Zeitvertreib in der Isolation

Daheimbleiben als Geschäftsmodell

Während das Coronavirus viele Branchen hart trifft, boomt ein anderes Geschäft.

  • In der Corona-Krise* blüht das Online-Geschäft mit Spielzeug
  • Die Bestellzahlen haben sich zum Teil verdoppelt, berichten Händler
  • Diese Spielzeuge sind besonders beliebt


Warum nicht das Corona-Motto #staythefuckhome umdrehen, dachten sich die Mitarbeiter von Amorelie. Der Berliner Online-Shop für Erotikprodukte animiert zu #stayhomeandfuck. Und das nehmen die Deutschen anscheinend wörtlich, egal ob als Paar oder Single. Während das Virus viele Branchen hart trifft, verzeichnen die heimischen Anbieter von Sextoys und Kondomen steigende Zahlen. Um das zu analysieren, braucht man kein Experte zu sein: mehr Zeit, zu Hause bleiben müssen und keine Dates könnten Gründe genug sein.

Spielzeug in der Corona-Krise: Bestellzahlen verdoppelt

Parallel zum Auftauchen des Virus hätten sich die Bestellzahlen verdoppelt, berichtet der Bielefelder Onlinehändler Eis.de. Und mit Inkrafttreten verschiedener Schutzregelungen der Bundesländer sogar noch erhöht. Der 3. April war der stärkste Verkaufs-Tag der Firmengeschichte, so das Unternehmen. Seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen sei etwa in Bayern der Absatz von Solo-Sexartikeln wie Masturbatoren für Männer und Druckwellen-Vibratoren für Frauen um 300 Prozent gestiegen.

In Zeiten der Isolation scheinen die Menschen sich in Fantasien zu flüchten – oder sie wollen den systemrelevanten Berufen Tribut zollen: Man weiß es nicht. Der Verkauf des Krankenschwestersets sei jedenfalls um das 30-fache gestiegen, berichtet der Erotikspielzeug-Versender Eis.de. Das Produkt sei nun ausverkauft, Nachschub gebe es erst spätestens in sechs Wochen.

Quarantäne als Geschäftsmodell: Online-Shops profitieren von Corona-Krise

Im Zeitraum Ende März / Anfang April konnte auch Funfactory, ein Bremer Hersteller von Sexspielzeug, mit 66 Prozent mehr Online-Umsatz gegenüber dem Vorjahr eine quasi täglich wachsende Nachfrage spüren, teilt Sprecherin Kristy Stahlberg mit. Die Website der Funactory habe in der letzten März-Woche gut 40 Prozent mehr Besuche registriert.

„Besonders in Zeiten der Isolation und räumlichen Trennung sind Toys absolute Bestseller, die über weite Entfernungen funktionieren“, berichtet Lina Gralka, Brand-Expertin bei Amorelie der Frankfurter Rundschau. Amorelie verzeichne aktuell einen Anstieg von 50 Prozent in dieser Kategorie. Der Vibrator Lush 2.0 etwa funktioniere über eine App und lasse sich von Partnern über eine sehr weite Distanz steuern.

Hohe Nachfrage bei Spielzeug während der Corona-Krise: Beliebt bei Paaren und Singles

„Auch das gemeinsame Meistern von Herausforderungen ist für viele Paare während der Stay-Home-Situation wichtig“, sagt Gralka. So gebe es verschiedene Sets und Boxen, die für Abwechslung im Sex-Alltag sorgen können. Diese Kategorie erfahre momentan einen Anstieg von 65 Prozent.

Für Singles gebe es ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten, Sex in Zeiten des Social Distancings zu integrieren und sich nicht alleine zu fühlen, so Gralka. „Masturbation kann hier entgegenwirken.“ Und könne helfen den Kopf freizukriegen. Ein positiver Nebeneffekt von Sex und besonders des Orgasmus sei, dass Hormone ausgeschüttet würden, die glücklich machten und Stress abbauten.

Gewinner der Corona-Krise: Deutlich mehr Bestellungen

Nicht nur Spielzeug, auch Kondome sind derzeit überdurchschnittlich begehrt. Förmlich explodiert sei bei Eis.de die Nachfrage nach den günstigen 100er- Packungen. „Die Kunden greifen hier fünf Mal häufiger zu.“ Daher wurde der Verkauf dieser Packungen auf eine pro Haushalt limitiert.

Auch der Kondomhersteller Ritex aus Bielefeld verzeichnet deutlich mehr Umsatz. Die Nachfrage nach seinen Kondomen habe sich im März gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verdoppelt, sagt Geschäftsführer Robert Richter. Die Versorgung sei auf absehbare Zeit sicher, betont der Geschäftsführer. Die Ware werde ausschließlich in Deutschland produziert und sei damit nur in begrenztem Rahmen von den internationalen Lieferketten abhängig.

Von Judith Köneke


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