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Am Rande des Abgrunds: Das sollten Sie über das Burn-on-Syndrom wissen

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Stress in der Arbeitswelt: Immer häufiger führt das auf Dauer zum Burnout.
Viele Menschen stehen immer unter Stress - das kann zu einem sogenannten Burn-on führen. © Antti Aimo-Koivisto/dpa

Der klassische Burn-out ist ein mittlerweile bekanntes Phänomen - Betroffene brennen bis zur vollkommenen Erschöpfung aus. Anders äußert sich das sogenannte Burn-on-Syndrom. Hier bewegen sich darunter leidende Personen dauerhaft am Rande der Überforderung.

Bad Saulgau/Fulda - Während Burn-out-Patienten im Alltag irgendwann einfach nicht mehr funktionieren, komplett zusammenbrechen, bewegen sich Burn-on-Betroffene über Monate oder gar Jahre immer gerade am Rande dieses Zusammenbruchs. So erklärt es etwa die Barmer-Krankenkasse in einem Bericht auf ihrer Internetseite.

Am Rande der totalen Erschöpfung: Das sollten Sie über das Burn-on-Syndrom wissen

Dr. Steffen Häfner, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotheratpie sowie ärztlicher Direktor der Klinik am schönen Moos in Bad Saulgau (Baden-Württemberg), beschreibt es wie folgt: „Personen, die unter Burn-on leiden, zeigen zwar noch die Fähigkeit, ihren alltäglichen Aufgaben nachzukommen. Gleichzeitig fühlen sie sich aber dauerhaft überfordert und ausgelaugt. Die Bewältigung des Alltags erfolgt praktisch mit letzter Kraft und in der Regel müssen als Erstes Freizeitaktivitäten dem Druck weichen.“

Meist steht die Arbeit im Fokus der Betroffenen, inklusive ständiger Erreichbarkeit. Abschalten ist da kaum möglich. Hinzu kommen Aufgaben im Alltag, Kinder oder pflegebedürftige Eltern, die Partnerschaft. Vor allem Freizeit und Beziehungen litten stark unter der Belastung, so der Experte. Und die eigene Gesundheit.

Dauerhafte Erschöpfung, Schlafprobleme, Bluthochdruck, Kopfschmerzen oder Verspannungen – dies sind laut Häfner die gängigen Symptome des Burn-on-Syndroms. Hinzu kommt: Beim Burn-on bleibt, trotz der Überforderung, eine positive Einstellung, beispielsweise gegenüber der Arbeit, erhalten. Betroffene von Burn-out entwickeln hingegen eher eine resignierende und ablehnende Einstellung zum Auslöser der Belastung.

Fast wie ein Burn-out - nur funktionieren die Betroffenen weiter

Wie die Barmer berichtet, gehe der Begriff des „Burn-on“ auf Timo Schiele und Berndt te Wildt zurück, die das Phänomen in ihrem Buch „Burn On: Immer kurz vorm Burn Out“ beschreiben. Auf den Begriff gekommen seien der leitende Psychologe sowie der Chefarzt der Psychosomatischen Klinik im Kloster Dießen am Ammersee durch Beobachtungen und Gespräche, die sie mit Patienten geführt hatten. Die Symptome hatten nicht ganz ins Bild eines Burn-outs gepasst.

Steffen Häfner beschreibt einen weiteren Unterschied zwischen dem Burn-out und dem Burn-on: die zeitliche Dimension. „Während Burn-out akut ist, manifestiert sich Burn-on chronisch, was den Ausstieg aus dem Teufelskreis erschwert. Betroffene neigen dazu, ihre anhaltenden körperlichen Symptome wie Verspannungen oder Schlafprobleme isoliert zu betrachten. Viele suchen daher oft Hilfe bei Physiotherapeuten, ohne die eigentliche Ursache zu erkennen.“

Buchautor Timo Schiele beschreibt zudem Gefühle der Verzweiflung, Sinnlosigkeit, Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit sowie der Verlust der Freudfähigkeit. Das Burn-on-Syndrom lasse sich gut als chronische Erschöpfungsdepression beschreiben, deren Ursache für viele Betroffene aber schwierig greifbar sei.

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Da das Burn-on-Phänomen und der zugehörige Begriff noch ein relativ neues ist, gibt bisher noch keine Studien oder Zahlen dazu, als eigenständige Krankheit ist es nicht definiert oder anerkannt, heißt es auf der Internetseite der Barmer. Im Artikel wird Timo Schiele, Mitbegründer des Burn-on-Begriffs, zitiert: „Es bedeutet Betroffenen jedoch viel, dass es für das, was sie innerlich erleben, einen Begriff gibt.“

Steffen Häfner gibt vielfältige Gründe für das Auftreten des Burn-on-Syndroms an: „Die Gründe spiegeln die Belastungen unserer Leistungsgesellschaft wider. In der Regel spielen ständige Erreichbarkeit, hohe eigene Ansprüche, Herausforderungen der Kinderbetreuung oder finanzielle Nöte eine wichtige Rolle. Und auch Studenten und Berufseinsteiger sind von diesem anhaltenden Druck betroffen.“

Video: Tipps gegen Burnout: So helfen Sie sich selbst

Häfner hat zudem einige Tipps, um dem Burn-on-Syndrom entgegenzuwirken. Zunächst gelte es, den Stress und die Überlastung überhaupt zu erkennen: „Sobald immer mehr freudebringende Aktivitäten aus dem Alltag verschwinden, gilt es zu handeln.“ Es müsse dann nicht gleich das ganze Leben umgekrempelt werden. Oft helfe es schon, sich feste Zeiten für Ruhepausen, Hobbys und Pausen vom Handy und Social Media einzurichten.

Weiterhin helfe es, die mentale und emotionale Widerstandskraft zu stärken: „Mehr Akzeptanz, Optimismus und eine weniger perfektionistische Einstellung lassen sich wie ein Muskel trainieren“, so Experte Häfner. Und wer sich dauerhaft überfordert fühle, sollte nicht zögern, sich professionelle Hilfe zu suchen. Hausärzte und Psychotherapeuten könnten Betroffenen weiterhelfen.

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