Ford Puma blau
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Markante Front mit Schlafzimmeraugen. Der Ford Puma ist erst seit 2019 im Programm aber ziemlich erfolgreich.

Eine Fahrzeug-Klasse, ein Hersteller, zwei Autos

SUV-Vergleich: Reicht der Ford Puma oder muss es ein Kuga für 9.000 Euro mehr sein?

Er kostet 9.000 Euro weniger, aber ist nur 42 Zentimeter kürzer als die hausinterne Konkurrenz. Reicht der kleinere Ford Puma oder muss es gleich ein Kuga sein?

  • Im Segment der kompakten SUVs bietet Ford gleich zwei Modelle an.
  • Die kleine oder die große Katze? Wer sieht besser aus, wer fährt besser?
  • Wir verraten, welches der beiden Modelle sogar ein Waschbecken hat.

Mit dem kleinen Puma ist Ford ein großer Wurf gelungen: Der SUV mit dem Schlafzimmer-Blick hat nicht nur Design-Preise abgeholt, sondern sich bei den Verkaufszahlen in Deutschland mittlerweile an die Top 25 herangerobbt und liefert sich mit dem 1er BMW dort ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Konzernintern betrachtet ist nur noch der Kuga bei den Verkäufern beliebter.

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Deutlich dynamischer und größer als sein Vorgänger präsentiert sich der Ford Kuga ST-Line X. Ein Kurvenräuber ist er dennoch nicht.

Der Unterschied: 42, 7 und 13

Die beiden SUVs unterscheiden sich vor allem aufgrund der technischen Plattformen, auf denen sie gebaut werden. Hier der Fiesta, dort der Focus. Und damit auch bei den Fahrzeug-Dimensionen. Vergleicht man die beiden ST-Line X-Modelle, so sind es am Ende nur 42 Zentimeter in der Länge, 7 Zentimeter in der Breite und 13 Zentimeter in der Höhe. Nicht zu vergessen ist der Radstand. Hier hat der Kuga seine Nase mit 2,71 Metern vorne, der Puma hinkt mit 2,59 Metern hinterher – damit fehlen den Passagieren zwölf Zentimeter Platz. Sind diese Zahlenspielereien nur Schall und Rauch, wenn es um den Alltagsbetrieb geht? Wir haben die beiden Ford-SUVs auf Herz und Nieren getestet.

Das Panoramadach im Ford Puma sorgt für mehr Licht und ein besseres Raumgefühl.

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Beim Sprint schlägt das Kätzchen die Katze

Apropos Herz. Das schlägt trotz der immer größer werdenden Bedeutung der digitalen Komponenten noch immer unter der Motorhaube. Und hier wie da hat der Dreizylinder-Motor eine immer stärkere Bedeutung bekommen. Obwohl die Triebwerke der beiden gefahrenen Modelle unterschiedlich groß waren (1,0 Liter Hubraum beim Puma, 1,5 Liter beim Kuga) – bei der PS-Zahl rangieren die beiden fast auf Augenhöhe. Beim Puma sind es sogar fünf Pferdestärken mehr. Dass der Kleine damit den Großen an der Ampel stehen lässt – zumindest knapp -, liegt aber sicher nicht nur daran, sondern vor allem am Gewicht. Das Kätzchen sprintet in 9 Sekunden von 0 auf 100, die Katze braucht dazu 9,7 Sekunden.

Kompakt, vom Design her wenig aufregend, sieht der Ford Kuga ST-Line X von hinten aus. Mehr Familienkutsche als Lifestyler.

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Wer fährt sportlicher: Kuga oder Puma?

Was sicher aber auch am Hüftspeck liegt. Mit 1.280 kg wiegt der Puma stattliche 300 Kilogramm weniger. Und das merkt man auch beim Fahren. Der Kleine ist frech und spritzig beim Abzug, sogar das Sägen des Dreizylinders, der genauso wie beim Kuga als teilhybrides Fahrzeug von einem Elektromotor unterstützt wird, nervt ausnahmsweise nur wenig. Etwas behäbiger kommt der Kuga ST-Line X daher, wenn sich die Kraft auch dank eines stärkeren Drehmoments (240 statt 190 Nm) etwas bäriger anfühlt. Aber Größe und Gewicht sind nach wie vor Faktoren, die direkten Einfluss auf die Sportlichkeit eines Fahrzeugs haben. Daran ändern auch die vielen digitalen Assistenten nicht, die alle Fliehkräfte, vor allem die bei hochbeinigen SUVs, zu bändigen haben. Im Gegensatz dazu ist der Antrieb auf Wunsch „old school“. Die Sechs-Gang-Handschaltung macht aber nur beim Puma Spaß. Beim Kuga wünscht man sich ein Automatik-Getriebe, das gibt es aber nur bei den größeren Motorvarianten. Die 2,5-Liter-Duratec-Triebwerke leisten als Hybrid oder als Plug-In-Hybrid 190 respektive 225 PS. Der Vollständigkeit halber: Beim Puma ST-Line X kann man weniger Leistung haben, dann holt der Eco-Boost nur 125 PS aus den drei Zylindern. Oder beim sportlichen ST gleich wesentlich mehr. Mit der Sechsgang-Handschaltung rumpelt er sogar in 6,7 Sekunden von 0 auf 100.

Kraftvolle Hinterbacken. Der Ford Puma steht stämmig auf der Straße, fast schon pubertär.

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Wer von den beiden ist der Schluckspecht?

Beim Fahren setzt Ford sowohl bei Kuga als auch bei Puma – ST-Line typisch – auf eine knackige und stramme Umsetzung. Das Kätzchen fühlt sich einen Tick agiler an, der Kuga wirkt in den Kurven manchmal ein wenig teigig und bräsig. Klingt ein wenig nach kleingeistiger Korinthen-Sucherei – aber ein Vergleich ist eben ein Vergleich. Große Unterschiede zwischen den beiden SUVs gibt es auch nicht beim Verbrauch. Wer von den sportlichen Grundtugenden der beiden Modelle ausgiebig Gebrauch macht, sollte wissen: Das kostet bares Geld. Sowohl beim Puma sind wir mit den avisierten 5,5 Litern nicht ausgekommen (tatsächlich waren es um die sieben Liter), und beim Kuga kratzten wir an der Acht (6,6 sollten es sein). Das ist viel Treibstoff für wenig Motor. Da stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Downsizings. Immerhin bringt es wohl etwas beim Schadstoffausstoß. 124 g/km CO2 sind es beim Puma, 149 g/km beim Kuga (beides nach WLTP-Standard).

Hinter der Heckklappe des Pumas ist ordentlich Stauraum. Unter der Abdeckung gibt es noch eine zusätzliche 80 Liter große Box.

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Puma-Kofferraum: Der Gag mit dem Stöpsel

Kommen wir zu den Platzverhältnissen. Im Gegensatz zu den Fahrleistungen muss der Puma hier logischerweise den Kürzeren ziehen. Der längere Radstand bietet einfach mehr Komfort, vor allem wenn das Auto mit vier Passagieren besetzt ist. Und natürlich ist Größe und Länge nicht alles! Aber die 42 Zentimeter mehr merkt man nicht nur an der gestreckter Fahrzeug-Silhouette, sondern auch beim Beladen – allerdings erst, wenn die Rückbank umgeklappt wird. Denn im Normalzustand bietet der Puma 401 Liter, auch dank der zusätzlichen 80-Liter-Box, die sich unter dem Ladeboden befindet. Sie macht es zum einen möglich, auch hohe Gegenstände wie Pflanzen zu transportieren. Auf der anderen Seite kann man hier getrost schmutziges Gepäck mitnehmen. Die Box ist auswaschbar, unten gibt es einen Stöpsel um dreckige Brühe ablaufen zu lassen. Ein echtes Waschbecken. Beim Kuga stehen schon mal grundsätzlich 34 Liter mehr Ladevolumen zur Verfügung. Ist die Sitzbank erst umgeklappt, erweist sich der SUV als echter Lademeister. Mit 1.534 Litern bietet er etwas mehr als ein Audi A4 Avant, aber etwas weniger als ein VW Passat Variant.

Man muss schon genau hinschauen, um den Unterschied zwischen den Armaturentafeln zu finden. Das hier ist das Interieur des Puma.

Suchbild Cockpit – finde den Unterschied!

So deutlich die Unterschiede bei der Ladekapazität sind - so verblüffend ähnlich geht es im Cockpit zu. Wer Spaß daran hat, kann die Fotos der beiden Puma- und Kuga-Armaturenbretter gerne unter dem Motto „Such die Unterschiede“ betrachten. Von Kleinigkeiten abgesehen, dass es zum Beispiel beim Puma an den Luftdüsen rote Ledernähte gibt und den vier Druck-Knöpfen am Rande der Mittelkonsole beim Kuga (u.a. Einparkhilfe, Fahrstufenschalter), wird man nicht groß fündig. Vom Aufbau der Konsole bis hin zu den beiden Voll-Digitalen-Bildschirmen – man wüsste nicht, in welchem Modell man sitzt. Einziger Kritikpunkt ist hier die Größe des Infotainment-Displays. Mit mickrigen 8 Zoll läuft man hier der Konkurrenz hinterher.

So sieht der Fahrer des Kuga ST-Line das Cockpit. Die Unterschiede sind marginal, die Kritik die gleiche. Das Display ist zu klein.

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Puma oder Kuga – welcher SUV ist nun besser?

Für welchen Ford man sich letztendlich entscheidet, ist zunächst einmal eine Geschmacksfrage. Wer jugendlich-frisches Design schätzt, für den ist die Wahl klar. Wer mehr Platz braucht, weil zum ersten Kind ein zweites hinzukommt – oder wer häufig etwas zum Transportieren hat, der wird mit einem Puma nicht glücklich. Hier bietet der Kuga deutlich mehr. Auch bei der Anhängelast (Kuga 1.800 kg, Puma 1.100 kg). Von daher ist die Frage, ob man für 42 Zentimeter Länge 9.000 Euro mehr ausgeben muss, schon fast eine Gretchenfrage. Dass die Unterschiede zwischen Puma und Kuga letztendlich nicht so groß sind, liegt am modernen Fahrzeugbau – und vielleicht auch an den Namen der beiden Autos. Denn Kuga kommt aus dem englischen „Cougar“. Und das wiederum bedeutet Puma.

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Technische Daten Ford Puma 1,0 Eco Boost Hybrid St-Line X

  • Motor: Dreizylinder-Turbo-Benziner
  • Hubraum: 999 ccm
  • Maximale Leistung: 114 kW (155 PS)  
  • Maximales Drehmoment: 190 Nm   
  • Antrieb: Sechsgang-Handschalter, Vorderrad
  • 0-100 km/h: 9,0 s
  • Spitze: 205 km/h
  • Normverbrauch: 5,5 l Super-Benzin auf 100 km
  • CO2-Emission (WLTP): 124 g/km
  • Länge / Breite / Höhe: 4,21 / 1,81 / 1,55 Meter
  • Kofferraumvolumen: 401 - 1161 l
  • Leergewicht / Zul: 1280 / 480 kg
  • Anhängelast (gebr.): 1.100 kg
  • Preis ab 30.000 Euro (Aktionspreis: 26.140 Euro)

Technische Daten Ford Kuga 1,5 Eco Boost St-Line X

  • Motor: Dreizylinder-Turbo-Benziner
  • Hubraum: 1.496 ccm
  • Maximale Leistung: 110 kW (150 PS)  
  • Maximales Drehmoment: 240 Nm  
  • Antrieb: Sechsgang-Handschalter, Vorderrad
  • 0-100 km/h: 9,7 s
  • Spitze: 195 km/h
  • Normverbrauch: 6,6 l/100 km
  • CO2-Emission: 149 g/km
  • Länge / Breite / Höhe: 4,63 / 1,88 / 1,68 Meter
  • Kofferraumvolumen: 435 - 1534 l
  • Leergewicht / Zul.: 1564 / 511 kg
  • Anhängelast (gebr.): 1.800 kg
  • Preis ab 39.050 Euro (Aktionspreis: 34.790 Euro)

Rudolf Bögel *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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