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Neue Zahlen: Wärmepumpen-Absatz bricht 2024 ein – Verband sieht mehrere Gründe

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Der Wärmepumpe könnte die Zukunft gehören – doch aktuell sind die Deutschen skeptisch. Das belegen neue Zahlen, die IPPEN.MEDIA vorliegen.

In den vergangenen Jahren wuchs die Beliebtheit von Wärmepumpen – jedenfalls gemessen an den Absatzzahlen. Der Bundesverband Wärmepumpe (bwp) verzeichnete jedes Jahr einen neuen Absatzrekord. Doch 2024 begann anders: „Im Gegensatz zu 2023 startete 2024 mit einem Nachfragerückgang für Wärmepumpen“, erklärt der Verband nun auf Anfrage von IPPEN.MEDIA.

Konkret wurden bis Mai 52 Prozent weniger Wärmepumpen verkauft als im Vorjahreszeitraum. In absoluten Zahlen sind es nach fünf Monaten nur 76.000 Wärmepumpen. Dabei will die Bundesregierung dieses Jahr mindestens 500.000 Wärmepumpen unters Volk bringen. Die neuen Zahlen lassen dieses Ziel unrealistisch erscheinen.

Wärmepumpen in Deutschland weniger gefragt: „Große Verunsicherung“ nach Heizungsgesetz-Streit

Der Verband sieht mehrere Gründe für diese Entwicklung. „Noch vor zwei Jahren haben sich Endverbraucher große Sorgen über die Preis- und Versorgungssicherheit bei Gas und Öl gemacht“, erklärt der bwp. „Diese Sorge bei der Versorgungssicherheit besteht bei vielen derzeit nicht mehr, obwohl Gaspreise zwar gesunken, aber doch abhängig von der Weltlage ziemlich instabil geworden sind.“ Auch beim Öl gibt es angesichts des Ukraine-Kriegs Unsicherheitsfaktoren.

Kanzler Olaf Scholz lässt sich eine Propan-Wärmepumpe erklären.
Kanzler Olaf Scholz lässt sich von einer Expertin des Fraunhofer-Instituts eine Propan-Wärmepumpe erklären. (Archivbild) © Marijan Murat/picture-alliance/dpa

Einen weiteren Dämpfer sieht der Interessensverband, der Teile der Heizungsindustrie, Planer oder auch Handwerker vertritt, in den Debatten um das Heizungsgesetz. „Die Diskussion rund um das Gebäudeenergiegesetz und die kommunale Wärmeplanung zusammen mit einigen Falschinformationen in verschiedenen Medien haben zu einer großen Verunsicherung und einer Wartehaltung vieler Hausbesitzer geführt.“ Der Verband warnt indes, dass der „CO₂-Preis weiter ansteigen“ werde: „Ab 2027 möglicherweise auch sprunghaft durch den europäischen Zertifikatehandel.“

Wärmepumpen-Förderung der Bundesregierung

Grundsätzlich werden 30 Prozent der Anschaffungskosten übernommen. Wer bis 2028 seine alte Öl- oder Gasheizung austauscht, erhält zusätzlich 20 Prozent. Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen von weniger als 40.000 Euro pro Jahr erhalten weitere 30 Prozent. Die Boni können kombiniert werden. Die Förderung liegt jedoch maximal bei 70 Prozent der Kosten. Ein Nachteil: Obwohl die Förderung bereits beantragt werden kann, kann es Monate dauern, bis sie ausgezahlt wird.

Die Ampel-Koalition hatte 2023 lange und heftig über das Gebäudeenergiegesetz diskutiert. Ursprünglich sollten ab 2024 neue Öl- und Gasheizungen verboten werden, was auf massive Kritik stieß. Nun soll ab spätestens 2028 jede neu eingebaute Heizung zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden.

Wärmepumpen bald wieder gefragt? Verband hofft – Özdemir plaudert aus dem Nähkästchen

Trotz des aktuellen Rückgangs ist der Bundesverband Wärmepumpe zuversichtlich, dass sich der Markt erholen wird. „Mit den Fördermaßnahmen des Bundes und auch der Länder ist der Heizungstausch in diesem Jahr besonders attraktiv. Daher gehen wir davon aus, dass die Absatzzahlen langfristig wieder steigen werden.“ Die Bundesregierung unterstützt den Umstieg auf Wärmepumpen mit erheblichen finanziellen Mitteln (siehe Kasten).

Als Cem Özdemir seine Wärmepumpe kaufte, gab es dieses Fördermodell indes noch nicht, wie der grüne Agrarminister am Rande seiner aktuellen Sommerreise verriet. „Ich gehöre noch zu denen, die sie zu den alten Preisen gekauft haben“, sagte er am Dienstag (9. Juli) bei einem Stopp in Mecklenburg-Vorpommern. Das „ärgert einen als Schwaben“, räumte Özdemir mit einem Augenzwinkern ein. (as/fn)

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