Mann sitzt auf Klopapier
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Hier hat es sich jemand auf seinen im März 2020 schwer zu ergatternden Klopapierrollen bequem gemacht.

Klopapier-Vorräte

Waren Sie Hamsterkäufer? Dann sind Sie emotional labil, sagen Forscher

Forscher kommen zu einer brisanten These: Wer in der Coronakrise zum Horten geneigt und große Vorräte angelegt hat, soll ein eher unerfreuliches Persönlichkeitsmerkmal aufweisen.

  • Während der Zeit der Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie* wurde Klopapier knapp: Viele Menschen hatten das Bedürfnis, sich riesige Vorräte Toilettenpapier zuzulegen.
  • Viele Supermärkte griffen zu drastischen Maßnahmen, um den hemmungslosen Kauf zu unterbinden. Damit genügend Klopapier für alle da war, durften vielerorts nur noch zwei Packungen pro Einkäufer verkauft werden.
  • Forscher befassten sich jetzt mit der Frage, was extremes Horten über unsere Persönlichkeit aussagt.

Als die Coronavirus-Pandemie Deutschland erreichte, gerieten nicht wenige durch die auferlegten Ausgangsbeschränkungen in Panik. Nicht zuletzt die leer gefegten Supermarktregale haben gezeigt: der Ausbruch der bis dahin unbekannten Krankheit verunsicherte die Menschen zutiefst, die Angst trieb viele zu Hamsterkäufen.

Ein deutsch-schweizerisches Forscherteam hat sich mit dem Phänomen näher beschäftigt und untersuchte, ob das Horten mit der individuellen Angst vor dem Virus und bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängt. Ihre Ergenisse veröffentlichten sie im Fachmagazin PloS ONE.

Wer hamstert ist gewissenhaft und ordnungsliebend - und auch labil?

Eine wesentliche Erkenntnis, die die Wissenschaftler aus ihren Online-Befragungen schlussfolgerten: Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus und das Anlegen von Klopapier-Vorräten hängen eng zusammen. Zudem fiel den Studienleitern auf, dass vor allem extrem gewissenhafte und ordnungsliebende Menschen zum hamstern neigten. „Die subjektiv empfundene Bedrohung durch Covid-19 scheint ein wichtiger Auslöser für das Horten von Klopapier zu sein“, zitiert das Wissenschaftsportal wissenschaft-aktuell die Forscher um Theo Toppe vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig: „Aber wir sind noch weit davon entfernt, dieses Phänomen umfassend zu verstehen.“

Vor allem für die Persönlichkeitsmerkmale der rund tausend online befragten Menschen aus Europa und Nordamerika interessierten sich die Forschenden. In der Befragung, die Ende März 2020 durchgeführt wurde, ermittelten die Wissenschaftler, wie viele Rollen Klopapier die Studienteilnehmer innerhalb der letzten zwei Wochen gekauft hatten, wie viele Rollen sie derzeit in ihrer Wohnung lagern und wie stark sie sich durch Covid-19 bedroht fühlten. Außerdem zogen die Studienleiter anhand eines speziellen Fragenkatalogs Rückschlüsse auf Persönlichkeitsmerkmale wie Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit für Erfahrungen, Extraversion, emotionale Labilität sowie Ehrlichkeit und Bescheidenheit. Ihre Ergebnisse: Je stärker die gefühlte Bedrohung, desto größer war der Vorrat an Klopapier. Eine erhöhte emotionale Labilität verstärkte die Angst und hatte so auch einen indirekten Einfluss auf das Kaufverhalten, wie wissenschaft-aktuell berichtet. (jg) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Zur Studie

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