Maybrit Illner diskutierte über den machtkampf in der CDU.
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Maybrit Illner diskutierte über den machtkampf in der CDU.

Illner-Talk im ZDF

Verzweiflung der CDU:  Wenn Tilman Kuban wie ein wütender Kläffer dazwischenkeift

Eine konfrontative CDU-Führung winkt im Talk bei Maybrit Illner Freund wie Feind am Unfallort ihrer selbstverschuldeten Katastrophe vorbei: Hier gibt es nichts zu sehen.

  • Maybrit Illner spricht über den Machtkampf in der CDU
  • JU-Chef Tilman Kuban tönt: „Wir werden uns nicht selbst zerfleischen“
  • CDU gibt trostloses Bild ab

„Jetzt hat es auch die CDU erwischt“, stellt Maybrit Illner trocken klar. Nach dem PR-Debakel von Thüringen und dem Hinwurf der niedertolerierten AKK will die Talkerin von Partei-Größen, politischen Konkurrenten, Journalisten und Politikwissenschaftlern wissen, wie es mit „der letzten Volkspartei“ weitergeht. Dass keiner darauf antworten kann oder will, war vorhersehbar. Der trotzig-aggressive Tonfall dabei nicht unbedingt.

Illner-Talk im ZDF: CDU-Strategie wirkt nervenaufreibend und ärgerlich

Man ist von der CDU ja nicht erst seit der erbärmlich gehandhabten Rezo-Zerstörung eine gewisse Lern-Resistenz und eine gänzlich unverdiente Arroganz gewohnt. Im Gegensatz zur kleinlauten SPD, die ihre Krise mit öffentlicher Larmoyanz und Asche-aufs-Haupt-Reiben verbringt, scheint man bei der Union der Meinung, dass eine Krise nicht existiert, wenn man nur laut genug vom Thema ablenkt und alle anderen beschimpft. Es bleibt offen, ob eine solche Strategie beim Wähler vielleicht sogar funktioniert – in den Talkshows wirkt sie jedenfalls nervenaufreibend und ärgerlich.

Nach einer kurze Rückschau auf eine mit Fehlern behafteten Amtszeit der designierten Merkel-Nachfolgerin beteuert ausgerechnet der Bundesvorsitzender Junge Union, Tilman Kuban, seinen „großen Respekt“ gegenüber Kramp-Karrenbauer, an deren Demontage er noch kürzlich so herzhaft mitgefeilt hatte. Und: „Wir werden unsere Krise viel besser meistern als die SPD“.

Illner-Talk im ZDF: CDU schaut lieber nach vorne als zurück

Überhaupt schaut man viel lieber nach vorne als zurück. Wie man in die Situation gekommen ist? Warum man den Kampf gegen den rechten UND den linken Flügel verliert? Wie die gerade noch starkgeredete Vorsitzende abhanden gekommen ist? Nicht so wichtig. Hier gibt es nichts zu sehen. Wichtig ist nur, dass die Zukunft natürlich rosig ist: Man hat erstklassige Kandidaten aus der ersten Reihe, ein „Luxusproblem“ laut dem saarländischen CDU-Ministerpräsidenten Tobias Hans. Worauf sich die Autorität des neun Vorsitzenden in einer zerstrittenen Partei stützen soll und was dessen Umgang mit dem geschaffenen Scherbenhaufen ist? Nicht so wichtig.

Die Unterschiede zwischen den drei CDU-Hauptkandidaten Spahn, Laschet und Merz werden entsprechend nivelliert: Haben alle ihre Vor- und Nachteile. Geschmackssache beinahe. Inhaltlich? Eigentlich egal. Aber als Illner dann doch mal wissen will, wie man aus der hochnotpeinlichen Situation in Thüringen denn nun eigentlich auskommen will oder wie der künftige Umgang mit Linkspartei auf der einen und AfD auf der anderen Seite aussehen sollte, wird die Diskussion hitzig.

Illner-Talk im ZDF: Unangenehmer Auftritt von Tilman Kuban

Sicher ist es undankbar für die CDU-Leute, ausgerechnet von ihrem Lieblings-Punching-Ball, dem tranigen SPD-Parteivorsitzenden Norbert Walter-Borjans, und ihrer Lieblingsfeindin, der Linken-Vorsitzenden Katja Kipping, Lektionen in demokratischer Aufrichtigkeit zu erhalten. Aber dass Kuban dabei wie ein wütender Kläffer ständig seine immergleichen Beschimpfungen dazwischenkeifen muss und wieder und wieder betonen will, dass die CDU schließlich „die Partei Helmut Kohls“ ist – das ist in seiner erbärmlichen Verzweiflung doch etwas unangenehm. Seit wann ist das Pendel eigentlich wieder umgeschwungen, dass man nicht die aktuelle Rekordkanzlerin als Identifikationsfigur nennt, sondern den eigentlich nach dem Spendenskandal doch gründlich demontierten Reformstau-Kanzler? Ist das der Weg in die Zukunft für die Junge Union?

Illner-Talk im ZDF: CDU und Linke geraten aneinander 

illner versucht, die erhitzten Gemüter zu beruhigen, während die CDUler der Linken ihre SED-Vergangenheit vorwirft; die Linke den Christsozialen ihren eigenen rechtsextrem-liebäugelnden „Werteunion“-Flügel vorhält; der stellvertretender „Welt“-Chefredakteur Robin Alexander Kuban allerlei Unwahrheiten nachweist; Walter-Borjans daran erinnert, dass die Union nach der Wende genauso viele Ex-SED-Kader aufgenommen hat wie die Linke; und Kuban sich nicht entblödet, Bodo Ramelow die Schuld für den Abstimmungs-Coup der AfD zu geben, anstatt den eigenen Parteifreunden, die mit der rechtsnationalen Partei gestimmt haben.

Illner-Talk im ZDF: CDU leugnet Öffnung gegenüber der AfD 

Als sich der Rauch etwas lichtet, bleibt ein trostloses Bild stehen: Ein Öffnung gegenüber der Linken, wie sie Teile der CDU und praktisch alle anderen demokratischen Kräfte im Land fordern, wird von Hans und Kuban kategorisch ausgeschlossen. Und eine Öffnung gegenüber der AfD, wie sie von einem sehr prominenten und mitgliederstarken Flügel der Partei gefordert wird, wird kategorisch als nicht-existent geleugnet. „Wir werden uns nicht selbst zerfleischen“, tönt Kuban stolz mit Blick auf die immer noch siechende SPD. Dass die Union gerade dabei ist, sich die genau gleichen Wunden selbst zuzufügen, scheint er nicht verstanden zu haben. Und an einem Stillen der Blutung ist offenbar keiner interessiert. Sie sind schließlich die Partei von Helmut Kohl. Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.

Von D.J. Frederikssson

Maybrit Illner reagierte mit einer Extraausgabe ihrer Talkshow auf den Anschlag in Hanau und fragte: „Rechter Terror außer Kontrolle?“

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