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Elektroauto laden in den USA: Oft deutlich günstiger als in Deutschland

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Von: Sebastian Oppenheimer

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In den USA lassen sich Elektroautos oft deutlich günstiger aufladen als hierzulande. Abseits der Küstenregionen und großen Metropolen muss man aber erstmal eine Ladestation finden.

Wer am Wochenende eines der großen Shoppingcenter im Großraum Los Angeles oder San Diego besucht, der muss seinen Blick nicht lange schweifen lassen, ehe er die Schriftzüge von Anbietern wie EV Go oder Electrify America erspäht. Aha, dort stehen die Ladesäulen für Elektroautos. Ist die Situation vor den zumeist sechs bis zwölf Ladesäulen in der Woche vergleichsweise entspannt, sieht das beim wochenendlichen Großeinkauf zumeist etwas anders aus. Zu Stoßzeiten am späten Vormittag oder dem frühen Nachmittag kann es schon einmal dauern, bis man den eigenen Elektroboliden mit dem Ladestrecker nachtanken kann.

Elektroauto laden in den USA: Oft deutlich günstiger als in Deutschland

Audi E-Tron, Tesla Model Y (das kürzlich in einem „Autopilot“-Test versagte) oder auch ein Porsche Taycan – die Säulen sind sams- wie sonntags zumeist gut besucht. Und in den Abendstunden muss man an einer Shoppingmall wie am Wilshire Boulevard nahe Beverly Hills schon einmal eine halbe Stunde auf Starkstrom warten. An den Highways gibt es parallel zu den großen Verbindungsstrecken von San Diego nach Los Angeles, ins Landesinnere Richtung San Bernadino oder gar Las Vegas ebenfalls ein solides Ladenetz. Auch bei den Ladegeschwindigkeiten kann man kaum meckern. 150 kW sind an sich immer drin – bei vielen Ladesäulen gerade von Electrify America glänzen immer öfter auch 300 oder gar 350 kW, die für einen mächtigen Ladeschub sorgen. Je schneller ein E-Auto lädt, desto geringer sind auch die Ladeverluste.

Elektroauto laden in den USA: Auf Verbindungsstrecken tut man sich mit einem Tesla am leichtesten

Außerhalb von Kalifornien gibt es in vielen Bundesstaaten jedoch noch ein anderes Bild. Die Küstenregionen und auch Metropolen in Texas, Nevada, Georgia oder im Autostaat Michigan bieten eine Versorgungslage, mit der es sich gut über die elektrischen Runden kommen lässt. Schließlich laden die meisten Nutzer auch noch daheim oder am Arbeitsplatz. Am einfachsten tut man sich an den Verbindungsstrecken zumeist noch mit einem Tesla, denn das Netz der Supercharger ist ebenso beeindruckend wie die Anzahl der einzelnen Ladesäulen, an denen Model 3, Y, X und S für die kommenden Aufgaben erstarken. Tesla-Kunden dürfen inzwischen sogar online über neue Supercharger-Standorte abstimmen.

Elektroauto laden in den USA: Electrify America gehört zu den größten unabhängigen Anbietern

Eines der größten unabhängigen Ladenetze in den USA bietet Electrify America an, woran eine Reihe von Autoherstellern beteiligt sind. Aktuell gibt es landesweit mehr als 3.400 Schnelllader an fast 800 Stationen. In den kommenden Wochen sollen bis zum Jahresstart 2023 rund 90 Ladestationen dazukommen. Besonders verbreitet sind wie in Europa die CCS-Ladestecker, doch an vielen Ladesäulen gibt es auch die weniger verbreiteten Chademo-Stecker. Die Konditionen sind zumeist deutlich günstiger als in Europa und speziell Deutschland. Besonders in den Morgenstunden lassen sich Elektrofahrzeuge selbst an vielen Hyperchargern und 300 kW mit einem günstigen Preis von 0,30 Dollar pro kWh nachtanken – Tesla will in Europa bald ein ähnliches Spar-Modell anbieten. Der Preis gilt selbst dann, wenn der Fahrer keinen entsprechenden Vertrag mit einem Energieversorger oder Autohersteller hat.

Ladesäulen von EV Go
Die Ladesäulen von EV Go in den USA lassen sich bereits im Voraus buchen. © ZUMA Wire/Imago

Elektroauto laden in den USA: Zahlmöglichkeiten meist extrem flexibel

Selbst tagsüber berechnen viele Hypercharger gerade einmal 0,35 oder 0,39 Dollar pro Kilowattstunde Strom. In Europa kostet die gleiche Strommenge schnell 0,60 bis 0,80 Euro – mehr als doppelt so viel. Gezahlt werden kann wie bei uns per App oder Ladekarte. Dann wird es bisweilen sogar noch günstiger, denn einige Hersteller verkaufen ihre Elektroautos gleich mit ein bis zwei Jahren Ladestrom inklusive. Und die normalen Preise an der Schnellladesäule werden oftmals per Apple Pay, Google Pay oder einfach Kreditkarte gezahlt – flexibler als in den USA und speziell in Staaten wie Kalifornien geht es kaum. 

Elektroauto laden in den USA: Große Unterschiede zwischen den Bundesstaaten

Dabei unterscheiden sich die Preise an den Ladestationen nicht nur danach, ob ein Vertrag existiert oder nicht, denn die einzelnen Bundesstaaten haben bisweilen mächtige Unterschiede. Kostet eine Kilowattstunde in Staaten wie New York, Florida oder Kalifornien ohne Rahmenkontrakt bei Electrify America beispielsweise tagsüber 0,43 Dollar, wird in einzelnen Staaten allein pro Minute abgerechnet. Bis zu einer Geschwindigkeit von 90 kW sind es 0,16 Dollar pro Minute – bis 350 kW dann 0,32 Dollar pro Zeiteinheit. Für die Spartarife ist lediglich eine Grundgebühr von vier Dollar pro Monat zu entrichten, die sich mit zweimal nachladen auszahlt. 

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Elektroauto laden in den USA: Ladesäulen von EV Go lassen sich im Voraus buchen

Der Anbieter EV Go verkündet stolz, dass rund 140 Millionen Amerikaner in einer Reichweite von zehn Meilen zu einem EV-Go-Lader wohnen. Insgesamt bietet EV Go 850 Schnellladestationen in 60 Metropolregionen. Die Preise pro Kilowattstunde liegen mit 0,22 bis 0,34 Dollar ebenfalls deutlich unter den europäischen Konditionen. Besonders praktisch: einzelne Ladestationen lassen sich im Voraus buchen, sodass diese nicht von anderen Elektroautonutzern belegt sind, wenn man eintrifft. „EV Go hat sich dem Ziel „Electric For All“ verschrieben, und die Verfügbarkeit von öffentlichen Schnellladestationen ist der Schlüssel dazu, dass dies für alle Fahrer von Elektroautos, insbesondere aber für Rideshare-Fahrer, Realität wird“, so Jonathan Levy, Chief Commercial Officer bei EVgo.

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Elektroauto laden in den USA: Problematisch ist die Situation oft abseits der Metropolen und Küstenregionen

Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es abseits der Küstenregionen und speziell der großen Metropolen trotz umfangreicher Bestrebungen bisweilen schwierig werden kann. Wer beispielsweise auf der Route 66 unterwegs ist oder den Flächenstaat USA auf dem Lincoln Highway von San Francisco nach New York mit einer Strecke von mehr als 5.000 Kilometern per E-Fahrzeug durchqueren will, der sollte sich vorher Gedanken über seine Zwischenstopps machen. Selbst auf den klassischen Touristenrouten ist es mit einem Elektroauto mitunter schwierig. Das liegt nicht nur an der überschaubaren Anzahl von Ladern an sich, sondern speziell an den fehlenden Schnellladern, denn wenn eine Ladesäule in der Nähe von Bankgebäuden oder Cafés zum Verweilen einlädt, dann ist das Tempo oftmals ein Schneckenlader, der das eigene Akkupaket im Unterboden des Elektromodells mit kaum mehr als sieben oder maximal 22 Kilowatt erstarken lässt. Dann wird aus einem Kaffeestopp mit Sandwichpause schnell eine Übernachtung im nächstgelegenen Hotel. (Stefan Grundhoff/press-inform)

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