Erste Erfahrungen mit Impfpflicht

Masern-Impfung: Ärzte gehen von "positivem Effekt" für Impfquoten aus

Die Masern-Impfpflicht gilt seit März. Kinderärzte sind positiv gestimmt, doch über ein kleines Detail sind sie verärgert.

  • Im März 2020 wurde die Masern-Impfpflicht* in Deutschland eingeführt.
  • Jetzt ziehen Ärzte eine erste Bilanz zur Impfquote.
  • Aus diesen Gründen lohnt sich eine Masern*-Impfung.

Update vom 15. Juni 2020: Kinderärzte sehen positiven Effekt durch Masern-Impfpflicht

Nachdem die Impfpflicht gegen die Masern seit nunmehr drei Monaten in Kraft ist, ziehen Kinderärzte in Berlin eine erste Bilanz. Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) für Berlin, spricht von einem "positiven Effekt". Trotz der Coronavirus-Krise* seien Masern-Impfungen durchgeführt worden. Gleichzeitig habe die Virus-Pandemie dem stark umstrittenen Thema etwas die Brisanz genommen.

Der BVKJ hatte schon lange eine Masern-Impfpflicht gefordert. Ein Großteil der Eltern sei jetzt froh, durch die Impfpflicht bei vielen Kindern an die Impfung erinnert zu werden. "Einige Eltern, die sich bisher gesträubt haben zu impfen, nehmen es jetzt zähneknirschend hin", sagte Jakob Maske der Deutschen Presse-Agentur.

Über ein kleines Detail klagen die Ärzte seit der Einführung der Impfpflicht. Viele Eltern würden nach einer Bescheinung der Masern-Impfung fragen. Das Ausstellen "unsinniger Bescheinigungen" sei jedoch nicht Aufgabe der Ärzte. Schließlich werde die Impfung wie viele andere in die gelben Impfausweise eingetragen und das würde auch in diesem Fall als Nachweis ausreichen. Das Bundesgesundheitsministerium schreibt auf seiner Webseite, der Nachweis könne mit dem gelben Kinderuntersuchungsheft, dem Impfausweis, oder einem Attest vom Arzt, etwa über bereits durchgemachte Masern, erbracht werden.

Die Masernimpfpflicht tritt ab 1. März in Kraft.

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Ursprungsmeldung vom 27. Februar 2020: Masern-Impfplicht: Das erwartet Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen

Ab März gilt in deutschen Schulen und Kitas die Masern-Impfpflicht. Die Bundesregierung will so einem erneuten Anstieg von gefährlichen Masern-Infektionen vorbeugen.

Von 2014 bis 2018 meldeten Mediziner 3.178 Masernfälle an das Robert Koch-Institut (RKI) als Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten. Obwohl eine wirksame Impfung gegen Masernviren zur Verfügung steht, stirbt die Krankheit nicht aus, weil sich viele Menschen bewusst gegen eine Impfung entscheiden oder schlicht nicht von einer solchen wissen.

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sind in der Europäischen Region von Januar 2018 bis Juni 2019 mehr als 100 Personen an den Masern gestorben - vor dem Hintergrund, dass eine Impfung dies hätte verhindern können, bestehe hier enormer Handlungsbedarf. In Deutschland waren bis Mitte November 2019 503 Masernfälle und ein Todesfall gemeldet worden. Jetzt soll eine Impfpflicht weitere Masernausbrüche verhindern.

Masern-Impfquote zu niedrig - Masernschutzgesetz wird eingeführt

Die Masern als eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten beim Menschen können gerade bei Kleinkindern aber auch bei Erwachsenen schwerwiegende Folgen haben. Dazu zählen Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, Durchfall und lebensbedrohliche Gehirnentzündung (Enzephalitis*). Auch Spätfolgen wie etwa die subakute sklerosierende Panenzephalitits (SSPE), die meist tödlich verläuft, wurden berichtet.

Die beste Möglichkeit, sich selbst und andere vor einer Masern-Infektion zu schützen, ist eine Impfung. Doch die Impfquoten sind weiterhin zu niedrig, wie aus einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Robert Koch-Instituts hervorgeht. Demnach haben zwar 97,1 Prozent der Schulanfänger die erste Impfung bekommen, die Impfquote der von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen zweite Masern-Impfung bei Kindern im Alter von 24 Monaten liege allerdings nur bei 73,9 Prozent.

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Spahn: "Denn wer sich impft, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft"

Um die Impfquote zu erhöhen, wurde das Masernschutzgesetz im Bundestag beschlossen und am 20. Dezember 2019 vom Bundesrat gebilligt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärte: "Trotz aller Aufklärungskampagnen sind die Impfquoten in den vergangenen Jahren nicht entscheidend gestiegen. Deshalb muss die Masern-Impfung in Kindergärten und Schule verpflichtend werden. Denn wer sich impft, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft. 95 Prozent der Bevölkerung müssen gegen Masern geimpft sein, damit diese hochansteckende Viruserkrankung ausgerottet werden kann. Das ist unser Ziel."

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Die gesetzliche Impfpflicht gegen Masern soll auch Menschen schützen, die sich nicht selbst schützen können wie etwa Schwangere oder Menschen mit einer Immunschwäche. Diese seien darauf angewiesen, dass sich andere solidarisch verhalten und sich impfen lassen, so das Bundesministerium für Gesundheit.

Das neue Gesetz sieht vor, dass Kindertagesstätten, Kinderheime und Schulen ab Anfang März sicherstellen, dass alle betreuten Kinder und Jugendlichen sowie alle Mitarbeiter, Lehrer und Erzieher gegen Masern geimpft sindNötig sind zwei Impfungen, um die nötige Schutzwirkung zu erzielen.

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Wer Masernimpfpflicht missachtet, dem droht Kündigung

Doch viele Eltern verweigern die Impfung. In dem Fall sieht das Masernschutzgesetz ein Bußgeld oder Zwangsgeld vor, jedoch sind die Formulierungen im Gesetz eher vage gehalten, wie der Spiegel berichtete. Wenn allerdings Kita-Mitarbeiter oder Lehrer der Impfplicht nicht nachkommen, droht ihnen Abmahnung, Kündigung oder sogar außerordentliche Kündigung*.

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jg

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