Krebsbehandlung ohne Nebenwirkung? Nicht immer muss eine Chemotherapie zu Haarausfall führen
Eine Chemotherapie bringen die meisten mit Haarausfall in Verbindung. Doch nicht immer muss es durch die Krebsbehandlung dazu kommen, wie es bei Prinzessin Kate zu sein scheint.
Die Diagnose Krebs ist für Betroffene unweigerlich mit vielen Ängsten verbunden. Neben der Angst vorm Sterben, auch die Angst vor der Therapie und möglichen Folgen, wie dem Haarausfall, der die Erkrankung auf bittere Art und Weise nach außen hin sichtbar macht. Gerade eine Chemotherapie führt unweigerlich zu Haarausfall, würden die meisten Patienten zunächst annehmen und befürchten. Doch nicht in jedem Fall muss es dazu kommen – so möglicherweise auch bei Prinzessin Kate, die nach ihrer adjuvanten Chemotherapie mit vollem Haar wieder in der Öffentlichkeit auftritt. Fünf Faktoren in der Krebstherapie nehmen Einfluss darauf, ob es zum Verlust der Haare kommt oder nicht.
Adjuvante Krebstherapie: Ist Haarausfall etwa keine Nebenwirkung?

Prinzessin Kate hatte sich nach ihrer Krebsdiagnose zunächst als ersten Behandlungsschritt einer Operation unterzogen. Auf Anraten der Ärzte wurde anschließend eine adjuvante Chemotherapie durchgeführt. Diese wird als Ergänzung zur Operation und zur Vorbeugung gewählt, wenn nicht alle Krebszellen chirurgisch entfernt werden konnten. So kann das Rückfall- und letztlich auch das Sterberisiko gesenkt werden, wie die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) informiert.
Welche Krebsart bei Prinzession Kate vorliegt, ist bisher nicht bekannt. Eine adjuvante Chemotherapie, die in der Regel sechs bis acht Wochen nach der Operation beginnt, wird tatsächlich bei folgenden Krebsarten am ehesten durchgeführt:
- Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom)
- Enddarmkrebs (Rektumkarzinom)
- Brustkrebs (Mammakarzinom)
- Prostatakrebs (Prostatakarzinom)
Letztlich ist aber ein Haarausfall auch bei der adjuvanten Chemotherapie möglich und nicht ausgeschlossen. Ob es zum Haarausfall kommt oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Haarausfall durch Krebsbehandlung: In welchen Fällen es dazu kommen kann
Auch wenn der Verlust der Haare als typische und gefürchtete Nebenwirkung einer Chemotherapie gilt, so verursacht doch nicht jedes Medikament (Zytostatikum), das eingesetzt wird, automatisch Haarausfall. Fünf Faktoren spielen laut der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) für das erhöhte Risiko eines Haarverlusts nach einer Chemotherapie eine Rolle:
- Die Darreichungsform ist entscheidend, das heißt, ob das Medikament direkt ins Blut über die Vene gegeben wird.
- Hohe Dosen an Medikamenten, die in kurzen Abständen verabreicht werden.
- Wenn bestimmte Medikamente verabreicht werden, die besonders auf die schnell teilenden Zellen wirken (darunter fallen auch Haarzellen).
- Verschiedene Zytostatika-Medikamente, die miteinander kombiniert werden.
- Genetische Veranlagung
Chemotherapie: Ab welchem Zeitpunkt beginnen die Haare auszufallen?
Etwa zwei bis vier Wochen nach dem Beginn der Chemotherapie kann es zum ersten Verlust der Haare kommen. Sichtbar wird dieser aber meist erst, wenn etwa die Hälfte der Deckhaare ausgefallen sind. Betroffen sein kann dabei nicht nur das Kopfhaar, auch Wimpern, Körperhaare, Augenbrauen und Barthaare werden nicht selten als Reaktion auf die Zytostatika-Medikamente abgestoßen.
Haarverlust bei anderen Krebstherapien zwar möglich, aber eher selten
Je nachdem, welcher Krebs bei einem Patienten vorliegt, wird entsprechend der medizinischen Onkologie-Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) eine entsprechende Therapie angesetzt. Nicht in jedem Fall ist eine Chemotherapie die Behandlung der ersten und alleinigen Wahl. Daneben gibt es noch die Möglichkeit der Strahlentherapie, Hormontherapie, Immuntherapie sowie zielgerichteten Krebstherapie.
Bei einer Strahlentherapie werden Kopf- und Körperbehaarung nur geschädigt und können ausfallen, wenn Strahlen dort eintreffen. Werden Patienten mit einer Krebsimmuntherapie behandelt, ist Haarausfall eher eine seltene Nebenwirkung. Bei manchen Betroffenen kann das Haar ähnlich zur Hormontherapie dünner werden oder es kommt zu fleckenförmigem, kreisrundem Haarverlust. Zielgerichtete Therapien, beispielsweise zur Behandlung von Lungenkrebs oder Hirntumoren, führen selten zu starkem Haarausfall – in manchen Fällen vielmehr zu diffusem, das heißt wenig sichtbarem Verlust der Haare (Über 50 bis 100 Haare fallen pro Tag aus).
Chemotherapie: Art und Schwere der allgemeinen Nebenwirkungen hängt von vier Faktoren ab
Da Zytostatika besonders stark auf schnell teilende Zellen wirken, treten viele Nebenwirkungen in gesunden Geweben auf, die ebenfalls eine hohe Teilungsrate haben, wie Haare, Knochenmark und Schleimhäute. Dies kann zu einer Vielzahl unerwünschter Effekte führen. Inwieweit welche Nebenwirkung in welchem Ausmaß auftritt, wird von vier Faktoren beeinflusst:
- Welche Medikamente eingesetzt werden
- Dosierung der Zytostatika
- Allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten
- Die individuelle Reaktion des Körpers auf die Behandlung
Die häufigsten Nebenwirkungen von Zytostatika im Rahmen einer Chemotherapie umfassen laut des Arzneimittelverzeichnisses Gelbe Liste:
- Übelkeit
- Erbrechen
- Haarausfall
- Schmerzhafte Entzündungen im Mund- und Rachenraum
- Verminderung der roten und/oder weißen Blutkörperchen, wodurch das Immunsystem mitunter stark geschwächt wird
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.
