Verstärkt wegen Lockdown

Homeoffice wegen Corona: Was lässt sich von der Steuer absetzen?

Homeoffice wird für viele Arbeitnehmer wegen der steigenden Corona-Zahlen (wieder) und verstärkt aufgrund des Lockdowns zum Thema. Was ist mit den Kosten? Was kann man von der Steuer absetzen?

Hamm - Homeoffice statt Büro: Die Arbeit zu Hause war für viele Beschäftigte wegen des Coronavirus* bereits im Frühjahr 2020 gelebte Praxis. Im Sommer - bei stagnierenden oder gar sinkenden Corona-Zahlen - dürften viele Arbeitnehmer ins Büro zurückgekehrt sein. Mit der zweiten Welle rückt das Thema Homeoffice aber wieder mehr in den Fokus, wie wa.de* berichtet. (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Zahlreiche Menschen weichen wieder in das heimische Arbeitszimmer aus - oder ans Küchentisch-Provisorium. Fragen in puncto Steuererklärung dürften allemal aufkommen: Wer trägt die Kosten, die beim Arbeiten zu Hause entstehen? Was kann man von der Steuer absetzen?

Homeoffice wegen Corona von der Steuer absetzen? Diskussion um Tagespauschale

Ob im Arbeitszimmer, am Esstisch, auf der Couch oder in der noch so kleinen Ecke mitten im Familientrubel - Homeoffice ist seit Beginn der Corona-Krise für viele Menschen täglich Brot. Die Antwort auf die Frage, ob sich die Kosten dafür von der Steuer absetzen lassen, lautet im Moment ja und nein zugleich.

Da aber wegen der Corona-Krise derzeit besonders viele Menschen zu Hause arbeiten, forderten Hessen und Bayern Ende September, dass mehr Menschen ihr Homeoffice von der Steuer absetzen können - in Form einer unkomplizierten Tagespauschale. Dafür wollen sich die beiden Länder im Bundesrat einsetzen.

Homeoffice wegen Corona: Pauschalbetrag von 5 Euro pro Tag bei der Steuer geltend machen?

Bei der Initiative geht es vor allem um Bürger, die sich kein eigenes Arbeitszimmer einrichten können, wegen Corona aber im Homeoffice gelandet sind. Sie sollen von einer „Einfachvariante“ profitieren, wie der bayerische Finanzminister Albert Füracker (CSU) und sein hessischer Kollege Michael Boddenberg (CDU) bereits Ende September mitteilten.

Die Initiative, die sie in den Finanzausschuss des Bundesrates einbringen wollen, sieht vor, dass pro vollem Tag im Homeoffice ein Pauschalbetrag von fünf Euro als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden kann - maximal 600 Euro pro Jahr, wie mehrere Medien berichteten. Immerhin

Besondere Voraussetzungen in der Wohnung sind nach den Plänen der Finanzminister nicht notwendig. Sie wollten, „dass die Zusatzkosten durch Homeoffice unbürokratisch bei der Einkommensteuer geltend gemacht werden können“, erklärten die Minister. Der Vorschlag trage „zur Steuervereinfachung bei“ und könne „helfen, die in der gegenwärtigen Praxis häufigen Konflikte mit dem Finanzamt bei den Arbeitszimmerkosten zu befrieden“.

Homeoffice wegen Corona: Neues Eckpunktepapier der Unions-Bundestagsfraktion zu Steuer-Vorteilen

Das Thema Homeoffice ist wegen steigender Corona-Zahlen derzeit auf jeden Fall groß im Gespräch - auch am Dienstag, 27. Oktober. Aus der Unions-Bundestagsfraktion gibt es nun einen Vorstoß, mobiles Arbeiten zu erleichtern und steuerlich zu begünstigen.

Ein Eckpunkte-Papier wird als Gegenentwurf zu Plänen von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) verstanden. In dem am Dienstag vorgelegten Papier des Arbeitskreises Zukunft der Arbeit heißt es: „Obwohl mobile Arbeit bei immer mehr Tätigkeiten möglich ist, verhindern Unsicherheit über rechtliche Fragen und wirtschaftliche Folgen bei Arbeitnehmern wie Arbeitgebern eine noch schnellere Verbreitung.“

In dem Papier werden nicht nur Änderungen bei Arbeitszeit-Regelungen vorgeschlagen, sondern es geht auch um Steuer-Entlastungen. So soll der Arbeitgeber den mobil Arbeitenden Kosten steuerfrei ersetzen dürfen, selbst wenn einzelne Elemente wie ein Breitbandanschluss privat mitgenutzt werden.

Homeoffice wegen Corona: Arbeitsminister will Recht gesetzlich verankern

Außerdem sollen sogenannte Co-Working-Spaces gefördert und Lücken beim Unfallversicherungsschutz geschlossen werden, wenn Arbeitnehmer im Homeoffice arbeiten. Das Papier des Arbeitskreises ist innerhalb der CDU/CSU-Bundestagsfraktion noch nicht abgestimmt. Heilmann sagte, es gebe in der Fraktion großen Konsens, zu einzelnen Punkte aber noch Beratungsbedarf.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will hingegen - auch infolge der Corona-Erfahrungen aus dem Frühjahr - ein gesetzlich verankertes Recht auf Homeoffice. Das lehnt die Union aber ab. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann sprach am Dienstag von großen konzeptionellen Unterschieden zur SPD. Heilmann erwartet daher keine Lösung noch in dieser Legislaturperiode, also bis zur Bundestagswahl im Herbst 2021. Viele Regelungen seien auch für die „Post-Corona-Zeit“ gedacht. Das wiederum dürfte bei vielen Arbeitnehmern, die wegen der Pandemie zu Hause arbeiten, nicht gerade auf Begeisterung stoßen.

Homeoffice wegen Corona: Was lässt aktuell sich von der Steuer absetzen?

Doch wie ist die Situation denn überhaupt bislang? Kann man ein Arbeitszimmer absetzen? Wie sieht es aus mit Kosten für Büroausstattung, Telefon- und Internetverbindung? Wir geben hier einen Überblick:

„Geht es um die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer, ist die Rechtsprechung eindeutig“, sagte Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) in Berlin bereits im Frühjahr 2020 der Deutschen Presse-Agentur. Was in Sachen Homeoffice bei der Steuererklärung anerkannt wird und was nicht, dafür gibt es also auch abgesehen von Corona ziemlich starre Regeln.

Homeoffice wegen Corona: Wann sich ein Arbeitszimmer von der Steuer absetzen lässt - und wann nicht

Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied 2016, dass Aufwendungen für „einen in die häusliche Sphäre eingebundenen Raum, der mit einem nicht unerheblichen Teil seiner Fläche auch privat genutzt wird“, bei der Steuererklärung nicht als Betriebsausgaben beziehungsweise Werbungskosten berücksichtigt werden (Aktenzeichen.: X R 32/11).

Einen Schreibtisch im Durchgangszimmer, die Arbeitsecke im Wohnzimmer oder den Laptop auf dem Küchentisch - wie viele Menschen wegen Corona kurzerhand die Arbeit zu Hause möglich machten - akzeptiert das Finanzamt also nicht. Homeoffice ist also nicht gleich Homeoffice.

Homeoffice: Arbeitszimmer von der Steuer absetzen? Nur unter diesen Bedingungen

Für die Steuer anerkannt wird das häusliche Arbeitszimmer nur, wenn es sich um einen abgeschlossenen Raum handelt, der wie ein Büro eingerichtet ist und fast nicht privat benutzt wird. Als Faustregel gilt laut Rauhöft: 90 Prozent der Nutzung sollte in etwa beruflich im Homeoffice und 10 Prozent dürfen privat sein. Daran hat auch Corona bislang nichts geändert.

Auch der Bund der Steuerzahler hat sich bereits während der ersten Corona-Welle erklärend geäußert. Wenn man nachweisen kann, dass für die Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, sind demnach im Jahr bis zu 1250 Euro als Werbungskosten absetzbar. Für einige Menschen ist Homeoffice immerhin auch unabhängig von Corona das Mittel der Wahl. Wenn das häusliche Arbeitszimmer sogar der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit ist, können die Kosten in voller Höhe als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden. In der Regel ist das aber nur bei Freiberuflern der Fall.

Homeoffice wegen Corona: Miete, Energiekosten und vieles mehr von der Steuer absetzen?

Im Homeoffice entstehen natürlich auch noch andere Kosten: Werden die Voraussetzungen erfüllt, können die Aufwendungen für Miete, Energiekosten, Grundsteuer, Versicherungen, Müllabfuhrgebühren oder den Schornsteinfeger im Rahmen der Steuererklärung anteilig geltend gemacht werden. Ruhr24.de* hat Tipps zusammengefasst, wie sich im Homeoffice Strom sparen lässt.

Wer ein Arbeitszimmer in seinem selbst genutzten Haus oder seiner Eigentumswohnung eingerichtet hat, kann auch die auf das Arbeitszimmer entfallenden Kreditzinsen steuerlich geltend machen. Corona hin oder her - das dürfte für einige Menschen eine Option sein.

„Die anstelligen Kosten richten sich dabei nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur gesamten Wohnfläche“, hieß es vom Bund der Steuerzahler. Macht das Arbeitszimmer also beispielsweise 20 Prozent der Wohnfläche aus, können auch 20 Prozent der anfallenden Kosten steuerlich abgesetzt werden.

Homeoffice wegen Corona: Ausstattung von Arbeitszimmer und Arbeitsecke von der Steuer absetzbar

Ausgaben für die Ausstattung des Arbeitszimmers können hingegen in voller Höhe berücksichtigt werden. Gut zu wissen: Auch wenn mehrere Personen ein häusliches Arbeitszimmer für das Homeoffice nutzen, kann jeder von ihnen seine Aufwendungen als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend machen.

Wer sich - etwa für Arbeit im Homeoffice während Corona - nur eine Arbeitsecke eingerichtet hat, kann all diese Kosten nicht geltend machen. Hier wirkten sich nur Arbeitsmittel, wie Computer, Schreibtisch oder Bürostuhl steuermindernd aus, so der Bund der Steuerzahler. Hat der Gegenstand weniger als 800 Euro netto gekostet, kann er direkt im Jahr der Anschaffung von der Steuer abgesetzt werden. Teurere Arbeitsmittel müssen über mehrere Jahre abgeschrieben werden - je nachdem wie die Nutzungsdauer des Gegenstandes ist.

Homeoffice wegen Corona: Eigenen Telefon- und Internetanschluss genutzt? Bei der Steuererklärung daran denken

Wer für dienstliche Belange im Homeoffice während Corona jetzt auch seinen eigenen Telefon- und Internetanschluss nutzt, kann einen Teil der Ausgaben ebenfalls absetzen. Arbeitnehmer können 20 Prozent der jeweiligen Monatsrechnung, maximal aber 20 Euro pro Monat als Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung geltend machen. Alternativ können auch Arbeitgeber die Kosten pauschal steuerfrei erstatten.

Corona hat in Sachen Homeoffice natürlich schnellen Handlungsbedarf erfordert. Wer aber nicht die Möglichkeit hat oder hatte, seine Waschküche, Vorratsräume oder Abstellkammer kurzerhand in ein Arbeitszimmer umzuwandeln, sollte sich trotzdem nicht entmutigen lassen. Die Kosten für das Arbeitszimmer kann man auch noch bei der Steuererklärung im kommenden Jahr geltend machen.

Homeoffice wegen Corona: Arbeitnehmer sollte für Steuererklärung Vorbereitungen treffen

Beschäftigte, die jetzt wegen Corona notgedrungen im Homeoffice arbeiten, sollten sich für die Steuererklärung 2020 vorbereiten. So lautete der Rat vom Bund der Steuerzahler bereits in der ersten Pandemie-Hochphase, Fotos von der Arbeitssituation zu machen „Am besten, Sie machen Fotos an verschiedenen Tagen zu verschiedenen Uhrzeiten, damit klar wird, dass das nicht nur einmalig war“, hieß es.

Arbeitnehmer sollten sich außerdem eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers ausstellen lassen, in welchem Zeitraum ihr Arbeitsplatz im Unternehmen nicht zur Verfügung stand und deshalb im Homeoffice gearbeitet werden musste, riet der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH).

Homeoffice wegen Corona: Noch einmal gut überlegen, was sich von der Steuer absetzen lässt

Auch eine Aufzeichnung, wann der häusliche Arbeitsplatz wie genutzt wurde, kann bei der Dokumentation gegenüber dem Finanzamt im kommenden Jahr helfen. „Je detaillierter die Aufzeichnungen und die Nachweise sind, desto größer sind die Chancen, dass die Finanzämter die Aufwendungen anerkennen“, erklärte die VLH.

Es lohnt sich alles in allem also, noch einmal darüber nachzudenken, welche Kosten aus dem Corona-Homeoffice sich absetzen lassen.

Durchaus fraglich ist auch, wie sich Corona - und damit verbunden Homeoffice - auf die psychische Gesundheit der Deutschen auswirkt. Dazu gibt es neue Studienergebnisse berichtet. In Sachen Corona spitzt sich die Lage jedenfalls immer weiter zu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte am Mittwoch, 28. Oktober, mit den Ministerpräsidenten über die aktuelle Entwicklung der Pandemie beraten. Die Situation sei „dramatisch“. Es steht ein „Lockdown light“* im Raum. Die Drogerie-Kette dm bietet unterdessen einen Corona-Antikörpertest für Zuhause an. Der Test soll eine durchgemachte Infektion nachweisen* - und ist nur bedingt sinnvoll. - *wa.de und Ruhr24.de gehören zum Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa/picture alliance

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