Ein Mann schaut sich in einem Labor einen Träger mit Bakterien an.
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Eine Studie untersucht Bakterien auf die Möglichkeit hin, sie als Krebs-Heilmittel zu nutzen (Symbolbild).

Neuer Ansatz

Revolution in der Krebs-Therapie? Bakterien nicht als Auslöser, sondern als Heilmittel

Bakterien sollen die Krebs-Gefahr erhöhen, doch nun wollen Forscher sie als Heilmittel einsetzen. Eine Studie hat vielversprechende Ergebnisse.

  • Ein neuer Ansatz aus der Schweiz könnte die Krebs-Therapie revolutionieren.
  • Das Unternehmen entwickelt eine Therapie in der Bakterien als Heilmittel gegen Krebs eingesetzt werden.
  • Die Studie soll Anfang 2021 beginnen.

Kassel - Diagnose Krebs: Für viele ist das ein Schreckensszenario, denn eine Krebserkrankung geht oft mit Bestrahlungen und Therapien mit starken Nebenwirkungen einher. Die Hoffnung auf ein Heilmittel gegen Krebs ist hoch. Ein Start-Up aus der Schweiz will die Krebs-Therapie revolutionieren und setzt auf eine ungewöhnlich klingende Option: Bakterien.

Bakterien als Heilmittel gegen Krebs, das klingt zunächst alles andere als sinnvoll, gelten sie doch als Gefahr für die Gesundheit. Einige Bakterien stehen sogar im Verdacht Krebs auszulösen. Eine Infektion mit „Helicobacter pylori“-Bakterien gilt zum Beispiel als Risikofaktor für Magenkrebs, so das Ergebnis einer Studie über die auch die Deutsche Krebsgesellschaft berichtet.

Revolutionieren Bakterien die Krebs-Therapie?

Aber auch andere Bakterien können die Gefahr einer Krebs-Erkrankung erhöhen. Chlamydien stehen im Verdacht Gebärmutterhalskrebs und Eierstockkrebs zu begünstigen. Aber auch die Gefahr an Prostatakrebs oder Darmkrebs zu erkranken kann durch Bakterien erhöht werden.

Für ihre neue Krebs-Therapie wollen die Wissenschaftler des Schweizer Start-ups T3 Pharmaceuticals AG (T3 Pharma) das Bakterium  „Yersinia enterocolitica“ nutzen. Dieses ist nach Campylobacter und Salmonellen der dritthäufigste bakterielle Erreger, der in Deutschland beim Menschen in Zusammenhang mit Darmerkrankungen registriert wird, so das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Heilmittel gegen Krebs? Unternehmen will Bakterien injizieren

In den kommenden Jahren will das Unternehmen damit beginnen, die Bakterien in Patienten zu injizieren. „Lebende Bakterien könnten die nächste große Welle an Krebswirkstoffen hervorbringen“, sagt Simon Ittig, Gründer von T3 Pharma dem Magazin Wirtschaftswoche. Die Idee ist nicht ganz neu: Eine Studie aus dem Jahr 2010 hat bereits untersucht, ob Bakterien in der Krebs-Therapie zum Einsatz kommen könnten.

Das Start-up aus Basel will als eines von vielen jungen Unternehmen diese neue Krebs-Therapieform jetzt in die Tat umsetzen. Dabei werden lebende Bakterien eingesetzt, um den Krebsherd zu besiegen. Die Verwendung lebender Bakterien gibt den Wissenschaftlern die Möglichkeit, Proteine in die Krebszelle zu transportieren und diese zu infizieren, einen Vorgang der als Typ-3-Sekretionssystem bezeichnet wird.

Neue Krebs-Therapie: Bakterien könnten weniger Nebenwirkungen mit sich bringen

Diese neue Krebs-Therapie ist vielversprechend, denn sie könnte Krebserkrankungen besser heilen als bislang verfügbare Therapien. Außerdem könnte dieser Ansatz deutlich weniger Nebenwirkungen haben als bereits etablierte Therapie-Ansätze, denn die Bakterien würden die Krebsherde von innen heraus angreifen.

Das entwickelte lebende „bakterielle Vehikel“ ist darauf ausgelegt, sich in Tumoren zu vermehren, während sie in gesundem Gewebe vom Immunsystem abgetötet werden, so T3 Pharma. Ziel der Krebs-Therapie sei es „das Immunsystem des Patienten zu aktivieren, um den Tumor selbst zu bekämpfen.“

Revolution in der Krebs-Therapie - Bakterien als Heilmittel

Die neuartige Krebs-Therapie könnte schon bald einen wichtigen Schritt vorankommen. Im Juli 2020 hat das Unternehmen 25 Millionen Franken (etwa 23 Millionen Euro) von Investoren bekommen, um eine klinische Studie zu seinem entwickelten therapeutischen Spitzenkandidaten „T3P-Y058-739“ voranzubringen. Der Start der Studie ist für Anfang 2021 geplant. Während der Corona-Pandemie müssen Krebs-Patienten besonders vorsichtig sein. (Sarah Neumeyer)

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