Psychische Erkrankungen und keinen Therapieplatz?
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Je früher psychische Erkrankungen behandelt werden, desto besser in der Regel die Heilungschancen.

Psychische Erkrankungen als Folge der Coronapandemie?

Depression bis Angststörung: Therapieplätze sind Mangelware – Wo Betroffene jetzt Hilfe finden

Depressionen und psychische Erkrankungen nehmen in der Pandemie zu. Die notwendige Hilfe bekommen aufgrund eines Defizits an Behandlungsplätzen aber nur die Wenigsten.

Die Welt steht Kopf! Das Coronavirus dominiert seit Anfang 2020 die Medien. Es betrifft alle Bereiche des persönlichen Lebens. Nicht nur politisch und wirtschaftlich zeigen sich Veränderungen, auch die Gesellschaft steht im Wandel. Ein Lockdown folgt dem nächsten und zwingt die Menschen dadurch sich sozial zu isolieren* bzw. von ihren Mitmenschen zu distanzieren. Die psychische Belastung in der Bevölkerung wird durch Themen wie Existenzängste, Geldnöte oder steigendes Gewaltpotenzial extrem erhöht. Psychische Erkrankungen in der Gesellschaft sind die Folge.

Die immer wiederkehrenden Corona-Maßnahmen erschweren die Versorgung psychisch erkrankter Personen. Die Folge: Terminverschiebungen und Ausfälle. Wie die deutsche Depressionshilfe informiert, berichten 22 Prozent der Befragten in einer depressiven Phase von ausgefallenen Facharzt-Terminen in den letzten sechs Monaten (September 2020 - Februar 2021), bei 18 Prozent fiel ein Termin beim Psychotherapeuten aus. 21 Prozent der Betroffenen geben an, von sich aus Behandlungstermin aus Angst vor einer Ansteckung abgesagt zu haben (plus acht Prozentpunkte im Vergleich zum ersten Lockdown).

Bereits erkrankte Personen als auch Neupatienten ringen um Therapieplätze beim Psychotherapeuten. Warum ist es in Deutschland so schwer einen Therapieplatz zu bekommen? Warum sind lange Wartezeiten keine Ausnahme?

Nachfrage nach psychologischer Betreuung steigt

Laut der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V sind in Deutschland jedes Jahr etwa 27,8 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen. Das entspricht rund 17,8 Millionen betroffenen Personen. Zu den häufigsten Erkrankungen zählen Angststörungen (15,4 Prozent), gefolgt von affektiven Störungen (9,8 Prozent, unipolare Depression allein 8,2 Prozent) und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum* (5,7 Prozent).

Umfrage zum Thema psychische Gesundheit

Nach einer Umfrage der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung vom Januar 2021 erhielten niedergelassene Psychotherapeut*innen deutlich mehr Anfragen als im Januar 2020. Stellten Patient*innen im vergangenen Jahr im Schnitt 4,9 Anfragen pro Woche, waren es 2021 6,9. Allein der Anteil an Psychotherapeut*innen, die mehr als zehn Anfragen pro Woche erhielten, verdoppelte sich dabei. Nur zehn Prozent der Anfragenden konnten innerhalb eines Monats einen Behandlungsplatz erhalten. Knapp 40 Prozent mussten länger als sechs Monate warten.

Das Angebot für Betroffene sollte demnach unbedingt ausgeweitet werden. Privatpraxen werden dazu aufgerufen, Menschen mit gesetzlicher Krankenversicherung vorzeitig aufzunehmen und zu behandeln.

Sie bekommen keinen Therapieplatz? Was nun?

Im Folgenden möchten wir Ihnen einige Alternativen aufzeigen, die helfen können, eine lange Wartezeit zu überbrücken. Alle Alternativen ersetzen keine professionelle psychotherapeutische Versorgung, sondern stellen ausschließlich eine Überbrückungsmöglichkeit dar.

  • Terminservicestellen: Die Bundesregierung ist dazu angehalten Alternativen bereitzustellen, um eine psychotherapeutische Versorgung für jeden zu ermöglichen. Die Kassenärztliche Vereinigung bietet Terminservicestellen an und ist gesetzlich dazu verpflichtet, innerhalb von vier Wochen einen Behandlungstermin anzubieten.
  • Beratungsstellen: Alternativ besteht die Möglichkeit zum Aufsuchen von psychologischen Beratungsstellen. In der Regel bekommen Betroffene relativ spontan einen Termin vor Ort. Es dient vor allem zur Überbrückung bis ein geeigneter Therapieplatz gefunden werden kann.
  • Selbsthilfegruppen: In Selbsthilfegruppen treffen Menschen mit ähnlichen Problemen aufeinander. Der gegenseitige Austausch und der Kontakt zu Betroffenen kann sehr hilfreich sein. Eine deutschlandweite Übersicht der bestehenden Selbsthilfegruppen finden Sie hier: https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/wo-finde-ich-hilfe/selbsthilfegruppen
  • Online-Psychotherapie: In Zeiten der Digitalisierung bieten Therapeuten Online-Angebote für Betroffene an. Auch dies kann eine Überbrückung bis zum eigentlichen Therapieplatz darstellen. Mehr über Online-Selbsthilfe-Programme finden Sie hier*.
  • Telefonische Beratungsdienste: Gerade für sehr akute Themen können Betroffene sich bei telefonischen Beratungsdiensten melden. Dort werden Sie von geschultem Personal entsprechend telefonisch betreut. Hier finden sie die bekanntesten telefonischen Beratungsdienste: https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/wo-finde-ich-hilfe/info-telefon

Lebenssituation durch Struktur verbessern

Struktur löst Ihre Probleme definitiv nicht in Luft auf. Es kann jedoch dabei helfen, Ihren Alltag in kleinen Schritten besser zu meistern. Schreiben Sie sich einen Wochenplan mit Erledigungen/Aufgaben und Aktivitäten, die Ihnen Freude bereiten. Ein langer Spaziergang oder das Ausüben eines Hobbys kann den Gemütszustand für kurze Dauer auf jeden Fall verbessern. Autor: Michelle Weiß, *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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