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Der BMW 1er verzichtet in der dritten Generation auf den Hinterradantrieb.

Emotionale Achterbahn

Der neue BMW 1er verabschiedet sich vom Hinterradantrieb

Der neue BMW 1er fährt in seiner dritten Generation nicht mehr mit traditionellem Hinterradantrieb vor.

Ach du Schreck. Als wäre der Umbruch in der Autobranche nicht schon groß genug, wirft BMW noch eine heilige Tugend über Bord: Der 1er fährt in seiner dritten Generation nicht mehr mit traditionellem Hinterradantrieb vor. Gerade dieses Relikt aus der "guten" alten Zeit war bei manchen PS-Fans der Münchner beliebt. Doch Zeiten ändern sich. Und so wird der Kompakte in seiner Basis-Version von den Vorderrädern angetrieben – wie seine Konkurrenten in der umkämpften Kompaktklasse, darunter der neue VW Golf und Audi A3. Lediglich in Verbindung mit den stärkeren Motoren gibt es den 1er weiter mit Allradantrieb, im BMW-Jargon "xDrive" genannt. Wir haben das neue Modell getestet.

Der neue 1er BMW: Mehr Platz im Innenraum

So schwer es fallen mag, die Entscheidung hat freilich auch gute Gründe. Der Motor muss vorne nicht mehr längs eingebaut werden, die Drei- und Vierzylinder-Aggregate liegen nun quer unter der Fronthaube. Das macht sich in manchem Bereich positiv bemerkbar.

Im Innenraum gibt es mehr Platz, die Breite wächst im Vergleich zum Vorgänger um 34 Millimeter auf rund 1,80 Meter. Das Kofferraumvolumen steigt um 20 auf 380 Liter (maximal weiterhin 1.200 Liter). Auf der Rückbank gibt es nun tatsächlich ausreichend Raum für die Knie (plus 33 Millimeter). Lediglich in der Kopffreiheit stoßen im Fond größer gewachsene Personen ab 1,85 Meter an ihre Grenzen. Dort müssen sie sich schon beim Einsteigen des Fünftürers ducken, um mit dem Kopf nicht an die abfallende Dachlinie zu stoßen. Vorne hingegen finden auch Großgewachsene ausreichend Platz nach oben und zur Seite – das Raumgefühl dort ist sehr gut. Deutlich verändert ist auch die Spur.

Die Vorderachsspur wächst in der Breite um drei Zentimeter auf knapp 1,57 Meter. Und obendrein kann BMW im 1er nun auch seine neuesten Connectivity- und Fahrassistenzsysteme aus den größeren Baureihen einbauen. Die Displays im Cockpit (10,25 Zoll) sowie der Touch-Monitor (Serie sind 8,8 Zoll) sind nun komplett digital und können weiter auch über den klassischen Dreh-Drück-Steller in der Mittelkonsole bedient werden. Noch ein kleiner positiver Nebeneffekt: Im Winter, so die Straßen mal mit Schnee bedeckt sein sollten, fährt es sich mit Vorderradantrieb nun mal besser und sicherer.

So fährt sich der 1er BMW in der dritten Generation

Mit der neuen Frontantriebsplattform UKL 2 betreten die Münchner kein Neuland. Schon die weiteren BMW-Modelle X1 und 2er Active Tourer oder auch die Mini-Familie besitzen Frontantrieb. Und tatsächlich lässt sich auch beim "normalen" Alltagsfahren im neuen 1er kein markanter Unterschied zum Heckantrieb feststellen.

Der Kompakte, seit 2004 gebaut und auch optisch überarbeitet, fährt sich weiter sehr sportlich. Die direkte Lenkung mit dem kräftigen Lenkrad macht Laune, der Wagen sticht extrem agil in Kurven. Die straffe Fahrwerksabstimmung schickt aber auch Unebenheiten der Straße zu den Insassen durchschickt. Auf der Landstraße oder Autobahn reist es sich aber entspannt und komfortabel – der 1er liegt auch bei hoher Geschwindigkeit ruhig und satt auf der Straße. Wir haben den Neuen (Baucode: F40) in der ganz neuen Top-Version 120d Drive mit Allrad getestet und kamen mit dem 190-PS-Diesel auf einen Verbrauch* von 6,5 Liter auf 100 Kilometer. Mit vollem 50-Liter-Tank kommt man somit knapp 800 Kilometer weit.

Noch ein Blick auf die Zahlen: Obwohl der neue 1er innen mehr Platz bietet, ist er mit 4,32 Meter einen halben Zentimeter kürzer als sein Vorgänger. Auch der Radstand (2,67 Meter) ist zwei Zentimeter kürzer. In der Höhe wächst er hingegen um rund einen Zentimeter auf 1,43 Meter.

So viel kosten die neuen 1er-Modelle von BMW

Nicht mehr angeboten wird der 1er als Dreitürer sowie mit Sechszylinder-Motor – beides wegen zu geringer Nachfrage. Die Dreizylinder-Aggregate sind am Heck an einem einfachen Endrohr zu erkennen. Die Vierzylinder-Modelle enthalten eine zweiflutige Abgasanlage.

Die Preisspanne beginnt bei 28.300 Euro. Dafür gibt es den Einstiegsbenziner BMW 118i mit 140 PS. Am anderen Ende des Preisspektrums steht die sportlichste Ausbaustufe M135i xDrive mit 306 PS, für den mindestens 49.100 Euro fällig werden.

Vier Diesel stehen zur Wahl. Der kleinste 116d besitzt 116 PS und kostet ab 30.100 Euro. Topmodell ist die von uns getestete 190-PS-Allradvariante xDrive mit Automatikschaltung (Steptronic) für mindestens 38.600 Euro.

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Fazit

Emotional ist der fehlende Hinterradantrieb ein Dämpfer. Man fragt sich: Hätte der 1er nicht auch weiterhin ein Auto für Singles oder Paare bleiben können? Schließlich nimmt durch den neuen Frontantrieb auch der Wendekreis um einen runden halben Meter auf 11,4 Meter zu. Doch: Nun ist der kompakte Münchner durch den größeren Platz im Fond zu einem vollwertigen Auto für die kleine Familie herangewachsen. Der 1er ist obendrein flinker und agiler denn je und besitzt durch die breitere Spur eine noch bessere Straßenlage – auch für lange Reisen. Freilich auch alles gute Argumente.

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Datenblatt zum BMW 120d xDrive 5-Türer

Motor und Getriebe:

Vierzylinder (Emissionsklasse EU6d-Temp)

Hubraum 1.995 ccm

Leistung 190 PS

maximales Drehmoment 400 Nm bei 2.500 bis 4.000 U/Min 

Acht-Gang-Automatik "Steptronic"

Allradantrieb "xDrive"

Fahrleistungen:

0-100 km/h in 7,0 Sekunden

Spitze 230 km/h

Kraftstoffverbrauch:

5,1 l/100 km EU-Norm innerstädtisch

4,1 l/100 km außerstädtisch

4,5 l/100 km kombiniert

6,5 l/100 km (Diesel) Testverbrauch

CO2-Emissionen 117 g/km

Maße und Gewichte:

Länge/Breite/Höhe 4.319/1799/1434 mm

Kofferraumvolumen 380 bis 1.200 Liter

Leergewicht 1.515 kg,

Zuladung 550 kg

Preis:

38.600 Euro

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joi

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