von Schiebung gesprochen und das Team aus dem Spielbetrieb genommen. Zunächst konnte man meinen, der Presidente habe überzogen reagiert - dann überschlugen sich aber bald die Ereignisse. Aguilar erstattete Anzeige, kündigte den Vertrag mit den Geldgebern und sprach von einer in Asien sitzenden Wettbande als Drahtzieher. Die Polizei nahm Ermittlungen auf. Kicker machten den Mund auf. Allen voran Stürmer Cheikh Saad, der von „vier verwickelten Spielern“ sprach. Die Namen wolle er nur der Polizei verraten. Jeder der Beteiligten habe um die 30 000 Euro kassiert. „Es wurde abgemacht, dass das Spiel zur Pause 0:8 stehen musste. Die erste Hälfte war ein Witz“, erzählte der 26-Jährige im Radio. Der Gegner habe nichts gewusst. Saad, sonst Stammspieler, wurde nicht eingesetzt. Er habe von der Manipulation erfahren und dem Coach nach dem Abpfiff gesagt: „Gut, dass du mich draußen gelassen hast, sonst hätte ich dir das Gesicht kaputtgemacht.“ Er selber sei nach seinen Anschuldigungen nachts angerufen und bedroht worden, sagte der Mauretanier. Während die beiden festgenommenen Italiener laut Medien beim ersten Polizeiverhör alle Vorwürfe bestritten, veröffentlichte die Zeitung „El País“ weitere Details. Das Blatt berief sich auf Aussagen des Verteidigers Kevin Sanz, der die Mannschaft im Januar unfreiwillig verlassen musste. Die Investorengruppe habe etwa zehn Spieler verschiedener Nationalitäten entlassen und dafür rund 20 blutjunge Spieler ins Team geholt, sagte Sanz: „Das waren Kinder, die nicht einmal Kreisklassenniveau hatten.“ Diese neuen Profis seien benutzt worden, um Partien zu manipulieren. Im Gegenzug sei ihnen Spielpraxis für eine spätere Profi-Karriere versprochen worden, bemerkt „El País“. Die gleiche Investorengruppe soll bereits im vergangenen Jahr beim Drittligisten FC Jumilla ähnlich agiert und ihre Geschäfte später nach Elda verlegt haben, hieß es. Das 0:12 war also wohl nicht die erste Manipulation des CD Eldense. Ich hatte schon bei einem Spiel im März erstmals Komisches bemerkt, sagte auch Clubboss Aguilar. Es ging zunächst offenbar auch in Elda lange gut. Aber beim 0:12 hat man den Bogen überspannt. Eine schlimme Pleite des Tabellenletzten, der nur drei Mal gewann, beim Ersten sei wohl glaubwürdig, hat man sich wahrscheinlich gedacht. Der Clubboss schäumt vor Wut. Er will aber seine Entscheidung, die Mannschaft zurückzuziehen, revidieren. In Namen des Sports. „Am Sonntag gegen Sabadell spielen wir, egal wie, notfalls mit jungen Spielern.“

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