Terror erschüttert Spanien

0
356
Die Losung auf Englisch bei einer Kundgebung gegen den Terror auf den Ramblas nach dem Anschlag in Barcelona. Foto: M. Oesterle/dpa

Barcelona – tl. Ein Nachmittag auf den Ramblas in Barcelona. Die 1,3 Kilometer lange Promenade im Zentrum der Stadt ist wie immer zu dieser Zeit voller Menschen. Gegen 17 Uhr fährt ein weißer Lieferwagen mit hoher Geschwindigkeit in den breiten Flanierbereich. Der Transporter rast in die Menschengruppen hinein, fährt im Zickzack, um möglichst viele zu erwischen. „Leute sind durch die Wucht des Aufpralls in alle Richtungen geschleudert worden“, sagt eine Augenzeugin gegenüber der Zeitung „El País“.
500 Meter legt der Fahrer auf Las Ramblas zurück. Am Pla de l’Os bleibt der Transporter stehen, mitten auf dem bekannten Mosaik von Joan Miró. Der Fahrer flüchtet zu Fuß. Zurück bleiben 13 Tote und über 100 Verletzte – Menschen aus 35 Nationen. Spanien hat an diesem 17. August den schlimmsten islamistischen Terroranschlag seit dem 11. März 2004 erlebt. Später stellt sich heraus, dass die Todesfahrt auf den Ramblas „Plan B“ einer zwölfköpfigen Terrorzelle war. Es hätte noch viel schlimmer kommen sollen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert im Internet den Angriff für sich.
Nur wenige Stunden später im Badeort Cambrils bei Tarragona – 100 Kilometer südlich von Barcelona: Die Polizei verfolgt einen dunklen Audi A3, der sich einer Kontrolle entzogen hat. Dessen Fahrer überfährt auf der Flucht mehrere Passanten. Eine Frau stirbt später an ihren Verletzungen. Der Audi kollidiert mit einem Polizeiauto, fällt aufs Dach. Fünf Personen krabbeln heraus – sie tragen Sprengwesten. Attrappen, wie später festgestellt wird. Die Polizisten schießen. Und die fünf sind tot.
Was die Polizisten zu diesem Zeitpunkt nicht wissen: Sie haben einen weiteren Terroranschlag verhindert. Unter den Toten ist der erst 17 Jahre alte gebürtige Marokkaner Moussa Oukabir. Den haben die Ermittler zu diesem Zeitpunkt noch für den Todesfahrer von Barcelona gehalten. Nun ergibt sich ein anderes Bild: Die Ereignisse von Cambrils und Barcelona gehören zusammen.
In einem neuen Zusammenhang erscheint jetzt auch die Explosion und völlige Zerstörung eines Gebäudes in Alcanar im Süden der Provinz Tarragona am Tag vor dem Anschlag auf den Ramblas. Zwei Tote und eine schwerverletzte Person liegen unter den Trümmern. Es stellt sich heraus, dass dort über 100 Gasflaschen gebunkert wurden. Auch Spuren eines bei IS-Anschlägen verwendeten Sprengstoffes finden sich. Den Ermittlern wird klar: Hier hat sich eine Bombenwerkstatt befunden.

Mehr in der Printausgabe

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.